Lammert kandidiert nicht mehr für den Bundestag

Bundestagspräsident Norbert Lammert (67) zieht sich aus der Politik zurück. Nach fast vier Jahrzehnten im Deutschen Bundestag kündigte der CDU-Politiker dies am Montag an.

„Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, bei den Bundestagswahlen 2017 nicht wieder zu kandidieren“, heißt es in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Bochumer CDU, Christian Haardt, und NRW-Landes-Chef Armin Laschet. „Der Abschied aus der aktiven Politik fällt mir nicht leicht, da ich meine Aufgaben in Berlin wie im Wahlkreis nach wie vor gerne und mit ganzer Überzeugung wahrnehme und mich über den Zuspruch freue, den ich dafür immer wieder erhalte.“ Nach 37 Jahren im Bundestag und fünf Jahren im Rat der Stadt sei es „Zeit für einen Wechsel, zumal auch ich nicht immer jünger werde. ... Ich habe es immer als Ehre und Privileg empfunden, meinen Beitrag zur Entwicklung unseres Landes leisten zu dürfen.“

Die Bochumer CDU trifft Lammerts Entscheidung hart. Bis gestern ging die Partei davon aus, dass ihr prominentes Zugpferd wieder antreten würde. „Ich habe für Mittwoch eine Sondersitzung des Kreisvorstandes einberufen“, so Haardt. Die Zeit drängt: Am 16. Dezember soll der Kandidat/ die Kandidatin für den Wahlkreis 140 gewählt werden.

Lammerts Rückzug wertet Haardt als „herben Verlust“

– und zwar „für Deutschland, für Bochum und vor allem für die CDU“. Mit Norbert Lammert scheide ein profilierter Bochumer aus dem Bundestag aus, „der vor allem als Parlamentspräsident Anerkennung weit über die eigene Partei hinaus genießt“.

Lammerts Wahlkreis-Gegner Axel Schäfer, der stets das Direktmandat für die SPD holte, kommentierte die Nachricht kühl: „Ich werde mich anstrengen, den Wahlkreis wieder zu gewinnen. In demokratischen Auseinandersetzungen muss es immer fair zugehen, daran habe ich mich gehalten. Mit Lammert hatte ich wenige Berührungspunkte im Bundestag – er hat mich zu meinen Reden im Parlament aufgerufen.“