Lage der jungen Wissenschaftler ist ernst

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Standardmäßig befristete Arbeitsverträge, oft nur über kurze Zeit: Häufig wird die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses mit dem Stichwort „ernst“ beschrieben. Objektiv sei sie auch so, sagt das Team vom Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität. Die Forscher haben die Karrierebedingungen im deutschen Hochschulsystem untersucht und herausgefunden, das es teilweise gegen den eigenen Nachwuchs zu arbeiten scheint.

Anders als in Unternehmen gibt es im Hochschulsystem kaum eine strategische Berufsplanung. So lautet ein Ergebnis der Bochumer Studie. Wissenschaftler suchen sich nicht die Forschung aus, die am erfolgversprechendsten für die eigene Karriere scheint, sondern stehen als Person für ein Thema. Viele von ihnen zwingt das System irgendwann in der Karriere geradezu dazu, die eigene Universität zu verlassen. „In Sachen Personalrekrutierung kämpft das deutsche Universitätssystem derzeit eher zu wenig um den Wissenschaftsnachwuchs als vielmehr gegen ihn“, sagt Prof. Dr. Heiner Minssen von der RUB. „Nicht wenige Nachwuchskräfte halten die Bedingungen aber für selbstverständlich und arbeiten mehr oder minder in der blinden Hoffnung, dass sich später schon alles zum Guten auflösen wird.“

Die Analyse der Arbeitswissenschaftler zeigt auch, dass nicht klar ist, welche Kriterien der wissenschaftliche Nachwuchs eigentlich erfüllen muss, um es bis zur Professur zu schaffen. Es wird gefordert, Drittmittel einzuwerben, zu publizieren, international sichtbar zu sein und Lehrerfahrung sammeln zu. Aber quantifizieren lassen sich diese Anforderungen nicht. Darüber hinaus, so RUB-Forscherin Caroline Richter, gibt es eine Schattenwelt, über die nicht gesprochen wird: „Dann geht es etwa darum, inwieweit jemand seinen Chef imitiert, dieser sich dadurch wertgeschätzt fühlt und bereit ist, mehr in seinen Zögling zu investieren.“

Doktorvater oder -mutter spielen eine entscheidende Rolle für den späteren Berufsweg der Nachwuchskräfte. „Wie wichtig der persönliche Kontakt ist, wird häufig von den Kollegen unterschätzt“, sagt Heiner Minssen. Persönliches Feedback, etwa Bestätigung durch den Promotionsbetreuer oder ermutigende Rückmeldungen durch Kollegen auf Konferenzen, stiften Zuversicht. Und zwar deutlich mehr als Auszeichnungen wie Stipendien oder Preise.