Laarmannstraße: Gezwitscher im Wald lockt zur Ruhr

Willi Stahlschmidt, Werner Lerch und Gisela Dick (v. l. n. r.)  genießen die erste Frühlingssonne im  März.
Willi Stahlschmidt, Werner Lerch und Gisela Dick (v. l. n. r.) genießen die erste Frühlingssonne im März.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Laarmannstraße in Linden liegt an der Grenze zu Dahlhausen und ist für die Anwohner idealer Startpunkt langer Spaziergänge. Ruhige Wohnstraße entwickelte sich seit Mitte der 60er Jahre.

Bochum.. In der Ferne liegt die Herz-Jesu-Kirche in Essen-Burgaltendorf. „Die Kirche ist abends herrlich beleuchtet“, sagt Werner Lerch. Seit 1969 lebt er hier und weiß um die Vorzüge der Lage. Sobald der Spaziergänger in die Laarmannstraße einbiegt (1) und die ersten Häuser den Blick über Dahlhausen hinweg verstellen, wird es ruhig.

Ehemaliger Schlachthof

Die Anliegerstraße duldet nicht mehr Verkehr als nötig, doch wohnen hier mehr Menschen als es auf den ersten Blick scheint. Zu den Hausnummern 7-17 geht es links, zu 10-16 rechts hinein. Viele Anwohner sind Hinterlieger. Werner Lerch und Willi Stahlschmidt sind hier die Hinterlieger der ersten Stunde (2). Die zwei ehemaligen Stadtbediensteten kauften Ende der 60er Jahre den städtischen Baugrund und erlebten die Entwicklung der Straße mit. Als die Männer ihre Häuser aufbauten, säumte der Weg nur Ackerland und der ehemalige Standort des Schlachthofs in Linden (3). An seiner Stelle richtete die Stadt zwischenzeitlich auch eine Obdachlosenunterkunft ein.

Von all dem ist heute nichts mehr zu sehen. „Früher sind wir einfach über die Wiese nach Linden-Mitte rübergelaufen“, erinnert sich der 78-jährige Stahlschmidt. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Fläche nach einem Bebauungsplan der Stadt zu einer Wohnstraße vor allem für Eigenheime. „Es ist hier ruhig und trotzdem haben wir alles in der Nähe: Kirche, Kneipe, Einkaufsmöglichkeiten, Krankenhaus, Schule und Kindergarten. Es gibt in Linden noch ein funktionierendes Zentrum“, sagt Lerch.

Waldwege laden zum Wandern ein

In der Linkskurve fängt das Zwitschern an. Die erste Frühlingssonne wärmt den Waldgürtel und seine Bewohner. Wer nach dem Knick auf der rechten Seite der Laarmannstraße wohnt, der blickt immer wieder ins Grüne, das auch Chursbusch genannt wird. Die Terrasse von Werner Lerch und seiner Lebensgefährtin Gisela Dick grenzt an diesen Hintergrund. „Hier war ein wildes Grüngebiet. Die Stadt hat etwa in den 70er Jahren aufgeforstet und Wege angelegt“, schildert Lerch. Hinter den Garagen der Siedlung beginnt Dahlhausen mit dem Tiefbauweg, den einst die Bergleute zur Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau an der Ruhr hinunterliefen. Die Laarmannstraße selbst trägt keine Zeugnisse der hiesigen Zechenvergangenheit.

Willy Stahlschmidt kann die Ruhr von seinem Haus aus sehen. „Wir schätzen nicht nur den Blick auf die Ruhr, sondern dass wir in wenigen Gehminuten unten an der Ruhr sind“, sagt er. Die Spaziergänge in der Umgebung sind für die Pensionäre wichtiger den je. Gisela Dick erledigt im Grunde alles zu Fuß und schätzt ihre Runde nach Linden-Mitte, die gleich im Wald hinter ihrem Haus beginnen kann. Werner Lerch berichtet von der Mittwochswandergruppe, mit der er wöchentlich gerne drei bis vier Stunden in der Umgebung unterwegs ist. „Wir können diesseits der Ruhr laufen und wenn wir über die Pontonbrücke gehen, eröffnen sich weitere Möglichkeiten“, erläutert Stahlschmidt weiter. Der Waldweg ist genau im Linksknick der Straße ausgeschildert (4). Spaziergänger können ab hier an den Bäume vorbei zum Fluss gehen.

Hinter der Kurve geht die Laarmannstraße noch ein ganzes Stück weiter. Ein Mehrfamilienhaus auf der linken Seite tanzt mit seinen vielen Stockwerken aus der Reihe. Gegenüber treffen Eigentumshäuser auf Reihenhäuser. Zwischen den Mauern wiegen die Baumkronen sacht im Wind und verhindern Eintönigkeit, die auf der Laarmannstraße hier und da um die Häuserecken schleicht.

Ferdinand-Krüger-Straße am Ende

An der Ecke Haverkampstraße würde wohl jeder spontan glauben, hier sei die Laarmannstraße zu Ende (5). Die Bebauung bricht prompt ab und macht den Bäumen endlich richtig Platz. Auf der rechten Seite säumt jetzt nur Wald die Straße, die nun steil bergab läuft. Von irgendwoher schallen Rufe von einem Trainingsplatz. Autos rollen die Fahrbahn hinunter und entfernen sich. Spätestens wenn die Laarmannstraße in die Ferdinand-Krüger-Straße mündet, wird die beschauliche Ruhe und das Vogelzwitschern in der Laarmannstraße eine angenehme Erinnerung.

Ein arzt gab den Namen

Die Laarmannstraße wird als gewidmete Straße erstmals am 9. September 1965 in den städtischen Unterlagen erwähnt. Die Wohn- und Anliegerstraße ist nach Dr. Aloys Laarmann benannt, einem Mediziner mit örtlicher Bedeutung.

Laarmann (1877-1938) war Leiter des Lindener St.-Josef-Hopitals und von 1919 bis 1929 Amts- und Gemeindeverordneter in Linden-Dahlhausen sowie Vorsitzender der Zentrumfraktion. Nach der Eingemeindung war er 1929 Stadtverordneter im Bochumer Rat und zeitweilig auch Stadtverordnetenvorsteher.

Aloys Laarmann war dem Vereinsleben im Südwesten verbunden, zumal dem Schützenwesen, speziell dem Linden-Dahlhauser Schützenbund 1862, der zu den ältesten Vereinen seiner Art zählt. 1929 erwuchs dem in die Jahre gekommenen Schützenbund neues Leben, als Aloys Laarmann den Vorsitz übernahm. Er war 1937 der allseits geschätzte Schützenkönig, mit Selma Wolf als seiner Königin.

Sein Grab befindet sich auf dem katholischen Friedhof an der Nöckernstraße.