Kunzes „Räuberzivil“ in der Christuskirche

„Räuberzivil“ – die Band von Heinz Rudolf Kunze mit deutschsprachigem Gesang – machte auf ihrer Tour Halt in der halb gefüllten Christuskirche, um ihr neues Album „Tiefenschärfe“ vorzustellen.

H.R. Kunze, in den 1980er Jahren mit Liedern wie „Dein ist mein ganzes Herz“ bekannt geworden, verortet sich selbst in der Tradition von Aufklärung und Menschenrechten. Mit dem Song über den NS-Widerstandskämpfer „Robert Limpert“ schlägt er noch antifaschistische Töne an. Kurz darauf fordert er allerdings auch: „Kopftuchtragen bitte nicht im öffentlichen Raum“. An anderer Stelle beklagt er, keine Vorbehalte gegen homosexuelle Paare formulieren zu dürfen.

Der Frontmann von „Räuberzivil“ kommt wie eine friedensbewegte Mischung aus Dieter Nuhr und Wolfgang Petry mit Promotion daher. Der Sound der Band ist fühlig-akustisch, mit Anklängen an Country und folkigen Rock. Dazwischen: Gitarren-Schlager ohne großen Rums mit Texten à la Westernhagen. Vor den Songs liest Kunze prosaische Gedichte, politische Zweizeiler und aphorismenartige Gags. Mal in Kalauermanier, mal mit mehr Tiefe. Inhaltlich leider nicht mehr als eine Nabelschau zwischen Selbstbetrachtung und verunglückter Gesellschaftskritik.