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Kunst gegen den Schmerz

09.11.2007 | 19:19 Uhr

Medizinische Flüchtlingshilfe zieht nach zehn Jahren Arbeit nüchterne Bilanz.Pro Jahr werden bis zu 400 Menschen medizinisch versorgt und beraten. Trauma-Therapie wird wichtiger

Ihr Hauptziel hat die Bochumer Medizinische Flüchtlingshilfe (MFH) in den mehr als zehn Jahren ihres Bestehens bis heute nicht erreicht. "Es ist uns nicht gelungen, uns überflüssig zu machen", sagt Georg Eberwein, der sich am 26. November 1996 gemeinsam mit Knut Rauchfuss und anderen in einer "verrauchten Küche einer Bochumer Wohngemeinschaft" traf, um gegen das systematische Unrecht gegenüber Flüchtlingen in Deutschland etwas zu tun.

Der Beginn dieser Arbeit, die bald weit über Bochum hinaus wirken sollte (denn außer in Berlin gab es in Deutschland damals keine vergleichbare Organisation) fiel in die Zeit von brennenden Aslybewerber-Unterkunften. Doch die Gründer schwammen gegen den Strom, gegen das die öffentliche Meinung dominierende "Das-Boot-ist-voll-Syndrom".

In Bochum und in den Nachbarstädten bildete die MFH ein Netzwerk aus mehr als 50 niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen. "Es ging darum, den Flüchtlingen, die keinen Anspruch auf eine Gesundheitsversorgung hatten und es vielfach bis heute auch nicht haben, regelmäßig Besuche in Sprechstunden zu ermöglichen." Der Menschenrechtspreis der Ev. Kreissynode Herne würdigte den unermüdlichen Einsatz und machte die Arbeit gleichzeitig einer größeren Öffentlichkeit bekannt.

In Bochum entstanden etliche provisorische sogenannten Notunterkünfte, oftmals begleitet vom versteckten oder offenen Widerstand aus Teilen der Bevölkerung. Die Zahl der in der Stadt lebenden (offiziellen) Asylsbewerber kletterte von 504 im Jahr 1984 bis zum Höchststand im Jahre 1992 (3210). Vor allem die geänderte Asylgesetzgebung sorgte dafür, dass seitdem die Zahl der in der Stadt lebenden Flüchtlinge kontinuierlich sank. Heute, so die Stadt, leben noch 98 Asylbewerber in Bochum.

Doch die Arbeit der Medizinischen Flüchtlingshilfe ist deshalb nicht weniger wichtig geworden. Im vergangenen Jahr, so der aktuelle Bericht, gab es Kontakte zu 367 Flüchtlingen, davon 192 Frauen. "Neben der medizinischen Grundversorgung sind wir heute oft mit den Folgen großens Leids konfrontiert", so Eberwein.

Viele Flüchtlinge leiden unter traumatischen Erlebnissen, die sie in ihren Heimatländern erleiden müssten. Oft äußert sich dies in der "Posttraumatischen Belastungsreaktion". Immer wieder werden die Betroffenen von den Erinnerungen gequält.

Psychotherapeutie oder auch die Methode der Kunsttherapie helfen den Männern und Frauen ihr Leben zu meistern. Das Beispiel von Frau K., die mit ihrem Mann und drei Kindern aus dem kurdischen Teil des Irak flüchtete, zeigt, wie wichtig diese Unterstützung ist. Sie leidet bis heute unter den Folgen belastender Erlebnisse.

Anlässlich ihres Jubiläums zeigt die MFH in der Volkshochschule und der Mensa der Ruhr-Universität die Plakate junger Grafiker, die sich mit dem Thema Flucht und Illegalität beschäftigen. Deutschlandweit bekannt wurde mittlerweile der Slogan: "Kein Mensch ist illegal."

Von Michael Weeke

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