Kultur-Offensive aus den Niederlanden
01.10.2010 | 00:00 Uhr 2010-10-01T00:00:00+0200
Bochum. Unter diesem Gütesiegel „NL Ruhr“ ist das kleine Nachbarland im Kulturhauptstadtjahr an 300 Aktivitäten beteiligt. Klar, dass Bochum als DIE Theaterstadt im Revier die geballteste Ladung Holland abbekommt.
Paul Koek und seine Veenfabrik zum Beispiel, die nicht nur bloß hier inszenierten, sondern mit „Candide“ gleich die erste Spielzeit von Anselm Weber eröffnen durften. Und heute, Freitag, steht bereits die nächste Hollandisierung an, wenn Dries Verhoeven zum virtuellen Völkerverbindungsprojekt „Life Streaming“ bittet. „Pere Ubu“ in der Inszenierung der Toneelgroep Amsterdam (29. Oktober, Schauspielhaus) und das surrealistische Traumspiel „Vielfalt“ der Jakop Ahlbron Compagnie Amsterdam (17. Oktober Kammerspiele) folgen u.a..
Derber, greller, weniger streng
Immer cool - meistens gut! Wer eine gewisse Nähe zum Nachbarland verspürt (und wer im Ruhrgebiet täte das nicht!), der wird wissen, dass die niederländische Art die Dinge und die Welt zu sehen, ganz anders ist als die deutsche. Verspielter, poetischer, magischer, derber, greller, weniger streng, nicht so rau. Grenzübergreifende Vergleiche gab es dabei schon immer. Nicht nur NL-Kreative, sondern auch Staatseinrichtungen wie das Theaterinstituut und das Muziekcentrum Nederland kooperieren seit langem mit Partnern im Ruhrgebiet. Allein 1,2 Millionen Euro flossen über die Grenze in das „NL Ruhr“-Projekt.
Erfahrungen sammeln im Futtersilo
Ein weiteres Beispiel holländische Spleenigkeit in der Kunstauffassung ist „GastGastgeber“. Der „Gast“ (Holland) wird beim „Gastgeber“ (Ruhr2010) selbst zum Einlader; in Bochum während der „Life Streaming“-Vorstellungen. Der Theatervorplatz ist bereits mit einer wilden Mischung von Aufenthaltsräumen zugestellt, die NL-Künstler und -Architekten aufgebaut haben, und die zeigen, wie leicht Objekte welcher Art auch immer wiederverwendet werden können: die Rettungskapsel für 35 Personen von Denis Oudendijk, zum Beispiel, oder der umgebaute Futtersilo von Boris Duijneveeld.

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