"Kultur ist im Kommen"
28.04.2008 | 15:50 Uhr 2008-04-28T15:50:00+0200"Ruhr 2010"-Geschäftsführer Fritz Pleitgen spricht auf Einladung der Bürgerinitiative im Thürmer-Saal.Freundliche Stimme, doch wenig wirklich Neues. Michael Townsend erläutert die Bochumer Pläne.
Draußen war bestes Sonnenwetter. Die Befürchtung lag nahe, dass zur Informationsveranstaltung der SPD-nahen Bürger- und Wählerinitiative im Thürmer-Saal nur ein Häuflein Versprengter kommen würde. Dem war nicht so: Vielleicht war es der Reiz, einmal den ehemaligen WDR-Intendanten und heutigen Geschaftsführer von "Ruhr 2010" zu erleben. Es könnte aber auch sein, dass so mancher den neuen Bochumer Kulturdezernenten Michael Townsend live kennenlernen wollte. Der runde Saal bei Thürmer war jedenfalls ansehnlich gefüllt, als die beiden Kulturverantwortlichen darüber zu sprechen begannen, wie sie sich die Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2010 vorstellen.
Engagierte Revierbürger, die sich für die Kulturhauptstadt "Ruhr 2010" interessieren, hören den Statements von Fritz Pleitgen immer wieder mit besonderer Neugierde zu. Wird sich der Mann mit der sonoren Stimme diesmal etwas mehr in die Karten schauen lassen, wird er mit neuen Highlights heraus rücken, die die Kulturhauptstadt des Reviers zieren sollen? Und immer wieder ist der Zuhörer von der Diskretion überrascht, die Pleitgen - trotz seines verbindlichen Wesens - bei seinen Reden letztlich doch pflegt. So war es auch im Thürmer-Saal. Was er zu berichten wußte, war zumeist hinlänglich bekannt. Glasgow hätte vom Kulturhauptstadtjahr profitiert, Luxemburg hätte 2007 dieses Ereignis mit zwiespältigem Ergebnis abgeschlossen.
Für "Ruhr 2010" würden bislang 51 Mio. Euro zur Verfügung stehen, damit könne niemand Berge versetzen. Allenfalls Halden. Freude darum über Bochum: Hier sollen zwei Mio. Euro für die lokalen Kulturhauptstadt-Aktivitäten eingesetzt werden. 24 Städte des Reviers, die mit Nothaushalten arbeiten müssten, hätten es in dieser Hinsicht entscheidend schwerer, da "Kultur zu den freiwilligen Leistungen" gehöre. Es werde versucht, "in Einzelfällen" eine Beteiligung dieser Kommunen am Hauptstadtprogramm möglich zu machen, versprach der "Ruhr 2010"-Chef.
"Kultur ist im Kommen", meinte Fritz Pleitgen, sei aber nicht "auf Gedeih und Verderb" ausschließlich ein Wirtschaftsfaktor. Vom Programm "Ruhr 2010" müssten stattdessen entscheidende kulturelle Impulse ausgehen: "Wir wollen hier kein nettes demokratisches Bürgerfest veranstalten." Nicht nur Masse, Klasse sei ebenso wichtig. Pleitgen nannte als Beispiele das Festival "Theater der Welt", das 2010 im Revier veranstaltet wird, dazu die Ruhrfestspiele, die Ruhr-Triennale ...
Ohne die Aussicht auf "Ruhr 2010" hätte Berthold Beitz sicherlich kaum die 55 Mio. Euro für ein neues Folkwang-Museum zur Verfügung gestellt. Als Pleitgen allzu emphatisch von den Dortmunder und Duisburger Errungenschaften für die Kulturhauptstadt schwärmte (einschließlich millionenschwerer Landeszuschüsse), ertönte leichtes Murren aus dem Auditorium. Die Bochumer fühlten ihre Stadt zu wenig in dieser Aufzählung berücksichtigt. Fritz Pleitgen vermutete dann, dass die Aussicht auf "Ruhr 2010" auch dem Projekt des Bochumer Konzerthauses flankierend geholfen habe. So nebenbei wurde darauf hingewiesen, dass Kulturdezernent Townsend später die Bochumer Pläne erläutern werde.
Dann trat Townsend ans Mikro. Er listete noch einmal die Erlebnisräume auf, die im Kulturausschuss vorgestellt worden waren (die WAZ berichtete ausführlich). Mit einer Powerpoint-Präsentation wurde auch optisch deutlich, wie vielfältig die Initiativen sind, um Bochum für das große Jahr des Reviers fit zu machen. Als zentralen Punkt hob Michael Townsend das geplante Kulturquartier Viktoriastraße hervor, das sich im Zusammenklang mit dem Bermuda-Dreieck zu einer Hauptattraktion des Bochumer Programms entwickeln könnte. In diesem Zusammenhang sprach sich Townsend wiederum für den Erhalt der Marienkirche aus. Dort soll u.a. das Prinz-Regent-Theater untergebracht werden. Die Bedeutung einer solchen Kirchenarchitektur würde zumeist erst dann deutlich, "wenn sie nicht mehr da ist".
Und Townsend vergaß nicht zu erwähnen, dass ein solches Quartier wie an der Viktoriastraße in hohem Maße attraktiv für die "Kreativwirtschaft" sei. Um diesen Wirtschaftszweig, der Kultur und Profit miteinander verbinden will, wird derzeit viel Aufhebens gemacht. So kümmert sich Ruhr-2010-Direktor Dieter Gorny ganz gezielt um diesen Sektor.

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