Künstlerin schreibt in Bochum eine Partitur mit Farbe

Ines Hock vor ihren Bildern in der Galerie Januar.
Ines Hock vor ihren Bildern in der Galerie Januar.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Künstlerin Ines Hock verwandelt mit „Color Line Cut“ die Galerie Januar in eine bewegte, fließende Landschaft aus Farben und Stimmungen.

Bochum.. Farbig im wahrsten Sinne des Wortes fällt die aktuelle Ausstellung in der Galerie Januar aus.

Ines Hock erkundet in ihren ungegenständlichen Bildern, Wandarbeiten und Rauminstallationen die spezifischen Möglichkeiten der Farbmalerei. Hatte sie in der Vergangenheit zarte, luftige Farbschleier als künstlerischen Schwerpunkt, so hat sich dieser in letzter Zeit hin zu einem fragmentarischen Umgang mit ihren Ausdrucksmöglichkeiten gewandelt. „Ich schreibe Partituren mit Farbe“, sagt die 1960 in Wetzlar/Lahn geborene Künstlerin, die ihre Ausbildung u.a. an der Kunstakademie Düsseldorf als Schülerin von David Rabinowitch erhalten hat.

Wie immer bei den Präsentationen der Galerie Januar, ist auch die momentane Ausstellung speziell auf die Räumlichkeiten der zwei Geschosse des Hinterhauses in Langendreer bezogen. Es handelt sich um zwei temporäre Arbeiten, die sich über die Wände verteilen, wobei der Ausstellungstitel „Color Line Cuts“ sich auf das künstlerische-praktische Vorgehen bezieht: Ines Hock fixiert auf den Wänden durchsichtige Folienstücke, die sie zunächst auf der Vorderseite mit kräftigen Pinselzügen in leuchtenden Acrylfarben bemalt und danach aus der Folie herausgeschnitten hat.

Ein freundliches Gesamtpaket

Diese zahlreichen „Cuts“, Schnitte, bilden ein scheinbar wahlloses Muster aus einer Vielzahl von linienartigen Farbformen. Obwohl oder gerade weil eine exakte geometrische Anordnung fehlt, wirken die Farblinien bewegt und rhythmisch. Je nach dem, wie das Tageslicht in den Raum fällt, ob der Tag duster oder sonnig ist, verändern sich auch die Farben. Sie können stark oder matt wirken, sie können verhalten schimmern oder satt leuchten, so dass der Betrachter den Eindruck gewinnt, mittendrin zu sein, inmitten der Farbe selbst zu stehen.

Das Kunst-Paket ergibt im Ganzen eine freundliche Atmosphäre, wobei bewusst offen bleibt, wie die „Wirkung“ tatsächlich ausfällt. Anders als beim abgeschlossenen Leinwandbild, das eher die stille Betrachtung zum Ziel hat, laden Ines Hocks Raumbilder den Betrachter ein, beim Herumgehen einzutauchen in das ihn umgebenden, verstreute, mehr- und auch starkfarbige Formenspiel. Und sich damit auf die von der Farbe vermittelte anregende Atmosphäre heiter lebendiger Gestimmtheit einzulassen.