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Künstler wird zur Markise

26.07.2007 | 03:04 Uhr

Drei Monate in Willisau: Während eines Stipendiums profitieren auch die Schweizer von den Ideen des Bochumer Aktionisten Matthias Schamp. Aus der Idylle wieder zurück im rauen Revier

Draußen plätscherte der Brunnen. "Dort habe ich mir im Krug etwas zu trinken geholt", erzählt Matthias Schamp. Aus der Kirche leise Orgelmusik, und von der nahegelegenen Wiese das Geblök und der helle Glockenklang von Schafen. Man könnte meinen, dass in dieser Idylle nur romantische Gedichte in der Tradition eines Joseph von Eichendorff entstehen können. Nicht so bei Matthias Schamp. Der Bochumer Künstler ist bekannt durch irritierende, leicht subversive (Re-) Aktionen auf Phänomene der Gegenwart. In Bochum war er zuletzt als "weißer Querbalken" auf einem Einfahrt-verboten-Schild präsent.

Ins lauschige Ambiente des schweizerischen Städtchens Willisau, das zwischen Bern und Luzern liegt, gelangte Matthias Schamp durch ein Stipendium. Drei Monate stand ihm dort die Stadtmühle als Domizil zur Verfügung. Sein Aufenthalt war mit keinen festen Verpflichtungen verbunden. Im Gegenteil: Ein Museumspass gewährte ihm freien Eintritt in die Museen der Schweiz, außerdem konnte er kostenfrei mit der Bahn fahren. 1500 Franken pro Monat dienten dem Lebensunterhalt.

Doch kann ein Künstler nicht drei Monate lang ausschließlich dem Müßiggang frönen. Schamp nutzte die Zeit, um geplante Aktionen voran zu treiben: So verwirk-lichte er während der Stipendiumsmonate in Tongeren (Belgien) die "Abstract Parking Areas": in ihrer Machart verwirrende Pkw-Einstellplätze. Außerdem reiste Matthias Schamp für das Projekt "Der Schulhof als Salbe/Salbung des Schulhofs" nach Arnsberg. Schüler sammelten dort Kräuter, aus denen eine Salbe hergestellt wurde, mit der der Schulhof gesalbt wurde. Schamps sieht darin die "poetische Aufladung des Schulhofs". Besonders freut ihn, dass seine nicht ganz alltägliche Idee in der Arnsberger Fröbel-Schule mit Sorgfalt und Ernsthaftigkeit verwirklicht worden ist.

Doch auch in der Schweiz selbst blieb der Bochumer Künstler nicht untätig. In Basel fiel er durch eine Schaufensterlesung auf. Vier mit Megaphonen ausgerüstete Aktionisten gingen durch die dortige Einkaufszone und lasen alle ihnen vor Augen kommenden Texte laut vor: Werbung, Hinweise etc. Bochum erlebte eine solche Rezitation im übrigen schon 1991 auf der Kortumstraße.

Und schließlich zeigte Matthias Schampf in der nahe Willisau gelegenen Ortschaft Wolhusen seine "Markisen-Korrespondenz", wobei der Künstler selbst, in entsprechenden Stoff eingewickelt, als Markise fungierte.

Wieder in Bochum, plant Matthias Schamp derzeit in seinem Hinterhof-Atelier die Ausstellung, mit der er die Aktivitäten während des Stipendiums dokumentieren wird. Die Stille von Willisau noch in Erinnerung, umgibt ihn nun das ständige Verkehrsrauschen von der Wittener Straße her. "Und ich lerne, die Revier-Rauheit wieder zu schätzen", erzählt der Künstler mit den ganz besonderen Ideen.

Von Werner Streletz

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