Künstler setzt Psalm 23 in Farbe um

Christoph Lammert in der Kunstkirche.
Christoph Lammert in der Kunstkirche.
Foto: Ingo Otto
Was wir bereits wissen
  • In der Kunstkirche Christ König wird am 22. Oktober die neue Ausstellung eröffnet.
  • Der Bochumer Künstler Christoph Lammert gestaltete eine Raum-Bild-Installation.
  • Thema ist die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Schöpfung“.

Bochum .. Malerei und Installation von Christoph Lammert bietet die Kunstkirche Christ König (K.I.C.K.) mit ihrer neuen Ausstellung. Der Bochumer Künstler, Bruder des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, stellt sich dem K.I.C.K.-Jahresthema „Schöpfung“ in ungewöhnlicher Weise.

Der Titel der Ausstellung „23 ff.“ bezieht sich auf den vielleicht bekanntesten Psalm aus der Bibel, einen Psalm Davids: „Der Herr ist mein Hirte; / nichts wird mir fehlen./Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht...“

Offenheit und Austausch

Lammert hat seine Arbeit, wie alle K.I.C.K.-Künstler/innen, auf den riesigen, leeren Kirchenraum bezogen. Er verknüpft darin drei Situationen des Schöpfungsprozesses: Mit der Malerei erfolgt „der Blick auf die Welt“, mit der Anlehnung an Psalm 23 die Gastgeberschaft Gottes („Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“) und durch den Aufbau von „Schaffensorten“ die Aufforderung zur aktiven Teilnahme der Besucher.

500 qm grüne Auslegeware

Die Schaffensorte befinden sich mitten in der zweiteiligen Raum-Bild-Installation, die aus einem vierteiligen, abstrakten Bodengemälde besteht und aus einem zwölfteiligen Wandbild, das die weite Fläche hinter dem Altar ausfüllt. Der Boden ist mit satt grüner Auslegeware bedeckt; 500 (!) Quadratmeter wurden für diese bildgewordene „grüne Aue“ verlegt.

Die Schaffensorte selbst sind Bücher, die auf Staffeleien platziert sind, und vor denen Schreib- und Mal-Utensilien liegen; hier kann sich jeder verewigen, der sich von Lammerts Kunst, dem Ausstellungsraum selbst oder einem „höheren“ spirituellen Weisheit anregen lässt. Das Ausstellungskonzept setzt auf Offenheit und Austausch: „Schon vor der offiziellen Eröffnung sind alle Interessierten eingeladen, einen Blick zu wagen, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen, oder an einem der „Schaffensorte“ selbst aktiv zu werden“, so Propst Michael Ludwig.

Weitläufigkeit des Kirchenraums

Christoph Lammert versteht seine Arbeit als mit dem Akt der (künstlerischen) Schöpfung verbunden: „Der Prozess des Entstehens hat für mich denselben Stellenwert wie das Ergebnis meiner Arbeit“, sagt er. Der Maler (*1962) bietet mit seinen großformatigen Gemälden gleichsam Projektionsflächen an, auf die der Betrachter selbst (s)einen „Sinn“ projizieren kann. Mal sehen die Gemälde aus wie gestaltlose natürliche Formen, mal wie Kontinente und Ozeane, aus großer Höhe betrachtet. Die Weitläufigkeit des Kirchenraums verweist auf die Weitläufigkeit des Weltlichen innerhalb einer göttlichen Ordnung.

Christoph Lammerts K.I.C.K.-Beitrag vermittelt ein Raum-Erlebnis, das zu Einkehr und Kontemplation einlädt, ohne dabei vordergründig religiös zu wirken.