Kritik an Geriatrie in Gerther Fachklinik

Irma Möllerke erhebt Vorwürfe gegen das St. Maria-Hilf-Krankenhaus. Ihr Mann Erich sei in der Fachklinik unzureichend versorgt worden.
Irma Möllerke erhebt Vorwürfe gegen das St. Maria-Hilf-Krankenhaus. Ihr Mann Erich sei in der Fachklinik unzureichend versorgt worden.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Eine WAZ-Leserin wirft dem St. Maria-Hilf-Krankenhaus eine mangelhafte Versorgung ihres Ehemanns (80) vor. Die Fachklinik weist die Kritik zurück.

Bochum.. „Er ist nur noch ein Häufchen Elend.“ Irma Möllerke (84) sorgt sich um ihren Mann Erich. Seit einer über dreiwöchigen Behandlung im St. Maria-Hilf-Krankenhaus sei es um den 80-Jährigen „noch viel schlimmer bestellt als zuvor“, klagt die Ehefrau und erhebt Vorwürfe gegen die Klinik. Die weist jedwede Kritik zurück.

„Das Team hat sich zum Ziel gesetzt, spezifische Bedürfnisse älterer Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, heißt es in einer Selbstdarstellung der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation an der Hiltroper Landwehr. Irma Möllerke vertraute auf die Geriatrie-Experten, als ihr Mann nach einer Vorbehandlung im St. Josef-Hospital vor einem Monat in Gerthe aufgenommen wurde. Der frühere Stadtwerke-Abteilungsleiter leidet an Demenz und Parkinson. Seit 2013 wird das Ehepaar (sie sitzt im Rollstuhl) in einer betreuten Seniorenwohnung an der Brückstraße von einem Pflegedienst versorgt.

Täglich eineinhalb Liter getrunken

In schlechtem Allgemeinzustand, so weist es der Arztbrief aus, kam Erich Möllerke am 20. März ins St. Maria-Hilf-Krankenhaus. „Ich war täglich bei ihm und musste feststellen, dass er viel zu wenig getrunken hat“, schildert die Ehefrau. Zudem beklagt sie, dass ihr nahezu bewegungsunfähiger Mann „zu selten neu gelagert wurde“. Folge seien verschlimmerte Dekubitus-Wunden am Rücken und den Beinen.

„Entsetzt“ zeigt sich Irma Möllerke über den 14. April, den Tag der Entlassung. „Plötzlich tauchte mein Mann im Schlafanzug, noch mit Schlabberlatz um den Hals, vor der Tür auf. Er wurde dort von den Mitarbeitern einfach abgestellt. Wie kann man das mit einem dementen Menschen tun?“

„Herr Möllerke wurde während der kompletten Zeit umfassend versorgt und behandelt“, entgegnet Chefarzt Dr. Christoph Friedrich auf Anfrage der WAZ. Nach Infusionen in der ersten Woche habe der 80-Jährige – „dokumentiert“ – täglich eineinhalb Liter getrunken. „Wir haben bewusst keine Infusionen mehr verabreicht, weil Demenzkranke sonst oft das Durstgefühl verlieren.“ Mit einem bereits vorhandenen Dekubitus über dem Gesäß sei Erich Möllerke zudem stündlich neu gelagert worden. „Anfangs trat dennoch eine Verschlechterung ein. Als er nach Hause kam, gab es aber gute Abheilungstendenzen“, so Dr. Friedrich.

Mit Krankentransportwagen abgeholt

Am Entlassungstag sei der Patient mit einem Krankentransportwagen nach Hause gebracht worden. Zwei begleitende Sanitäter hätten ihn nicht „abgesetzt“, sondern sogar noch seinen Rollstuhl geholt, weil der Transportstuhl nicht in den Aufzug passte. Hat Erich Möllerke einen Schlafanzug getragen? „Ja“, bestätigt der Chefarzt. „Aber nur, weil er keine andere Kleidung in der Klinik hatte.“

Irma Möllerke bleibt bei ihrer Darstellung. „Ich lasse mir nichts mehr gefallen“, sagt sie. „Ich kämpfe für meinen kranken Mann!“