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Urteil

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters

22.05.2013 | 15:06 Uhr
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
Ein Lagerarbeiter aus Bochum ging trotz Krankenscheins in der Disco feiern - und wurde fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht kippte diese Kündigung nun.Foto: Thinkstock

Bochum.   Eine Lagerfachkraft hat am Mittwoch vor dem Arbeitsgericht Bochum erfolgreich gegen eine fristlose Kündigung geklagt. Sein Arbeitgeber hatte den Mann gefeuert, weil er trotz Krankenscheins bis drei Uhr nachts in der Disco gewesen war. Die Richter hielten die Sanktion für unangemessen.

Wer einen Krankenschein hat, sich aber gleichzeitig bis drei Uhr früh in einer Disco amüsiert, muss nicht unbedingt eine Kündigung akzeptieren. Das geht aus einem Urteil des Arbeitsgerichts Bochum vom Mittwoch hervor.

Ein Mitarbeiter einer Bochumer Firma für Lagersysteme war im vorigen Januar zehn Tage lang wegen Rückenbeschwerden krankgeschrieben. Bettruhe hatte der Arzt nicht verordnet. Nach einigen Tagen besuchte die Lagerfachkraft eine Disco bis drei Uhr früh und verließ sie erst, als es eine Massenschlägerei gab. Nach Überzeugung des Arbeitgebers hatte er damals als DJ auch Platten aufgelegt, das habe er auf „Facebook“ so geschrieben. Das Verhalten sei „grob gesundheitswidrig“ und „schwerwiegendes Verschulden“. Es folgte die fristlose Kündigung.

Arbeitgeber lehnte einen Vergleich mit 1000 Euro Abfindung ab

Damit blitzte die Firma aber vor Gericht ab. Die 5. Kammer zitierte mehrere Obergerichte, die in viel schwereren Fällen krank geschriebene Arbeitnehmer vor einer Kündigung bewahrt hatten: Einer war sogar trotz Schulterbruchs einen Marathon gelaufen.

Der Lager-Mitarbeiter bestritt, in der Disco Platten aufgelegt zu haben. Den anderslautenden Text bei Facebook habe er nur deshalb geschrieben, um zu gucken, ob ihm der Arbeitgeber nachspioniere.

Einen Vergleich (keine Kündigung, aber trotzdem Jobverlust mit 1000 Euro Abfindung) lehnte der Arbeitgeber ab. Daraufhin entschied das Gericht gegen ihn: Das Arbeitsverhältnis dauert fort. Jetzt geht es wohl in die Berufung.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
25.05.2013
11:00
Dumm und Dümmer
von barchettaverde2 | #24

Da standen Dumm und Dümmer vor dem Arbeitsrichter. Dumm von dem Arbeitnehmer mit einem "gelben Schein" in die Disco zu gehen und das auch noch auf FB zu dokumentieren. Noch dümmer war aber der Arbeitgeber das er den Vergleich abgelehnt hat. Den Tausender hätte ich dem Arbeitnehmer noch vor Gericht in die Hand gedrückt und dann ein Problem weniger gehabt. Er wäre damit für lächerliches Kleingeld den Low-Performer losgeworden. Jetzt wird es teurer. Solche Mitarbeiter braucht kein Unternehmen.

24.05.2013
09:20
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Juergen-Kahl | #23

Ob das Gericht dem Lagerarbeiter und der Allgemeinheit damit einen Gefallen getan hat, ist zweifelhaft. Bleibt zu ergänzen, dass es nicht nur in die Berufung geht, sondern für den "Hobby-Plattenaufleger" auch in einen Spießrutenlauf aufgrund seiner, zumindest moralischen, Verfehlung. "Wer feiern kann, kann auch arbeiten" - dieses ungeschriebene Gesetz hat er wohl völlig ignoriert.

Das Urteil ist allerdings auch eine ganz deutliche Warnung für alle Arbeitgeber vor unbefristeten Arbeitsverträgen und ein Tritt ins Knie für jeden rechtschaffenen und pflichtbewussten Angestellten.

Derartige Urteile öffenen Tür und Tor für befristete Arbeitsverhältnisse, Zeitarbeit und 400€-Jobs. Dadurch wird auch die kritisierte Strategie eines großen Versandhändlers zu Weihnachten 2011 schon fast verständlich und nachvollziehbar.

3 Antworten
dieses ungeschriebene Gesetz...
von Ichhaltsnichaus | #23-1

auweia, der brave Bürger macht hier die ungeschriebenen Gesetze selbst oder was? Da lob ich mir den betroffenen Lagerarbeiter, der sich an die ECHTEN Gesetze hält und damit ja auch Recht bekommt. Mit deinen ungeschriebenen Privatgesetzen dürftest du dich vor jedem Gericht lächerlich machen.

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Klug22 | #23-2

Solche Typen wie der Lagerarbeiter und dessen Sypathisanten machen das deutsche Sozialsystem und letztlich auch unsere Wirtschaft kaputt . Nach meiner Auffassung ist das handeln dieser Leute asozial, auch wenn diese Leute aus welchen Gründen auch immer vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen haben!

auweia...
von Ichhaltsnichaus | #23-3

.

23.05.2013
18:14
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von putti | #22

Ein schlimmes Urteil, eine Ohrfeige für die Pflichtbewußten

2 Antworten
oha!
von Ichhaltsnichaus | #22-1

ein Pflichtbewußter...
pell dir einen drauf. Nach 50 Jahren Betriebszugehörigkeit ohne Fehlzeit kriegste ne goldene Anstecknadel. Supi.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #22-2

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23.05.2013
17:05
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Bochumerjunge66 | #21

Hier hat das Arbeitsgericht mal eine gute Entscheidung getroffen.

Da der Arzt Ihn nicht Bettlägerig geschrieben hat.
Darf er sich frei bewegen.
Und Rückenschmerzen heißt nicht das ich nicht Tanzen darf.

23.05.2013
14:02
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Knuddelkater | #20

Lustig, wieviele Hobbyrichter und Hobbyärzte es hier anscheinen gibt.

1.) Rückenbeschwerden ist ein sehr oberflächlicher Begriff.
2.) als AG hätte ich ihn gleich nach dem Discobesuch zum Amtsarzt geschickt
3.) Als Krankgeschriebener daf ich nichts unternehmen, das den Heilungsprozess behindert/verlängert. Ob ein Discobesuch dies macht, muss 2.) attestieren
4.) FB ist öffentlich - wenn er den "Discjockey" öffentlich gepostet hat, ist es nicht verwerflich, wenn der Chef davon erfährt (es ist so, als hätte er ihn in der Disco gesehen)
5.) eine Fristlose Kündigung würde ich als AG nur nach Rücksprache mit 2.) und meinem Anwalt in die Wege leiten - wie hier schon teilweise geschrieben wurde gibt es sonst subtilere Möglichkeiten, sich des Menschen zu entledigen.

1 Antwort
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von a_ha | #20-1

Sehr gute Zusammenfassung.
ME ist in einem Betrieb mit bis zu 10 Angestellten er jederzeit ohne Angabe von Gründen fristgerecht kündbar.

23.05.2013
14:02
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von a_ha | #19

Die Kosten bekommt der AG erst nach 6 Wochen zu einem Teil ersetzt. Deshalb enden viele Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle auf den Tag genau nach 6 Wochen, weil danach der AN nur ca 60% von der KK erhält.
Vor den 6 Wochen muss der AG eine Versicherung abgeschlossen haben, die den Lohn fortzahlt.
Es ist und bleibt Besch... an den Kollegen. Rücken und Disko geht gar nicht.
Braungebrannt in Holland spazieren gewesen zu sein, ist schon schwer genug auszuhalten.

23.05.2013
10:57
Wozu noch ein Krankenschein?
von boxensport | #18

Das Arbeitsgericht Bochum ist für seine "linken" Richter bekannt. Ich habe da schon ähnliche Erfahrungengemacht. Die nächste Instanz kommt da nicht selten zu anderer Auffassung. Sehr lebensfremd die Damen und Herren in Bochum. Aber Rechtsprechung hat ja auch nix mit Recht haben zu tun.

1 Antwort
Lustig:
von bigkahuna | #18-1

Alles , was ,man nicht versteht, ist "links" !

23.05.2013
10:28
Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von reiner7 | #17

Ich gbe recht, nicht alle Diagnosen verbieten einem dies und jenes zu tun. Hier ist zu vermuten das es schon eine Vorgeschichte gibt. Wenn ich aber wegen Rückenprobleme in die Disco gehe ist was faul. Selbst wenn ich zugute halten würde, er würde nicht tanzen, die ganze Nacht auf die Beine nee das geht nicht, bei Rückenbeschwerden. In einem Komentar staht das der AG das Geld wieder bekommt. Bitteschön beachten, erst nach 6 Wochen zahlt die Krankenkasse. Vorher sind die meisten wieder gesund.

2 Antworten
mal nachdenken und informieren vor dem posten
von gebensiedasverzerrtewortein | #17-1

1. wer selber "Rücken" hat, weiss, dass Liegen in vielen Fällen weniger möglich ist, als Stehen und Laufen, ich selber musste schon im Sitzen schlafen, da Liegen unmöglich war.

2. Arbeitgeber versichern sich über die Umlage U1 gegen Zahlungen bei AU eines Arbeitnehmers und je nach Entgeltfortzahlungsversicherung, erstatten ihnen die Krankenkassen auf Antrag aus der Umlage zwischen 40 und 80 % der Aufwendungen.
An dem Umlageverfahren nehmen diejenigen Arbeitgeber teil, die in der Regel nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen.

Antwort auf Antwort
von roschor | #17-2

#17-1
stimmt, nachdenken und informieren vor dem posten
Arbeitgeber versichern sich über die Umlage U1, aber dafür müssen sie
Beiträge bezahlen.
Für mich ist dieser Mensch ein Schädling an der Gemeinschaft! Basta!

23.05.2013
09:47
das eigentliche Problem ist...
von Ichhaltsnichaus | #16

daß die meisten Kommentatoren einem Kranken keinen Spaß gönnen. Es ist diese furchtbar evangelische Haltung: "erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Diese Mißgunst hat unser krankes Wirtschaftssystem erst hervorgebracht.

5 Antworten
...
von Ichhaltsnichaus | #16-1

ebenso ist es mit Hartzern - denen gönnt auch keiner das Schwarze unter den Fingernäglen. Und Feiern schon gar nicht. Deutschland ab in die Klapse...

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von reiner7 | #16-2

Was hat das denn mit evangelisch zu tun. Nichts!!

doch, hat es!
von Ichhaltsnichaus | #16-3

Bitte ERST informieren, dann dummschwätzen. Deine Stichworte für die erfolgreiche Suche sind: Luther, Reformation, "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" etc.

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von a_ha | #16-4

@16

Dem Spruch dürfte unser Wohlstand zu verdanken sein. Okay, nicht Ihnen, aber Ihren hart schuftenden Vorfahren.

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Ichhaltsnichaus | #16-5

dem Spruch ist vor allem zu verdanken, daß sich jeder schlecht fühlen soll, der nicht arbeitet - aus welchem Grund auch immer.

23.05.2013
09:23
wo ist das Problem?
von Ichhaltsnichaus | #15

es heißt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - nicht Feierunfähigkeitsbescheinigung. Wenn ich z.B. arbeitsunfähig geschrieben bin wg. Mobbing, dann kann ich 10 Marathons laufen und danach noch in die Disco gehen, ganz einfach deswegen, weil ich auf diesen Veranstaltungen nicht gemobbt werde. Das verstehen Arbeit"geber" nicht. Besonders Lagerchefs kommen ja eher aus der Hauptschulfraktion.

5 Antworten
Krank in die Disco
von a_ha | #15-1

Es geht nicht um Mobbing.

...
von Ichhaltsnichaus | #15-2

vollkommen wurscht. Es geht darum, ob die Freizeitbeschäftigung die Gesundung des Arbeitnehmers verhindert.

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von Knuddelkater | #15-3

... noch nicht ;)

Krank in die Disco - Gericht in Bochum kippt Kündigung eines Lagerfacharbeiters
von putti | #15-4

Gesülze

.
von Ichhaltsnichaus | #15-5

"putti" gehen mal wieder die Argumente aus :-)

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