Kontaktpflege steht an erster Stelle

Einmal um die Welt ist das Solarauto Solarworld GT der Hochschule Bochum gefahren. In diesen Tagen wird es in Hannover präsentiert.
Einmal um die Welt ist das Solarauto Solarworld GT der Hochschule Bochum gefahren. In diesen Tagen wird es in Hannover präsentiert.
Foto: Hochschule Bochum
Was wir bereits wissen
Bochumer Unternehmen präsentieren sich auf der Hannover Messe. Junge Firmen wollen auf sich aufmerksam machen, Traditionshäuser die Aufmerksamkeit behalten.

Bochum.. Keiner wird mit einem prall gefüllten Auftragsbuch, mit abgeschlossenen Verträgen oder mit einem dicken Scheck zurück kehren. Aber eine mehrtägige Reise nach Niedersachsen ist in dieser Woche Pflicht für einige Bochumer Unternehmer. Auf der Hannover Messe geht es um „Sehen und Gesehen werden“, weiß Benjamin Geiger. Er vertritt auf der weltweit größten Industriemesse die junge Firmengeneration. Zum ersten Mal sind er und seine Mitstreiter von Auktora dabei.

Der Hersteller elektrischer Antriebe ist eine Ausgründung aus der Hochschule Bochum und zeigt zusammen mit Studenten unter anderem das in Bochum entwickelte und gebaute Weltumrundungsauto Solarworld GT. „Wir wollen uns, unsere Herkunft und unsere Kompetenz vorstellen“, sagt Geiger.

Präsentation auf der Messe in Hannover

Dafür hat die junge Firma einige Tausend Euro in die Hand genommen, die sie trotz der 70-prozentigen Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle noch für einen Platz auf einem Gemeinschaftsstand bezahlen muss. Was eine Messe, noch dazu eine so riesige wie die in Hannover, bringe, sei schwer abzuschätzen. „Aber wer sich nicht zeigt, von dem kann man auch nichts wissen.“

Das gilt auch für ein etabliertes Unternehmen wie Reich Kupplungen, das mit zehn Köpfen vertreten ist. „Es ist ein Muss, da zu sein, um sich zu zeigen und um Neuheiten zu produzieren“, so Geschäftsführer Christian Reich. Die Spezialisten aus Grumme zeigen eine Hochgeschwindigkeits-Kupplung etwa für Motoren-Messstände. Zufrieden nach Hause fahren werden Senior- und Junior-Chef Herwarth und Christian Reich dann, wenn die Bestandskunden gut betreut und vor allem qualifizierte neue Kontakte geknüpft wurden.

Elf Firmen aus Bochum

Interessant, so Christian Reich, sind vor allem die Gespräche mit dem Ausland – mit China und in diesem Jahr besonders mit Indien, das nach 2006 zum zweiten Mal Partnerland der Messe ist. Reich hat Anfang 2014 eine eigene Vertriebsgesellschaft in der Millionen-Stadt Pune im Westen Indiens eröffnet und erhofft sich dort nicht zuletzt durch die Messe einen spürbaren Schub.

Elf Bochumer Firmen sind diesmal dabei, neben jungen Unternehmen auch etablierte Häuser wie Reich und Eickhoff. Dazu kommt die Niederlassung des Befestigungsspezialisten TFC (Kohlenstraße), der Lehrstuhl Werkstoffwissenschaften von der Ruhr-Uni und Kundenberaterin Christiane Altenkamp von der GLS Treuhand. Mögen die Hauptschlagworte in Hannover auch Indien oder Industrie 4.0 sein. Sie will dafür werben, Geld in gemeinnützige Arbeit zu investieren und zugleich die Treuhand in ihrer Vermittlerrolle vorstellen.

Terminkalender ist prall gefüllt

Natürlich hat Dr. Johannes Wamser in diesen Tagen einen Koffer in Hannover. Wer wie er und sein Partner Mike Batra sein Geld mit der Unternehmensberatung für Indien-Geschäfte verdient, der muss diesmal dort unbedingt vertreten sein. Schließlich ist Indien in diesem Jahr das Partnerland der Messe, Premierminister Narendra Damodardas Modi war am Sonntag zu Gast bei der Eröffnung.

Das „Thema Indien“ hat inhaltlich für die Messe selbst zwar so viel nicht zu sagen, so Wamser. Aber sie gibt ihm die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit viele Kontakte zu pflegen und Gespräche zu führen, für die er ansonsten etliche Tausend Kilometer zurück legen müsste. Und da der persönliche Kontakt in seinem Metier besonders wichtig ist, stehen etliche Termine für Treffen auf dem Messegelände in seinem Terminplan.

Dr. Johannes Wamser rechnet nicht mit Aufmerksamkeit für Indien

Anders als noch 2006, als in Hannover geradezu ein Indien-Hype hervorgerufen wurde, rechnet der Experte diesmal nicht mit dramatisch steigender Aufmerksamkeit für das boomende Land. Die meisten Firmen wüssten vor allem nach eigenen Gründungen oder zumindest nach Teilnahmen an dortigen Messen den Markt und sein Umfeld mittlerweile gut einzuschätzen. Dazu gehört auch, so Wamser, dass im besten Sinne „die Inder Weltmeister in der Selbstdarstellung sind“.