Kohlrabi keimt im Tetra Pak

Zur Aussaat-Aktion in alten Verpackungen trafen sich Mitglieder des Vereins Gemeinschaftsgarten Bochum. Unser Bild zeigt von links Eve Hessas, Nina Selig, Annette Scheidereit, Ibo Peters, Franka Fieseler und Gisa Wevelsiep.
Zur Aussaat-Aktion in alten Verpackungen trafen sich Mitglieder des Vereins Gemeinschaftsgarten Bochum. Unser Bild zeigt von links Eve Hessas, Nina Selig, Annette Scheidereit, Ibo Peters, Franka Fieseler und Gisa Wevelsiep.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Ser
Was wir bereits wissen
Der Verein Gemeinschaftsgarten Bochum hat mit der Aussaat begonnen. Mitglieder sehen gute Chancen auf einen Verbleib an der Alsenstraße.

Bochum-Mitte.. Leere Tetra-Pak-Milchtüten, Eierkartons und Plastikschalen für Fertigsalate sind in den nächsten Wochen die Keimzellen für Gemüse und Kräuter. Ein gutes halbes Dutzend junger Leute vom Verein Gemeinschaftsgarten Bochum harrt der Kälte in der Garage des Alsenwohnzimmers und sät Tomaten, Salat und Kohlrabi aus.

Später nimmt jeder Behältnisse mit nach Hause, um auf der warmen heimischen Fensterbank die Samen für die diesjährige Saison anzuzüchten. „Etwa ab Ende März kommen die Pflanzen dann ins Freie“, sagt Franka Fieseler. Der Verein besteht im harten Kern aus gut 20 Leuten, im größeren Umfeld sind mitunter bis zu 50 Hobbygärtner mit von der Partie. Im letzten Jahr haben sie das Gelände im Hinterhof an der Alsen-straße rund um die Kita-Ruine in Beschlag nehmen können.

Bislang fehlt der Stadt das Geld, das asbestverseuchte Gebäude abzureißen. „Es gibt aber bereits Signale, dass wir wohl auch danach bleiben dürfen“, sagt Nina Selig. Der Verein hat sich bei der Stadt 365 Quadratmeter rund um den Pavillon vertraglich als Zwischenlösung gesichert, hinzu kommen weitere gut 200 qm hinter dem Haus der Begegnung.

Die erste Saison lief überaus erfolgreich: „Die Ausbeute war schon enorm; wir konnten gar nicht so viel ernten, wie es wuchs“, versichert Gisa Wevelsiep.

Prinzip des Gemeinschaftsgartens

Nicht zuletzt auch deshalb kann jeder, der für sein Essen einen Mangold oder Salbei braucht, dem Tomaten oder Möhren fehlen, einfach vorbeikommen und pflücken. Er muss weder Vereinsmitglied sein noch zuvor mitgegärtnert haben. Es ist das Prinzip des Gemeinschaftsgartens, dass er ohne Zaun frei zugänglich ist und Anlass für Begegnungen bietet – für Nachbarn, Gemüsefans, für Leute, die mehr übers Gärtnern erfahren wollen. „Wir sind alle Laien“, sagt Nina Selig, „und lernen durch die gemeinsame Arbeit“. Mit Saisonstart ab Ende März sind die Gemeinschaftsgärtner jeden Samstag ab 11 Uhr auf ihrem Grundstück an der Alsenstraße 19a.

Franka Fieseler hat ein Fachbuch parat. „Gehen Bohnen?“, fragt Ibo Peters, und sie schüttelt den Kopf: „Zu früh.“ Deshalb wird es Ende März eine zweite Aussaataktion für empfindliche Pflanzen wie zum Beispiel Tomaten, Kürbisse oder Kartoffeln geben.

Was aber laut Fieselers Tabelle schon jetzt im Februar geht, wird an diesem Tag eingetopft, darunter Rosmarin, Oregano, Möhren, Paprika („schwer in unseren Breiten“), Salat, Kohlrabi. Das Saatgut, alles bio und überwiegend alte Gemüsesorten, ist teilweise bereits eigene Ausbeute der ersten Ernte im letzten Jahr.