Körperwelten-Ausstellung inspiriert Bochumer Künstler

Tatjana Schmidt portraitiert am Donnerstag, den 29. Januar 2015 in den Bochumer "Körperwelten der Tiere" einen ausgestellten Strauß. Vier Tage lang zeichnen junge Studentinnen und Studenten unter der Leitung Ihrer Dozentinnen die spektakulären Plastinate. Foto: Ingo Otto
Tatjana Schmidt portraitiert am Donnerstag, den 29. Januar 2015 in den Bochumer "Körperwelten der Tiere" einen ausgestellten Strauß. Vier Tage lang zeichnen junge Studentinnen und Studenten unter der Leitung Ihrer Dozentinnen die spektakulären Plastinate. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bei den Kunsttagen an der Hermannshöhe erforschen Zeichner die Plastinate. Studium der anatomischen Besonderheiten und Inspirationsquelle.

Bochum.. Schon Leonardo da Vinci sezierte Leichen, um die Anatomie des Menschen zu erfassen und abbilden zu können. In gewisser Weise stehen also Gunther von Hagens Körperwelten in einer langen Tradition. So ist es wenig verwunderlich, dass die Ausstellung an der Hermannshöhe wie gemacht ist für Künstler, die ihre eigenen Werke und Fähigkeiten mit Hilfe der Plastinate entwickeln möchten.

Der Künstler Ralf d’Atri, 50 Jahre, hat kein klassisches Zeichenpapier gewählt, sondern sitzt mit einem Tablet-Computer vor einer enthäuteten Giraffe. Er zeichnet sie elektronisch direkt auf den Bildschirm in ein Foto. Das Bild zeigt einen Zaun vor Auschwitz. „Ich habe mich inspirieren lassen. Die enthäutete Giraffe schaut über den Zaun und steht hier für die entwürdigende Art und Weise, wie Menschen in Auschwitz misshandelt und ermordet wurden“, erläutert er seinen Ansatz.

Aquarellserie zum Thema "Vögel"

Der Künstler war einer der Teilnehmer der so genannten „Kunsttage“ in den Körperwelten der Tiere. An einem der vier Tage Ende Januar nahmen 15 Studenten des „Instituts für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie“ (IBKK) als auch Aktive des Musischen Zentrums der Ruhr-Universität das Angebot wahr.

Während D’Atri einen konzeptionell-experimentellen Ansatz verfolgt, geht es vielen Zeichnern hier um die Studie der Anatomie. Tatjana Schmidt, angehende Illustratorin, arbeitet schon länger an einer Aquarellserie zum Thema „Vögel“ und hat hier das Skelett eines Straußes ausgewählt, um die Anatomie zu verstehen. Sie zeichnet das Tier mit weißem Stift auf schwarzes Papier. „Ich habe gemerkt, dass ich mir vorher kaum vorstellen konnte, wie die Form des Vogels zustande kommt“, sagt die 37-Jährige mit Blick auf den ausladenden Knochen im runden Bauch des Vogels.

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"Das sieht aus wie eine Blüte"

Auch der Entwurf etwa einer Drachenfigur, erfordere eine Grundlage, aus der heraus die Zeichner diesen entwickeln könnten „und da wären wir dann schon beim ,Fantasy’“, so Era Freidzon weiter.

Während manche versuchen, das ganze Plastinat abzubilden, widmen sich andere den Details. „Das sieht aus wie eine Blüte, das fand ich schön, darum habe ich das Motiv ausgewählt“, erläutert Lea Trautmann, 20 Jahre. Auf ihrem weißen Zeichenpapier erscheinen in zartrot die Muskelstränge des Unterschenkels eines asiatischen Elefanten.