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Kinderentwicklung war Thema beim WAZ-Gesundheitsforum

15.04.2011 | 18:39 Uhr
Kinderentwicklung war Thema beim WAZ-Gesundheitsforum
Das WAZ-Gesundheitsforum informierte Eltern über die Entwicklung von Kleinkindern.

Bochum.   Das erste "Mama", das erste "Papa": Für die Eltern ein Glücksmoment. Gut, dass sie meist nicht wissen, dass ihr Sonnenschein nur eine bedeutungslose Sprachübung mit Doppelsilben absolviert hat. Kinder-Entwicklung war Thema beim WAZ-Gesundheitsforum.

Das erste „Mama“, das erste „Papa“: Für die Eltern ist es ein Glücksmoment. Gut, dass sie meist nicht wissen, dass ihr Sonnenschein nur eine bedeutungslose Sprachübung mit Doppelsilben absolviert hat...

Verständnis wecken, mit Missverständnissen aufräumen, manches Unverständnis glätten: Das WAZ-Gesundheitsforum widmete sich in dieser Woche ganz den lieben Kleinen. „Die kindliche Entwicklung und ihre Störungen“ beleuchteten vier Fachärzte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im erneut gut gefüllten Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals.

Gastgeber und Referenten: (v.l) Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Dr. Charlotte Thiels, Dr. Cornelia Köhler und Dr. Almut Weitkämper. Foto: Ingo Otto

Entwickelt sich mein Kind normal? Viele Eltern treibt die Sorge um, ihr Nachwuchs könnte in seiner Entwicklung verzögert, gar erkrankt sein. Wann ist diese Furcht begründet? Worauf ist zu achten? Welche Behandlungen sind möglich? Und was heißt eigentlich „normal“?

"Normal bedeutet variabel"

Kindergesundheit

Prof. Dr. Thomas Lücke konnte die rund 70 Eltern beruhigen. „Die allermeisten Kinder entwickeln sich regulär. Die einen früher. Die anderen später. Denn ,normal’: Das bedeutet variabel."

Einige Grundsätze gibt es gleichwohl. So hinken die Jungen bei der sprachlichen Entwicklung den Mädchen oft hinterher. Dafür sind die Knaben bei den motorischen Fertigkeiten häufig fixer.

WAZ-Redaktionsleiter Tom Schmitt führte durch den Abend. Foto: Ingo Otto

Wann Max und Lea was gleichermaßen können sollten, stellte Oberärztin Dr. Charlotte Thiels in einem Leitfaden vor: mit drei Monaten Kopfheben in Bauchlage, mit sechs Monaten Aufstützen, mit neun Monaten freies Sitzen, mit zwölf Monaten Stehen, mit 18 Monaten Laufen. Allerdings gilt stets: entspannt bleiben. Auch ein Kind, das erst mit zwei Jahren auf eigenen Beinen steht, muss nicht zwangsläufig krank sein.

Schreien als Kontaktaufnahme deuten

Auch beim Erlernen der Sprache raten die Fachärzte zu fürsorglicher, aber gelassener Begleitung. Das Schreien des Neugeborenen sollte (auch wenn’s manchmal schwerfällt) als Kontaktaufnahme gedeutet werden. Beim Sprechen mit dem Baby sollte eine möglichst hohe Tonlage angestimmt und die nur kurze Aufmerksamkeitsspanne bedacht werden. Wichtig: traute Zweisamkeit und ein ruhiges Umfeld schaffen. Will heißen: Fernseher aus! Derart umsorgt, entwickeln die Kinder ihre sprachlichen Fertigkeit quasi automatisch: vom b,m und p (sie sind am leichtesten zu artikulieren) über die ersten Doppelsilben im sechsten Lebensmonat bis hin zu den ersten „erfundenen“ Worten („Nullu“ für Schnuller). Rund um den ersten Geburtstag weiß der Nachwuchs dann auch, was er sagt, wenn er mit „Mama“ und „Papa“ die Herzen der Erzeuger erquickt.

Entwicklungsstörungen
Mancher Papa war auch kein Meister

„Vielleicht war Papa als Junge auch nicht der Geschickteste“: Oberärztin Dr. Cornelia Köhler warnte beim WAZ-Gesundheitsforum davor, verzögerte Fähigkeiten und Fertigkeiten gleich mit einer Krankheit in Verbindung zu bringen. Pathologische Störungen seien bei Kindern „sehr, sehr selten“.

Gleichwohl gelte es, Auffälligkeiten abklären zu lassen: etwa wenn der Säugling Arme und Beine nicht hebt (Hinweis auf eine Muskelschwäche) oder später nachhaltige Probleme beim Greifen, Sprechen oder Laufen auftreten. Erster Ansprechpartner ist der Kinderarzt. Unbedingt sollten hier die Vorsorgeuntersuchungen (allein sechs im ersten Lebensjahr) wahrgenommen werden.

Stellt der Kinderarzt einen Befund, hält die Bochumer Kinder- und Jugendklinik eine umfassende Betreuung und Behandlung vor. Oberärztin Dr. Almut Weitkämper: „Die Diagnostik reicht von Hirnstrommessungen über Ultraschall und Kernspintomographie des Gehirns bis hin zu Urin- und Blutzuckermessungen, die Anhaltspunkte etwa für eine Stoffwechsel- oder genetische Erkrankung liefern.“ Hinzu kommen zahlreiche motorische und sprachliche Förderangebote, u. a. Ergotherapie, Krankengymnastik (mit Übungen auch für daheim) und Logopädie.

„Wenn der Kinderarzt eine Therapie verordnet, wird sie in aller Regel von der Krankenkasse bezahlt“, betonte Prof. Dr. Thomas Lücke.

Dr. Cornelia Köhler legte den WAZ-Lesern im Hörsaalzentrum eine lehrreiche Lektüre ans Herz. „Das Standardwerk ,Babyjahre’ von Remo H. Largo beantwortet alle wichtigen Fragen rund um die frühkindliche Entwicklung. Für mich das ideale Geschenk für werdende Eltern.“

Vater und Mutter können den Redefluss ihrer Liebsten durchaus fördern. Dr. Thiels empfiehlt u.a. regelmäßiges Vorlesen (anfangs am besten nur zwei oder drei Bücher, die aber regelmäßig), ausführliches Loben und die Verwendung eines weichen und flachen Schnullers. Bewährt habe sich auch ein Strohhalm beim Trinken. Ab ca. acht Monaten dient das Saugen als gute Übung, um die für Kinder sehr schwierigen Zischlaute S, Sch und ch zu erlernen. Keine Sorge, wenn es damit auch noch Jahre später hapert: „Die Zischlaute müssen erst im fünften Lebensjahr störungsfrei klappen“, so Dr. Thiels.

Fahrradfahren mit dreieinhalb

Wächst das Gras wirklich schneller, wenn man daran zieht? „Sicher nicht“, betonte Prof. Dr. Lücke. Sehr wohl aber könne man das Gras hegen, pflegen und regelmäßig wässern. So wie es eine junge Mutter tut, die für einen der vielen Lacher des Abends sorgte. Ihr Sohn kann mit dreieinhalb Jahren Rad fahren – zum Entsetzen der Schwiegermutter, die kürzlich klagte: „Das darf der überhaupt noch nicht können.“ Mama und Mediziner sind anderer Meinung: „Alles, was ein Kind lernen möchte, soll es auch lernen.“

„Vielleicht war Papa als Junge auch nicht der Geschickteste“: Oberärztin Dr. Cornelia Köhler warnte beim WAZ-Gesundheitsforum davor, verzögerte Fähigkeiten und Fertigkeiten gleich mit einer Krankheit in Verbindung zu bringen. Pathologische Störungen seien bei Kindern „sehr, sehr selten“.

Gleichwohl gelte es, Auffälligkeiten abklären zu lassen: etwa wenn der Säugling Arme und Beine nicht hebt (Hinweis auf eine Muskelschwäche) oder später nachhaltige Probleme beim Greifen, Sprechen oder Laufen auftreten. Erster Ansprechpartner ist der Kinderarzt. Unbedingt sollten hier die Vorsorgeuntersuchungen (allein sechs im ersten Lebensjahr) wahrgenommen werden.

Verordnete Therapie wird von Krankenkasse bezahlt

Stellt der Kinderarzt einen Befund, hält die Bochumer Kinder- und Jugendklinik eine umfassende Betreuung und Behandlung vor. Oberärztin Dr. Almut Weitkämper: „Die Diagnostik reicht von Hirnstrommessungen über Ultraschall und Kernspintomographie des Gehirns bis hin zu Urin- und Blutzuckermessungen, die Anhaltspunkte etwa für eine Stoffwechsel- oder genetische Erkrankung liefern.“ Hinzu kommen zahlreiche motorische und sprachliche Förderangebote, u.a. Ergotherapie, Krankengymnastik (mit Übungen auch für daheim) und Logopädie.

„Wenn der Kinderarzt eine Therapie verordnet, wird sie in aller Regel von der Krankenkasse bezahlt“, betonte Prof. Dr. Thomas Lücke.

Dr. Cornelia Köhler legte den WAZ-Lesern im Hörsaalzentrum eine lehrreiche Lektüre ans Herz. „Das Standardwerk ,Babyjahre’ von Remo H. Largo beantwortet alle wichtigen Fragen rund um die frühkindliche Entwicklung. Für mich das ideale Geschenk für werdende Eltern.“

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Jürgen Stahl

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