Kinder erleben Ferienspaß ohne kulturelle Grenzen

Die jüdische Gemeinde organisiert ein Ferienprogramm  für die kompletten Sommerferien, erstmals übrigens.
Die jüdische Gemeinde organisiert ein Ferienprogramm für die kompletten Sommerferien, erstmals übrigens.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Erstmals stellt die jüdische Gemeinde eine Ferienbetreuung für die kompletten Sommerferien auf die Beine. Im Gemeindezentrum soll das Angebot für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden.

Bochum.. Kinderferienbetreuung ist doch eine uralte Geschichte, die für Journalisten nur dann interessant ist, wenn einmal so gar nichts passiert in der Stadt. Völlig falsch! Denn wie das Beispiel der Jüdischen Gemeinde zeigt, entsteht dort etwas Neues, etwas, dass für andere selbstverständlich ist. Dort am Erich-Mendel-Platz ist es jedoch alles andere als selbstverständlich. Erstmals in diesem Jahr gibt es das Ferienangebot im jüdischen Gemeindezentrum für die kompletten sechswöchigen Sommerferien.

„Unsere Betreuung ist nicht nur für jüdische Kinder und Jugendliche gedacht. Manche bringen auch nichtjüdische Freunde mit. So lernen alle voneinander“, sagt die 18-jährige Betreuerin Alexandra Trakhtenberg, die selbst noch Schülerin ist. Einst kam sie als Kind nach Bochum, erlebte als heranwachsende Jüdin den Aufbau der neuen Synagoge mit. „Bei uns ist immer etwas los“, erzählt sie.

Andere Bedingungen

Sicher, die Kinder planschen im Pool, spielen am Kicker oder machen Ausflüge in den Stadtpark. Doch, wer die Synagoge betritt, sieht sofort die Überwachungskameras, den hohen Zaun, der das Gelände abschirmt. Allein diese äußeren Bedingungen machen einen großen Unterschied etwa zu Ferienangeboten der Arbeiterwohlfahrt oder Caritas aus.

Beispiel: Wenn etwa der neunjährige Jan seinen gleichaltrigen Freund Mika mitbringt zur Ferienbetreuung in der Synagoge, ist es sehr wohl etwas Besonderes, denn Mika kommt aus einer katholischen Familie. Spielerisch lernen beide die jeweils andere Kultur, Religion kennen. Das beginnt mit dem Tischgebet und geht weiter mit der Bedeutung etwa von koscheren Speisen. Beide profitieren.

Arbeiten für Erweiterung des Gemeindezentrums laufen

Die gute Seele und Leiterin des Betreuungsprojektes ist Olga Gorch. Die Sozialpädagogin arbeitet bereits seit drei Jahren in der jüdischen Gemeinde. Angebote für Jugendliche gibt es dort seit etwa zehn Jahren. Als im vergangenen Jahr erstmals eine Ferienbetreuung für einen Teil der Sommerferien angeboten wurde, ließ sich das derart gut an, dass es diesmal auf die komplette Zeit erweitert worden ist. Apropos erweitert: Die Gemeinde mit ihren rund 1200 Mitgliedern entwickele sich, so Geschäftsführer Aleksander Chraga, prächtig.

Derzeit laufen die Arbeiten für die Erweiterung des Gemeindezentrums zur Castroper Straße. Auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern entstehen Räume, in denen Angebote für Familien gemacht werden können. Voraussichtlich im September sollen die neuen Räume, die im Baustil dem hellen Sandstein der Synagoge angepasst werden, eröffnet werden. „Wir möchten künftig unsere Angebote für Kinder und Jugendliche erweitern“, so Chraga.