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"Kein Streikbrecher, wenn die Kollegen um Arbeitsplätze kämpfen"

21.01.2010 | 18:52 Uhr
"Kein Streikbrecher, wenn die Kollegen um Arbeitsplätze kämpfen"

Bochum. „Wir werden keine Streikbrecherarbeiten machen, wenn die Kollegen in Antwerpen um ihre Arbeitsplätze kämpfen.” Dies erklärte Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender der Bochumer Opel-Werke.

Am selben Tag hatte der neue Opel-Chef Nick Reilly die Schließung des Opelwerks Antwerpen angekündigt.

„Kein Opel-Werk kann sich jetzt in Sicherheit wiegen,” sagte Einenkel. Aus Sicht der europäischen Opel-Betriebsräte sei die Schließung des belgischen Werks ein glatter Vertragsbruch. Denn den Kollegen sei versprochen worden, nach dem Auslaufen der dortigen Astra-Produktion einen Mini-Geländewagen bauen zu dürfen. Im Jahr 2009 hatten die 2 606 Opel-Mitarbeiter in Antwerpen 88 873 Opel Astra produziert.

Betriebsratschef pocht auf Vertragstreue

„Es geht um die Einhaltung von Verträgen,” betonte der Betriebsratschef besonders im Hinblick auf den Bochumer Zukunftsvertrag für die Bochumer Opelaner, in dem eine Standortsicherung bis 2016 festgeschrieben wurde. Man werde strikt an diesem Vertrag festhalten und darauf achten, dass sich General Motors nicht darüber hinweg setzen werde, betonte Einenkel im Hinblick auf die Entwicklung in Antwerpen.

Dass die Astra-Produktion in Antwerpen eingestellt werden soll, wurde schon seit Anfang 2009 von GM angekündigt. Seitdem war dieses Werk Schließungskandidat. Aber noch im Oktober 2009 hieß es, auch die Werke Bochum und Eisenach seien von Schließung bedroht.

Doch dann Aufatmen in Bochum, als Reilly zusicherte, der Standort Bochum bleibe und werde wie vereinbart ab 2011 den neuen Siebensitzer Zafira produzieren.

Rüttgers: "Butter bei die Fische"

Daran knüpfte am Donnerstag auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an. „Wir sind froh, dass der Standort Bochum gesichert bleibt. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben und der notwendige Arbeitsplatzabbau wird sozialverträglich erfolgen”, sagte er in einem Interview mit Sat1. Und: „Es wird eine Umstrukturierung in Bochum geben. Dazu gehört auch, dass der Zafira ausschließlich in Bochum gebaut wird. Und wir kämpfen auch dafür, dass das neue Elektro-Auto Ampera am Standort Bochum angesiedelt wird. Es ist jetzt höchste Zeit, dass GM die konkreten Pläne zur Umstrukturierung vorlegt. Jetzt muss endlich Butter bei die Fische.”

Rund 2000 Arbeitsplätze könnte der geplante Stellenabbau allein das Bochumer Opelwerk kosten, davon 1799 bei Opel selbst und rund 200 bei Opel-Partnerfirmen. Diese Pläne habe man zur Kenntnis genommen, sich aber keinesfalls damit abgefunden, betont Einenkel seit Wochen.

Einenkel: "Wir sind jetzt sehr wachsam"

„Wir sind jetzt sehr wachsam,” sagte er am Donnerstag. Denn die Zahlen, die Opel-Chef Nick Reilly am selben Tage nannte, sprechen eine deutliche Sprache: „Der westeuropäische Fahrzeugmarkt wird im Jahr 2010 wahrscheinlich 1,5 Millionen Autos weniger umfassen als 2009 und rund vier Millionen Fahrzeuge weniger als auf seinem Höhepunkt im Jahr 2007.” Um die langfristige Existenz der Firma zu sichern, müsse Opel seine Kapazitäten insgesamt um rund 20 Prozent reduzieren.

Für Einenkel steht fest: Jetzt könne daher wieder von der Schließung weiterer Werke die Rede sein „oder der Herausnahme von Schichten”. Bislang ist das Bochumer Astra-Werk das einzige in Europa mit einer Nachtschicht.

Ob man in Bochum von der guten Nachfrage nach dem neuen Astra profitieren könne, sei offen. Falls das englische Werk Ellesmere Port die Produktion nicht mehr schaffe, könne Bochum einspringen. Doch auch das Opel-Stammwerk will das: „Rüsselsheim baut mit dem Insignia einen Wagen für die Oberklasse, braucht aber ein Volumenauto, weil die Produktion des Saab wegfällt.”

Rolf Hartmann

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