Kein Cent bleibt ungeprüft

Foto: Funke Foto Services

Bei den Münzgeldautomaten im Kundenraum der Sparkassen-Zentrale scheint alles wie immer: Die Kunden zahlen den Inhalt ihrer Sparschweine ein, die Schlangen sind gewohnt lang. Doch unter Tage, im Keller der Zentrale am Dr.-Ruer-Platz, ist seit Anfang des Jahres alles anders. Denn mittlerweile verlässt kein Geldstück mehr das Haus, das nicht auf Umlauffähigkeit, also Echtheit und Beschädigung, geprüft wurde. Über den Sinn dessen lässt sich allerdings streiten.

Grund für die Umstellung ist eine EU-Richtlinie, die stärkere Kontrollen des Münzgeldes seit dem 1. Januar diesen Jahres vorschreibt. Auf diese Weise soll Falschgeld effektiver aus dem Verkehr gezogen werden.

Große Umstellung

Für die Sparkasse Bochum bedeutet das eine große Umstellung. Zwei-Euro-Stücke wurden bereits seit einiger Zeit geprüft, doch nun müssen selbst die 1-Cent-Stücke unter die Lupe genommen werden. Diese Arbeit übernimmt eine zusätzliche Maschine in der Zentrale der Bochumer Sparkasse. Bis zu 3000 Münzen kann sie in der Minute prüfen. Aber das hat seinen Preis: „Dieses Gerät kostet nicht ganz so viel wie eine S-Klasse, kommt aber nahe dran“, so Markus Bornemann, Vertreter der Abteilung Betrieb und Logistik.

Außerdem musste ein weiterer Mitarbeiter eingestellt werden und sämtliche Münzen werden aus den 45 Bochumer Filialen nun in die Zentrale zur Prüfung gebracht. „Das ist ein Mehraufwand von rund 40 Prozent“, sagt Sparkassen-Sprecherin Sabine Raupach-Strohmann. Nicht zuletzt müssen Bankmitarbeiter, die mit dem Geld in Berührung kommen, ab Mitte des Jahres einen zusätzlichen Online-Kurs machen, um in der Erkennung von Falschgeld geschult zu werden.

Das besondere dabei: Für den Kunden ändert sich auf den ersten Blick erst einmal gar nichts. Er bezahlt nach wie vor keine Gebühr, wenn er sein Kleingeld in Rollen abgibt, und zwei Prozent Zinsen, wenn er das Geld am Automaten beziehungsweise unsortiert an der Kasse abgibt.

20 156 Falschmünzen entdeckt

Über den Sinn des Ganzen lässt sich allerdings streiten. Allein die Sparkasse Bochum wird jetzt jährlich etwa 62 Millionen Münzen (statt ursprünglich lediglich 48 Million) prüfen. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2014 allerdings nur 20 156 Falschmünzen gefunden. Bei dieser so schon geringen Zahl sind auch noch 16357 Zwei-Euro-Münzen. Der Grund dafür ist klar: Ein 1-Cent-Stück zu fälschen rentiert sich schlicht nicht. Trotz allem müssen diese nun überprüft werden.