Kaufhaus Kortum bleibt unvergessen

Innenaufnahme vom Kaufhaus Kortum, April 1956.
Innenaufnahme vom Kaufhaus Kortum, April 1956.
Foto: Stadt Bochum, Presseamt
Was wir bereits wissen
Viele Bochumer verbinden mit „Kortum“ unvergessliche Einkaufserlebnisse in der Kindheit.

Bochum.. Viele Bochumer verbinden mit „Kortum“ mehr als die Erinnerung an ein Kaufhaus; für die Älteren steht das Traditions-Geschäft, das schon lange geschlossen hat, immer auch für unvergessliche Einkaufserlebnisse in der Kindheit.

Jeder in Bochum kennt das Kortum-Haus, den wuchtigen Sandstein-Bau mitten in der Stadt, der „richtig ‘was her macht“. Heute ist hier u.a. der Elektro-„Saturn“ heimisch, aber so umfassend dessen Angebot auch sein mag: Mit dem alten Kaufhaus kann sich der moderne Technik-Riese doch nicht messen. Denn bei Kortum konnte man einst schlichtweg „alles“ kaufen – vom Druckknopf über Salmiakpastillen bis zum Smoking.

Einst war es das Kaufhaus Alsberg

Bauherr und Eigentümer des zwischen 1914 und 1921 errichteten Kaufhauses war die Gebr. Alsberg AG, der Einzelhandelskonzern von Siegfried und Alfred Alsberg aus Köln. Die jüdische Familie wurde nach 1933 unter den Nazis im Zuge der „Arisierung“ enteignet, das Kaufhaus 1934 nach dem Arzt, Wissenschaftler und Dichter Carl Arnold Kortum neu benannt. Alfred Alsberg, seine Frau und sein Bruder wurde 1941 in das Ghetto Łódź deportiert und – vermutlich dort – ermordet.

Das im Krieg zerstörte Haus eröffnete bereits 1946 in Teilen wieder und erlebte dann im Wirtschaftsaufschwung eine neue Blüte. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren war Kortum DIE Adresse nicht nur für Bochumer/innen. Vier Stockwerke hoch ging im Innern der Blick nach oben, hinauf zu den Galerien der einzelnen Etage. Deren Balustraden waren stets geschmückt, im Frühling mit bunten Girlanden, zum Maiabendfest mit blau-weißen Bochumer Fähnchen, zu Weihnachten mit festlicher Tannenbaum-Deko.

Musik im Erfrischungsraum

Es gab an jeder Verkaufstheke das „Fräulein Verkäuferin“, und die Fahrstühle neben der großen Freitreppe wurden noch von Fahrstuhlführern bedient. Das waren ältere Herren, die oft „kriegsbeschädigt“ waren. Einem steckte zum Beispiel der linke Ärmel lose in der Anzugtasche, ein anderer übte seine Tätigkeit im Sitzen aus, da ihm ein Bein fehlte. Im Erfrischungsraum gab’s Kaffee, Kuchen und Eis, aber auch ein Paar Wiener mit Brötchen und Senf konnte man bekommen. Dazu spielte eine Musikgruppe auf, vor dem abendlichen Ladenschluss um 18 Uhr ertönte stets die Weise „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, bleib nicht zu lange fort...“

Unvergessen sind die Lebensmittelabteilung mit Milchbar im 4. Stock, wo es von der Butter bis zur Gewürzgurke Vieles lose gab. Und die Spielwarenabteilung mit der affen-artigen „Bimbo-Box“ – alles vorbei.

Mitte der 1990er wurde nach einer Großsanierung das Gebäude mit Läden, Büroflächen und Praxen als Geschäftshaus neu eröffnet. Zwar erhielt der Umbau beim Wettbewerb „Auszeichnung guter Bauten“ eine Anerkennung, aber das Flair des alten Kaufhauses war für immer perdü, seine Zeit vorbei.