Katholisches Klinikum Bochum verzeichnet stetiges Wachstum

Blick auf das St. Josef-Hospital noch vor den großen  Erweiterungen der vergangenen Jahre.
Blick auf das St. Josef-Hospital noch vor den großen Erweiterungen der vergangenen Jahre.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Doch Dr. Christoph Hanefeld setzt als neuer Ärztlicher Geschäftsführer am Katholischen Klinikum Bochum auf Qualität. Neues OP-Zentrum geplant

Bochum.. Seit dem 1. März 2015 ist Dr. Christoph Hanefeld (47) allein Ärztlicher Geschäftsführer am Katholischen Klinikum Bochum. Zuvor war er bereits knapp zwei Jahre (22 Monate) gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Altmeyer verantwortlich. WAZ-Redakteur Thomas Schmitt sprach mit Hanefeld über Gegenwart und Zukunft des Hauses, das im vergangenen Jahr fast 50.000 Patienten stationär und 35.000 ambulante Notfälle behandelte.

Herr Hanefeld, das Katholische Klinikum wächst scheinbar unaufhaltsam. Nach der Fusion mit dem Marien-Hospital beginnt dort in diesen Tagen der angekündigte Ausbau der Geriatrie.

Christoph Hanefeld: Ja, wir investieren in Wattenscheid sieben Millionen Euro und ergänzen das vorhandene, moderne Gebäude um drei Etagen. Die Geriatrie im Marien-Hospital wird mit dann 300 Betten die größte Deutschlands werden.

50 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen. Sind Fusionen und Wachstum Ihre Antwort auf den harten Wettbewerb?

Hanefeld: Krankenhäuser stehen alle unter Druck. Wir haben bei unseren Entscheidungen daher immer die Entwicklung für Bochum als Ganzes im Blick. Es macht keinen Sinn, eine Geriatrie in Wattenscheid und eine im Maria-Hilf-Krankenhaus Gerthe zu betreiben. Das ist nicht wirtschaftlich.

Gehen dabei Arbeitsplätze verloren?

Hanefeld: Im Gegenteil. Wir verzeichnen trotz der Fusionen der vergangenen Jahre ein stetiges Wachstum und sind mit 4000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber Bochums – und mit Abstand der größte Ausbilder in Bochum mit 360 Ausbildungsplätzen.

Was passiert künftig in Gerthe?

Hanefeld: Das operative Venenzentrum wird dort den Schwerpunkt bilden. Es hat schon heute eine große überregionale Bedeutung und ist die größte Venenklinik im Ruhrgebiet.

Gilt die Spezialisierung auch für die anderen Standorte?

Hanefeld: Ja. In Blankenstein, das ist unser Standort in Hattingen, konzentrieren wir uns auf Naturheilkunde und Schmerztherapie. Im Elisabeth-Hospital stehen Innere Medizin, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Geburtshilfe mit dem Perinatalzentrum besonders im Fokus. Bochumer Kinder sollen in Bochum geboren werden. Unser Hauptstandort ist und bleibt aber das St-Josef-Hospital, wo die meisten unserer universitären Abteilungen angesiedelt sind. Dort ist natürlich auch unser Forschungsschwerpunkt.

Welche Vorteile hat der Status einer Universitätsklinik?

Hanefeld: Durch die Beschäftigung mit Wissenschaft und Lehre sind wir immer am Puls der Zeit der Medizin. Bei uns arbeiten national und international bekannte Wissenschaftler. Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Man kann sich eben nicht ausruhen, auch mit Blick auf den Wettbewerb.

Was bedeutet für die nahe Zukunft?

Hanefeld: Wir planen an dem Standort St. Josef den Neubau eines großen OP-Zentrums – für Bauch- und Gefäßchirurgie und Orthopädie. Von unseren Baumaßnahmen profitiert im Übrigen auch die mittelständische Wirtschaft der Region.

Der Patient bleibt im Mittelpunkt

Wie garantieren Sie, dass der Zwang zur wirtschaftlichen Größe nicht zum Nachteil?

Hanefeld: Das ist ein Knackpunkt, ich sehe die Gefahren. Größe allein ist nicht unser Ziel. Wir brauchen aber eine gewisse Größe, um Überleben zu können. Ein Krankenhaus mit drei Operationssälen funktioniert nicht mehr, in einer Notaufnahme müssen Sie heute verschiedene Fachdisziplinen vorhalten.

Was heißt das konkret?

Hanefeld: Wenn jemand mit Kopfschmerzen kommt, kann das unter Umständen nacheinander einen Neurologen, Kardiologen oder Orthopäden beschäftigen. Um das wirtschaftlich betreiben zu können, benötigen Sie viele Patienten. Wir sind ein privates Haus. Hauptträger ist eine katholische Stiftung. Wenn wir rote Zahlen schreiben würden, könnten wir das nicht auffangen. Hilfe von Stadt und Land gäbe es dann nicht. Die Individualität des Patienten darf aber niemals verloren gehen.

Wie kontrollieren Sie das?

Hanefeld: Wir haben zum Beispiel unser Leitbild mit messbaren Maßnahmen hinterlegt. Wenn da zum Beispiel steht „Jeder Patient ist ein Individuum in all seiner Zerbrechlichkeit und Endlichkeit“, bedeutet das in unserem Alltag: „Wir grüßen jeden Patienten und lächeln ihn an.“ Das ist überprüfbar. Es ist aber auch ein hoher Anspruch, den wir nicht immer erfüllen können.

Gibt es deswegen im Katholischen Klinikum mit Ihnen einen Ärztlichen Geschäftsführer? Andere Häuser haben in der Regel Kaufleute in der Geschäftsführung und Ärztliche Direktoren, die aber keinen Zugriff aufs Budget haben . Wie kontrollieren Sie das?

Hanefeld: Diese Funktion hat bei uns Tradition. Es ist wichtig, bei aller Wirtschaftlichkeit immer die Versorgung der Patienten, die Medizintechnik und die Hygiene gemeinsam im Blick zu haben. Wir sind ein hochmodernes Krankenhaus und wollen das auch bleiben. Wir werden künftig vier Millionen Euro pro Jahr in Medizintechnik investieren. Wir haben trotz der wirtschaftlichen Situation die riesige Chance, das Klinikum weiter zu entwickeln. Im Sinne der Patienten.