Kampf gegen Gänsereiten - Online-Petition hat 51.000 Unterstützer

Beim Gänsereiten muss der Kopf des toten Tieres gerissen werden. Tierschützer finden das gar nicht lustig.
Beim Gänsereiten muss der Kopf des toten Tieres gerissen werden. Tierschützer finden das gar nicht lustig.
Foto: Gero Helm
Was wir bereits wissen
Das Gänsereiten in Bochum ist ein alter Brauch. Tierschützer halten ihn für grausam. Mit einer Online-Petition fordern sie jetzt ein Verbot.

Bochum.. Manche mögen die Weiberfastnacht für überflüssig, die Schlüsselübergabe für zu langweilig oder das Dreigestirn für überholt halten. Karneval hat viele Brauchtümer und nicht jedes stößt auf Zustimmung. Kaum eines wird wohl so kritisch verfolgt wie das Gänsereiten in Bochum.

Lück nennt das Gänsereiten barbarisch

Von "Leichenfledderei" spricht Sandra Lück. Für "barbarisch" und "verantwortungslos" hält sie die Tradition und seine Anhänger. Seit den 90er Jahren kämpft sie mit verschiedenen Aktionen gegen den Brauchtum an Rosenmontag. Jetzt versucht sie es über einen neuen Weg: mit einer Online-Petition. Über 51.000 Unterschriften sind dort seit dem 20. Januar zusammen gekommen.

Worum geht es beim Gänsereiten eigentlich? Eine zuvor getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäume gehängt. Die Reiter versuchen ihr dann im Galopp den Kopf abzureißen. Damit sich der Kopf einfach vom Hals trennt, schneiden die Reiter letzteren immer wieder ein. Wer den Kopf schließlich herunterholt, darf sich "Gänsereiterkönig" nennen. In Bochum richten zwei Gänsereiterclubs diese Veranstaltung am Rosenmontag aus - und zwar Sevinghausen und Höntrop. Bochum ist laut Sandra Lück die einzige Stadt, in der so ein Gänsereiten noch stattfindet.

In anderen Städten kommt eine Attrappe zum Einsatz

Nun fordert sie, dass auch im Ruhrgebiet die Aktion endgültig abgeschafft wird. "Es geht mir nicht darum, den Karnevalisten ihren Spaß zu verderben. Aber so ein blutiges Spektakel geht gar nicht. Ich habe schon viel als Tierrechtlerin gesehen, aber hierbei wird mir einfach schlecht", sagt Lück, die Mitglied bei "Animal Peace" und in der Tierschutzpartei ist. Sie finde es unverantwortlich, dass vor allem Kinder eine solche Aktion zu sehen bekämen. "Wir sollten unsere Kinder zu Respekt vor dem Leben anderer erziehen. Das Gänsereiten ist für mich damit nicht vereinbar. Aus Spaß ein Tier zu misshandeln, egal ob lebend oder tot, das kann ich nicht verantworten ", sagt die Mutter von zwei Töchtern.

In anderen Städten habe man die echte Gans gegen eine Gummigans oder eine andere Attrappe ausgetauscht. "Das hätte dann wenigstens noch einen humoristischen Wert", sagt Lück, die zwar in Essen, aber an der Stadtgrenze zu Bochum wohnt.

Sie will die Aufmerksamkeit erhöhen

Mit ihrer Petition hofft Sandra Lück jetzt den öffentlichen Druck zu erhöhen. In der Vergangenheit sei man für den Einsatz häufig belächelt, vertröstet und wenig ernst genommen worden, sagt sie und spricht dabei für eine Reihe von Organisationen. Eine Bürgerinitiative, "Animal Peace", die Tierschutzpartei und die "Tierbefreier Bochum" sind an dem Protest beteiligt.

Sie fordern die Stadt auf einzugreifen. "Wir haben den Kontakt mit der Oberbürgermeisterin und den Kommunalpolitikern immer wieder gesucht. Ohne Erfolg", sagt Sandra Lück. Da die Stadt das Gänsereiten nicht verbietet, habe sie jetzt eine Strafanzeige gegen das Ordnungsamt erstattet und eine einstweilige Verfügung veranlasst.

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Die Stadt Bochum betont auf Anfrage, mit diesem Konflikt sachlich umgehen zu wollen. Sie wolle kein Plädoyer oder eine Wertung abgeben. Das sei nicht ihre Aufgabe. Sie prüfe stattdessen immer wieder, ob es Verstöße gegen die Lebensmittelhygiene oder den Tierschutz gebe. "Es gibt keine behördliche Grundlage, die ein Einschreiten momentan rechtfertigt", sagt Thomas Sprenger, Sprecher der Stadt Bochum.

Und was sagen die Gänsereiterclubs selbst zu ihrer Tradition? Auch Sprecher Achim Hehrs betont, man habe das Prozedere juristisch genau prüfen lassen. Es sei keine Rechtswidrigkeit festzustellen. Die Tiere würden ordnungsgemäß geschlachtet und nach dem Spektakel verzehrt. "Das Engagement von Tierschützern unterstütze ich generell. Der Vorwurf hier ist in dieser Dimension aber vollkommen überzogen", sagt Hehrs. "Ethischem und ästhetischem Empfinden kann ich nichts entgegen setzen." Über Geschmack wolle er nicht diskutieren. Wer das Prozedere nicht sehen könne, brauche letztlich nicht zu kommen.

Demonstration am Montag geplant

Dass dieser Konflikt bald ein Ende finden könnte - das glaubt Sandra Lück noch nicht. "Ich habe allerdings immer noch die Hoffnung, dass das Reiten am Montag gestoppt wird." Um 12 Uhr am Rosenmontag geht der Protest weiter: Mit einer Demonstration vom Höntroper S-Bahnhof aus.