Jura-Professor bei Tumulten und Gewalt im Hörsaal der Ruhr-Uni Bochum verletzt

Im Jura-Hörsaal im Gebäude des „Schaufenster Bochum“ in der Innenstadt kam es am Montag zum Handgemenge. Als Nikoläuse verkleidete linke Aktivisten outeten einen Neonazi und verteilten Flugblätter.
Im Jura-Hörsaal im Gebäude des „Schaufenster Bochum“ in der Innenstadt kam es am Montag zum Handgemenge. Als Nikoläuse verkleidete linke Aktivisten outeten einen Neonazi und verteilten Flugblätter.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bis zu 20 als Nikoläuse und Scream-Figuren verkleidete links-autonome Aktivisten haben eine Juravorlesung in der Ruhr-Uni Bochum gestürmt. Drinnen saß ein bekannter Dortmunder Rechtsextremer, der im 1. Semester Jura studiert. Der Jura-Professor verbot die Aktion. Doch die Situation eskalierte.

Bochum.. Zu einem folgenschweren Zwischenfall kam es in einem Hörsaal der Ruhr-Universität in der Innenstadt. Prof. Georg Borges hielt gerade seine Einführungsvorlesung zum Bürgerlichen Recht, als plötzlich eine Gruppe von bis zu 20 als Weihnachtsmänner verkleideter und mit Scream-Masken maskierter Leute in die Vorlesung platzte.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei kam es in dem Jura-Hörsaal im Gebäude der ehemaligen Stadtbad-Galerie (jetzt Schaufenster Bochum) zu tumultartigen Szenen und einem Handgemenge. Prof. Borges erhielt von einem der Maskierten einen heftigen Schlag ins Gesicht und blutete.

Zum Hintergrund: Seit Jahren beobachtet die linke Szene in Dortmund einen heute 23-Jährigen, der der rechten Szene zugeordnet wird. Es soll unter anderem in der Kameradschaft “Nationaler Widerstand Dortmund“ und anderen Gruppierungen an führender Stelle aktiv sein.

Schon einmal, im Frühjahr 2012, wurde er, damals noch Schüler, kurz vor dem Abitur in einer ganz ähnlichen Aktion geoutet. Mit dieser mittlerweile so weit verbreiteten wie umstrittenen Methode werden Fotos mit Infos, manchmal sogar mit der Adresse des Betreffenden per Plakat oder Flugblatt verteilt oder ins Netz gestellt. Rechte tun das mit Linken und umgekehrt.

Neonazi mit rotem Pfeil „markiert“

Am Montag wollten die Links-Autonomen im Jura-Hörsaal ebenfalls Flugblätter mit Angaben zu dem Mann verteilen. Der Betreffende saß selbst im Hörsaal, da er mittlerweile an der Ruhr-Universität als Jura-Student (1. Semester) eingeschrieben ist. Mit einem großen roten Holz-Pfeil sollen ihn die „Weihnachtsmänner“ markiert haben.

Noch am gleichen Tag behauptete eine Antifa-Gruppe in einer Presseerklärung: „Ein antifaschistischer Redebeitrag wurde nach kurzer Zeit durch den handgreiflich werdenden Dozenten der Vorlesung unterbrochen.“ Der mutmaßliche Neonazi und andere Studierende seien darauf ebenfalls handgreiflich geworden.

Kommentar Georg Borges schildert die Ereignisse anders. Er habe versucht, einen der vermummten Männer, der mit einem Megafon ausgestattet war, aus dem Hörsaal zu drängen. „Darauf griff mich plötzlich ein anderer Mann von der Seite an und schlug mich direkt ins Gesicht.“

Viele der rund 250 Studierenden seien darauf aufgestanden und wollten ihrem Professor zu Hilfe eilen. Es kam zum Handgemenge. Den Studenten sei es zunächst gelungen, den Schläger zu überwältigen. Doch die anderen Angreifer hätten ihn wieder befreit.

Vier mutmaßliche Täter festgenommen

Nach Angaben der Polizei gingen ab 12.18 Uhr die ersten Anrufe auf der Wache ein. Die ersten Beamten seien wenige Minuten später am Hörsaal eingetroffen. „Vier Personen konnten vorübergehend festgenommen werden“, so eine Polizeisprecherin.

Die Männer hatten sich auf dem Weihnachtsmarkt verstecken wollen, seien jedoch aufgrund ihrer Masken identifiziert worden. Der Vorwurf lautet: Landfriedensbruch. Möglicherweise kämen auch andere Delikte infrage. Der polizeiliche Staatsschutz hat sich eingeschaltet. Die Ermittlungen dauern an.

Prof. Borges will jetzt in jedem Fall Anzeige erstatten. „Es kann nicht sein, dass ein Student während der Vorlesung an den Pranger gestellt wird.“ Auch er möge keine Neonazis. Umso erschrockener ist er von dem Gewaltausbruch. „Meine Studenten haben sich vorbildlich verhalten.“ Nur durch ihr besonnenes Verhalten sei schließlich eine Eskalation der Situation im Hörsaal vermieden worden.