Junger Künstler setzt auf Überraschungen

Clemens Botho Goldbach auf seinem raumgreifenden Werk, einem Fußboden aus gebrauchten Backsteinen.
Clemens Botho Goldbach auf seinem raumgreifenden Werk, einem Fußboden aus gebrauchten Backsteinen.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Clemens Botho Goldbachs Ausstellung „H.B.T.“ in der Galerie Januar bezeugt das sensiblen Gespür des Künstlers für die vorgefundene Atmosphäre der Räume.

Bochum.. Wie sich Räume verändern können, das weiß jeder, der schon mal seine Wohnung renoviert hat. Hinterher ist sie „nicht mehr wiederzuerkennen“. Ähnliche Gefühle haben die Ausstellungsmacher um Kurator Hugo Koch zurzeit in der Galerie Januar in Langendreer.

Dort hat der Kölner Künstler Clemens Botho Goldbach seine Ausstellung „H.B.T.“ eingerichtet – und den kargen Ausstellungsräumen nachdrücklich den Stempel aufgedrückt.

Minimalistisch und wuchtig

Das ist an sich nichts Besonderes, denn auch mit der ersten Ausstellung 2015 setzt die Galerie Januar ihr programmatisches Bemühen fort, junge Künstler einzuladen, die ihre Arbeiten erst in unmittelbarem Bezug auf die Gegebenheiten vor Ort entwickeln. Und doch hat Goldbach (*1979) sich dieser Herausforderung auf eine besondere, handfeste Weise gestellt: mit Beton, Backsteinen, Kanthölzern, die nicht nur sinnbildlich „vom Bau“ kommen.

Tatsächlich findet der Künstler seine bevorzugten Objekte auf Baustellen oder in Abbruchhäusern. Bestanden Goldbachs Werke anfangs häufig aus Naturmaterialien wie Baumstämmen, Laub und Unterholz, so hat er in den letzten Jahren vor allem gebrauchte, historische Ziegel und Steine zu Fassaden, Wänden und ruinenhaften Architekturen vermauert. Auch im Erdgeschoss der Galerie Januar.

Der Raum ist komplett mit Backsteinen ausgelegt, ein kompaktes, hartes „Parkett“, das nicht nur die Raumstimmung beeinflusst, sondern auch die Wahrnehmung. Man ist fasziniert von dem hohen ästhetischen Gehalt dieser sorgfältig verlegten Ziegelsteine, die in beigen, rosa und gräulichen Farbtönen schimmern. Und man kann verwundert wahrnehmen, wie der sonst so hallige Raum – trotz der herrschenden Leere – die Stimmen und Stimmungen sanfter und gleichzeitig entschiedener macht.

Das zeugt von dem sensiblen Gespür des Künstlers für die jeweils vorgefundene Atmosphäre und Historie der von ihm bestückten Ausstellungsräume oder -orte. Sie werden durch Goldbachs Formensprache, wuchtig und minimalistisch zugleich, sowohl bestätigt als auch neu definiert.

Auf die Spitze getrieben

Dabei darf man/muss man auf Überraschungen gefasst sein. So im Kellergeschoss der Galerie Januar, das der Künstler mit einer aus solidem Holz und harschem Beton gebauten, im Wortsinn einnehmenden und dennoch nicht überrumpelnden Raumplastik ausstattet hat. So im Obergeschoss, wo der besagte minimalistische Ansatz in einer überraschenden künstlerischen Volte auf die Spitze getrieben wird.

Wie, sei hier nicht verraten. Hingehen, selber sehen!