Junge Kunst für Europa
04.06.2010 | 18:23 Uhr 2010-06-04T18:23:00+0200
Bochum. In der Turbinenhalle im Westpark eröffnet am 6.Juni die Europäische Jugendkunstausstellung. Über 140 Werke junger Künstler zwischen 14 und 23 Jahren aus Essen, Bochum, Herne und auch Istanbul sind dann drei Wochen lang zu sehen.
Zwar ist die Ausstellung „Starke Orte“ in der Turbinenhalle im Westpark hinter der Jahrhunderthalle abgebaut, doch diese bleibt ein starker Ort. Denn ab Sonntag ist dort die Wanderschau „Europäische Jugendkunstausstellung 2010“ zu sehen.
Diese Show ist ein echtes Kulturhauptstadtprojekt der Stadt Bochum, denn die Planungen und Verträge dafür reichen schon bis ins Jahr 2007 zurück. Damals haben sich die Kulturdezernenten der Städte Essen, Herne und Bochum darauf geeinigt, die traditionsreiche Essener Variante mit den Nachbarstädten und jeweiligen Partnerstädten zu vernetzen und als Projekt vorzuschlagen. Als offizielles Twins2010-Projekt wurde nun die Ausstellung realisiert und war schon in Essen und Herne zu sehen.
Kuno Gonschior in der Jury
279 Künstler zwischen 14 und 23 hatten 1250 Werke eingereicht, die zunächst von einer Jury in der jeweiligen Stadt, schließlich von einer Gesamtjury rund um den inzwischen verstorbenen Professor Kuno Gonschior gesichtet wurden. Gut 140 Objekte haben es in die Ausstellung geschafft, davon 37 aus Bochum.Sonderpreise werden jeweils in den Städten in zwei Altersklassen vergeben. In Bochum gewannen in der Klasse von 14 bis 18 Jahren Alina Fuhrmann, Mona Kiepert, Jeremias Radny und Philip Volkenhoff. Ihr Preis ist eine Reise nach Istanbul. Dort besuchen sie vier türkische Jungkünstler, die selbst seit Montag in Bochum weilen. In der älteren Kategorie gewannen Emel Aydogdu, Nadine Isabell Kipka, Anna Strug und Anja Warzecha. Ihre prämierten Bilder sind als Postkarten zu erhalten.
Frischer Blick auf den Alltag
Die thematisch gehängte Exposition besticht durch Abwechslungsreichtum in der Wahl der Formen. Klassische Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation sind zu bewundern; es eint die Künstler am ehesten ein frischer, junger Blick auf den Alltag und eine fast durchgängig hohe Qualität. Breit vertreten sind etwa Auseinandersetzungen mit der populären Kultur, genauso wie ein vorsichtig konsumkritischer Blick. Eine interessante Arbeit zu diesem Komplex stammt etwa von der Bochumerin Franziska Röhrich. „Nicht-Portraits“ ist eine Fotografie, auf der zwei Personen sich LP-Cover vor das Gesicht halten, auf denen wiederum Gesichter abgebildet sind. „War“ von U2 und „The View From The Top“ von Cat Stevens. Formal eine stimmige Arbeit, die zudem durch die vielfältigen Referenzen der ausgewählten Künstler aufgeladen wird.
Fluxus-Lärm
Für Lärm im hohen, industriekulturellen Ausstellungsraum sorgt eine Installation, die viel Fluxus-Geist atmet. Alexander Buers „Toaster in Unusual Situation“ dreht sich um die eigene Achse und bekommt regelmäßig einen mechanischen Schlag mit dem Hammer verpasst. Ein ironisch schepperndes Fanal des künstlerischen Aufbruchs, das in schwieriger Zeit offenbar den den Paukenschlag der Jugend ersetzt.

08:23
Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele