Jesiden in Bochum wollen eigenes Zentrum gründen

Die Jesidische Gemeinde (hier Tänzerinnen bei einem religiösen Fest) will von der Stadt das ehemalige jüdische Gemeindezentrum in Laer kaufen.
Die Jesidische Gemeinde (hier Tänzerinnen bei einem religiösen Fest) will von der Stadt das ehemalige jüdische Gemeindezentrum in Laer kaufen.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Jesidische Gemeinde in Bochum plant ein eigenes Zentrum. Dafür will sie von der Stadt das ehemalige jüdsiche Gemeindehaus in Laer kaufen.

Bochum.. Die Jesidische Gemeinde will das ehemalige Jüdische Gemeindezentrum an der Alten Wittener Straße kaufen. Das wurde jetzt am Rande der Laerschen Runde bekannt. „Die Stadt hat uns ein Angebot gemacht. Die Zeichen stehen auf Einigung“, bestätigt Vorsitzender Feysi Toku.

Rund 1000 Mitglieder zählt die Jesidische Gemeinde. Tendenz: steigend. In den letzten Monaten, berichtet Toku, gelang einigen Glaubensbrüdern und -schwestern die Flucht aus dem Nordirak, wo die Terrormiliz IS einen Völkermord an der Religionsgemeinschaft verübt.

Bislang kommen die Jesiden privat oder in angemieteten Räumen zusammen. „Wir brauchen dringend ein eigenes Zentrum“, erklärt Toku (46), der sich dankbar zeigt, dass die Stadt das einstige jüdische Gemeindehaus offeriere. Seit dem Wechsel der Jüdischen Gemeinde 2007 in die neue Synagoge am Erich-Mendel-Platz stehen die Räume leer.

Zentrum soll allen Menschen offenstehen

„Wir haben fleißige Handwerker in unseren Reihen. Große Teile der Renovierung würden wir in Eigenleistung vornehmen“, kündigt Toku an. Wenn alles klappt, könnte das Zentrum für die gesamte Rhein-Ruhr-Region noch 2015 eröffnet werden. Die 600 qm würden für religiöse und gesellschaftliche Feste, soziale Aufgaben und Bildungsarbeit genutzt. „Auch die Kriegsflüchtlinge könnten hier Rat und Hilfe erfahren“, so der Vorsitzende. Gleichfalls wichtig: Das Zentrum solle allen Menschen offenstehen, egal welchen Alters und welcher Religion.

Derweil ist Farat Toku (35), Bruder von Feysi, soeben von seiner dritten Reise in den Nordirak zurückgekehrt. Der Trainer der SG Wattenscheid 09 besuchte zusammen mit Vertretern der Caritas u.a. das „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet“, das vom heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel ins Leben gerufen wurde. „Das Elend und die Not sind nach wie vor immens. Wir müssen weiter helfen!“, appelliert Farat Toku. Auch dabei könne ein künftiges Gemeindezentrum der Jesiden im Revier gute Dienste leisten.