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Jecken sind nach Absage enttäuscht

08.02.2016 | 18:26 Uhr
Jecken sind nach Absage enttäuscht
Wir feiern trotzdem: Lara, Berit, Leonie und Sophie auf der ziemlich leeren Hattinger Straße.Foto: Stefan Arend

Bochum-Linden.   Rosenmontagszug fällt kurzfristig Sturmwarnung zum Opfer. Gefeiert wird stattdessen in Kneipen und Vereinsheimen. Gibt’s womöglich einen Ersatzzug?

Rosenmontag, 14.11 Uhr: Die Sonne taucht die Hattinger Straße in schönste Farben – und Stefan Rodemann mag am liebsten gar nicht hin sehen. Wenn’s jetzt wenigstens aus Kübeln regnen und stürmen würde, dann hätte der Chef der Lindener Werbegemeinschaft vielleicht das gute Gefühl, am Ende richtig entschieden zu haben. Doch dass zum vorgesehenen Start des in letzter Minute abgesagten Rosenmontagszugs in Linden plötzlich die Sonne scheint: Das ist die Höchststrafe. „Aber das konnte wirklich niemand voraus sehen“, sagt Rodemann sichtlich geknickt.

Auf der Hattinger Straße, wo jetzt eigentlich fröhlich feiernde Menschentrauben und festlich geschmückte Wagen unterwegs sein sollten, ist an diesem Rosenmontag nicht viel los.

Karneval bleibt Karneval

Die meisten Geschäfte haben geschlossen, ein paar Autos fahren umher – doch einige, vor allem junge Karnevalisten lassen sich den Spaß nicht nehmen. „Sicher haben wir von der Absage gehört“, erzählt Lara, die mit ihren Freundinnen Berit, Leonie und Sophie verkleidet gekommen ist. „Aber Karneval bleibt Karneval.“

Doch Karneval ohne Kamelle in Linden? Das gab’s in der 32-jährigen Geschichte des Umzugs erst einmal: beim Irak-Krieg 1991. In all den anderen Jahren haben die Narren so mancher dicken Regenwolke eisern getrotzt. Erst als der Wetterdienst am Montagmorgen um 9.30 Uhr die Unwetterwarnung herauf stufte und von drohenden Sturmböen von 90 bis 110 km/h sprach, riet auch die Feuerwehr zur Absage. „Wir hatten gar keine andere Wahl“, meint Zugleiter Wolfgang Höfling, ehemaliger Chef der Polizeiwache Südwest. „Was wäre denn passiert, wenn sich ein Dachziegel gelöst und ein Kind am Kopf getroffen hätte? Das mag man sich gar nicht ausmalen.“

Das war leider nix: (v.l.) Stefan Rodemann und Julia Weitzel von der Werbegemeinschaft sowie Zugleiter Wolfgang Höfling vor dem Karnevalswagen. Foto: Stefan Arend

Trauer um Absage ist groß

Bei den Vereinen ist die Trauer um die Absage groß – und das Verständnis für die Entscheidung dennoch gegeben. Bei der Ruhrlandbühne wurden die beiden Festwagen teils seit Monaten für den großen Tag hergerichtet, etwa 70 Aktive hätten beim Umzug dabei sein sollen. „Aber das Verständnis für die Absage ist natürlich da“, sagt Geschäftsführer Dirk Schmieder.

Auch bei den Kanuten des LDKC muss das Drachenboot, das auf der Hattinger Straße hätte entlang ziehen sollen, diesmal im Vereinsheim bleiben. „Das ist schade um das tolle Engagement unserer Sportler“, meint Vorsitzender Ralf Höfgen. Die Mitglieder der Werbegemeinschaft schauen genauso traurig auf ihren schön geschmückten Festwagen, der passend zum Motto „Tief im Western“ im Indianer-Look aufgefahren wäre.

Kamelle werden im nächsten Jahr geworfen

Der finanzielle Schaden, so hofft die Werbegemeinschaft, hält sich in Grenzen. „Es will ja niemand Gewinn aus dem Rosenmontagszug schlagen“, sagt Rodemann. „Da ziehen wir alle an einem Strang.“ Bei der Ruhrlandbühne können die frisch eingekauften Wurfartikel noch im kommenden Jahr unters Volk gebracht werden: „Da achten wir genau aufs Datum“, schmunzelt Schmieder.

Die Parties verlagern sich am Nachmittag in Kneipen und Vereinsheime. Bei der Ruhrlandbühne sind um 16 Uhr über 100 Narren in bester Feierlaune. Und einige spekulieren bereits über eine mögliche Wiederholung des Festumzugs. „Vielleicht in etwas kleinerer Form bei der Lindener Meile oder bei der Kirmes“, schlägt Schmieder vor.

Ersatzbusse fahren auch ohne Rosenmontagszug

Der Rosenmontagsumzug fiel zwar aus, doch die Ersatzbusse der Bogestra fuhren trotzdem: Ab Blankensteiner Straße mussten alle Fahrgäste von der Straßenbahn in Busse umsteigen – egal ob es in Linden Kamelle regnete oder nicht. „Das ließ sich für uns so kurzfristig nicht mehr ändern“, erklärt Sprecher Christoph Kollmann. Gründe dafür seien Dienstpläne und Ablösezeiten.

Sven Westernströer

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2016-02-08 18:26
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