Intensivstation: Schmerz lass nach
07.12.2008 | 13:04 Uhr 2008-12-07T13:04:00+0100Zahlreiche Infomationen zum Thema Intensivmedizin gab es für über 200 Besucher beim 9. WAZ-Nachtforum Medizin im Knappschaftskrankenhaus Langendreer.
Die Zeiten der „Eisernen Lunge” sind längst vorbei. Interdisziplinäre Hochleistungsmedizin bestimmt heute den Kampf um den Patienten in der Intensivstation. Doch nicht nur die „Apparatemedizin” ist dort gefragt. Wichtig sind auch intensive Pflege und Zuwendung.
Natürlich gehe es darum, „Leiden zu heilen und Schmerzen zu lindern”, sagte Werner Conrad, Redaktionsleiter der WAZ Bochum, der wiederum als Moderator das Forum durch den Abend steuerte. Eine ganze Themenpalette kündigte er an bis hin zur Frage zum Sinn des medizinisch Möglichen: „Wo zieht man Grenzen?”
"Intensivmedizin ist keine Apparatemedizin"
„Intensivmedizin ist keine Apparatemedizin,” bekräftigte Prof. Dr. Michael Zenz, Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Knappschaftskrankenhaus. Er schilderte, wie noch in den 50er Jahren bei Kinderlähmung die kleinen Patienten zwecks Beatmung an die „Eiserne Lunge” angeschlossen wurden – die Sterblichkeit habe da noch 85 Prozent betragen. Zenz trat dem Eindruck entgegen, dass Patienten in der Intensivstation wegen der vielen dort eingesetzten Apparate hilflos herumliegen: „Wir haben auch Patienten, die trotz Beatmungsschlauch Zeitung lesen.” Täglich gebe es mehrere gemeinsame Visiten von Chirurgen, Radiologen und Anästhesisten.
Dank der Technik habe man „gigantische Möglichkeiten, einzugreifen, aber wo sollen wir aufhören”, warf der Professor eine grundsätzliche Frage der Mediziner auf.
Schmerztherapie nach der OP
Mit Schmerztherapien befasste sich Privatdozent und Leitender Oberarzt Dr. Andre´ Gottschalk. Er illustrierte seinen Beitrag anfangs mit dem bestürzenden Bildnis einer „Beinoperation um 1750”, das einen unter der Säge sich aufbäumenden Patienten zeigte. Derlei Leidenszeit ist zum Gück vorbei. Die Medizin wende, um Schmerzen zu betäuben, nach Operationen etwa rückenmarksnahe Katheter an. Auch bei bewusstlosen Patienten könne man Schmerzen „sichtbar” machen, etwa durch Messung von Herzschlag und Blutdruck. Gerade nach einer OP sei es wichtig, Schmerzen zu bekämpfen. Weil sonst die Patienten wegen der Schmerzen flacher atmen, nicht abhusten, was zur Sekretbildung führe und die Gefahr einer Lungenentzündung nach sich ziehen könnte: „Gute Schmerztherapie führt zu besserer Heilung.”
Die Angst vor dem Horrortrip
Manche haben „Angst vor dem Horrortrip”: Man bekomme trotz Betäubung als Patient alles mit und keiner merke es, erinnerte Conrad. Eine Besucherin bestätigte, das habe sie bei mehreren Operationen erlebt. „Abnorme Reaktion auf Medikamente”, bemerkte Zenz dazu.
Stichworte für Oberärztin Prof. Dr. Petra Bischoff. Sie schilderte, wie durch Gehirnströmemessungen die jeweilige Schlaftiefe exakt bestimmt werden kann: „Man stellt auch fest, ob einer zu tief schläft.”
Wie sehr eine „sorgfältige und liebvolle Pflege die Heilung fördert, ” erläuterte Martin Schwertner, Pflegeleiter der Intensivstation. Abschließend betonte Prof. Zenz bei der Erörterung ethischer Aspekte, es gelte nicht, den Sterbevorgang künstlich in die Länge zu ziehen: „Intensivmedizin dient dem Erhalt der Lebensqualität.”
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