Industriegas-Hersteller Air Products zieht nach Bochum
14.04.2010 | 19:35 Uhr 2010-04-14T19:35:00+0200
Bochum/Hattingen.Die Hauptverwaltung von Air Products verlässt die Stadt Hattingen und zieht aufs ehemalige Nokia-Gelände nach Bochum. Von bisher knapp 200 Mitarbeitern des Industriegas-Herstellers an der Hüttenstraße in Welper bleiben nur etwa 30 in der Produktion am alten Stammsitz.
„Die aktuelle Hauptverwaltung ist zu klein, weil jetzt noch einmal rund 100 Mitarbeiter aus dem Bereich Medical hinzukommen”, erklärt ein Firmensprecher auf Nachfrage der WAZ. Der Betriebsrat hat dem Umzug nicht zugestimmt, wohl aber dem Interessensausgleich im Rahmen eines Sozialplans. Noch in diesem Jahr siedelt das Unternehmen um. „Zurzeit laufen Verhandlungen, erst dann wissen wir den genauen Zeitplan”, so Air Products. Mit Unverständnis reagierte Hattingens Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch auf die Abwanderung nach Bochum: „Hier hat Air Products ein abgeschriebenes, gut erhaltenes Gebäude, in Bochum müssen sie Miete zahlen – das kann ich nicht nachvollziehen.” Sie habe geprüft, ob Fördermittel vom Land oder andere Subventionen geflossen sind, „aber uns wurde deutlich gemacht, dass dies nicht der Fall ist”.
Liegenschafts-Abteilung in den USA hat Umzug beschlossen
Goch sprach mit Geschäftsführer Markus Robertz, der in Barcelona sitzt, und den Prokuristen vor Ort, stellte sogar einen Anbau in Aussicht, „doch letztlich standen wir machtlos da. Alle Vorschläge wurden als unwirtschaftlich abgetan.” Beschlossen wurde der Umzug von der Liegenschafts-Abteilung in den USA.
Air Products hatte im Frühjahr 2009 mit seiner Umstrukturierung in Deutschland begonnen: Die Ausbildung wurde aufgegeben und 28 Mitarbeitern in Hattingen gekündigt. „Wir haben Ländergrenzen aufgebrochen, uns an Produkten und Dienstleistungen orientiert”, sagte Personalleiterin Sylvia Scholz vor einem Jahr. Folge: Hattinger Arbeitsplätze wurden in andere Länder verlagert, im Herbst 16 weitere Kündigungen ausgesprochen, zudem gab es die Information, dass über einen Umzug nach Bochum verhandelt würde.
„Der Abbau war für die nächsten Jahre geplant, wegen der Krise kommt er schneller”, so Scholz. Air Products stecke aber nicht in einer Krise, am Standort Hattingen bleibt die Produktion als Außenstelle.

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