In der Metallbranche drohen nun Entlassungen
20.01.2010 | 10:50 Uhr 2010-01-20T10:50:00+0100
Bochum. Nach Auskunft des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie für den Raum Bochum ist die Krise keineswegs überstanden. Trotz einiger Signale für eine Besserungen drohen gerade in diesem Jahr erste Entlassungen.
Die Arbeitgeber der mittelständischen Metallindustrie in Bochum und Umgebung sehen noch kein Ende der Konjunkturkrise. Mehr noch. In diesem Jahr seien Kündigungen wahrscheinlich, auch wenn es wohl nicht zu den von manchen befürchteten Massenentlassungen komme. Hauptgeschäftsführer Dirk W. Erlhöfer des Bochumer Arbeitgeberverbandes sagt: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir schon mal eine solch heftige Krise hatten.”
Nur ein äußerst schwacher Aufwärtstrend sei erkennbar. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter den rund 100 Mitgliedsbetrieben. Mehr als 30 Unternehmen antworteten auf die Fragen des Verbandes. Zwar erwarten 53 Prozent, dass die konjunkturelle Talsohle in diesem Jahr durchschritten sei. Gleichzeitig bezeichnen mehr als ein Drittel der Firmen ihre aktuelle Ertragslage als schlecht und immerhin noch ein knappes Viertel der Unternehmen befürchtet, in diesem Jahr Personal abbauen zu müssen. Insgesamt, so der Verband, hinke die Metallbranche hinter dem allgemein positiveren Konjunkturtrend hinterher.
Kurzarbeit und weniger Leiharbeitnehmer
Mit Kurzarbeit und dem Abbau von Leiharbeitnehmern versuchten die Unternehmen der Metallbranche im letzten Jahr Entlassungen zu vermeiden. Trotzdem musste etwa ein Drittel der 100 Firmen mit insgesamt rund 20 000 Beschäftigten Personal abbauen. Im ersten Halbjahr des Jahres waren es noch rund 60 Prozent.
Doch wie Hauptgeschäftsführer Dirk W. Erlhöfer erläutert, halfen oft genug Mittel wie Kurzarbeit, flexible Sonderverträge oder Arbeitszeitkonten. „Außerdem wurde befristete Arbeitsverträge nicht verlängert oder Leiharbeitsplätze in den Firmen wurden abgebaut. Mit den Gewerkschaften hatte man sich noch vor Weihnachten auf ein weiteres Mittel geeinigt:
Firmen können sich untereinander Arbeitskräfte ausleihen. Etwa, wenn in einem Betrieb ein Dreher benötigt werde, weil jemand wegen Krankheit für eine befristete Zeit ausfalle, könne er von einer Firma, in der zum Beispiel Kurzarbeit drohe, ausgeliehen werden.
Bis jetzt keine Massenentlassungen
Der Arbeitgeberverband hatte bereits im vergangenen Jahr zusätzlich Juristen eingestellt, weil im Falle von betriebsbedingten Kündigungen mit arbeitsrechtlichen Verfahren zu rechnen gewesen sei. Zu Massenentlassungen kam es bislang jedoch nicht. „Einige uns bekannte Firmen denken jedoch jetzt über betriebsbedingte Kündigungen nach”, so Erlhöfer.
Dass es weiterhin eher düster aussieht, zeigt sich zudem an den beabsichtigten Investitionen für dieses Jahr. 58 Prozent der Firmen gehen von einer abnehmenden Investitionstätigkeit aus. Das Bild verändert sich jedoch je nach Branche und Art des Auslandsgeschäftes. Schwere Einbrüche verzeichnete etwa der einstige Boom-Markt des Nahen Ostens, mit dem einige mittelständische Unternehmen bislang recht gute Geschäfte gemacht haben.
Mit Blick auf die laufenden Sondierungsgespräche in der Metallbranche gehen die Arbeitgeber davon aus, dass es diesmal weniger um Lohnerhöhungen als um Sicherung der Arbeitsplätze gehe. Weitere Eckpunkte bei den Gesprächen seien die Entwicklung bei den Ausbildungsplätzen und die Leiharbeit.
IG Metall sieht ebenfalls keine Trendwende
Ulrike Kleinebrahm, 1. Bevollmächtigte der Bochumer IG Metall, sieht ebenfalls keine „generelle Trendwende” bei den Unternehmen. Allerdings hätten einige aus der Branche, wie Eickhoff oder auch Heintzmann die Krise bislang jedenfalls ohne Kurzarbeit erstaunlich gut überstanden. „Aber er ich fürchte auch, dass das Jahr 2010 so etwas wie ein Bewährungsjahr werden könnte”, so Kleinebrahm.
Für die kommende Tarifrunde und den im Stillen bereits seit Wochen laufenden Sondierungsgesprächen bestätigt die Gewerkschafterin, dass es den Beschäftigten in diesen Wochen natürlich hauptsächlich um die Frage geht: „Wie sicher ist mein Arbeitsplatz noch?” Dabei will die IG Metall nicht irgendwelchen Arbeitskampf-Ritualen frönen, denn für die Mitglieder stehe die Beschäftigungssicherung ganz oben auf der Wunschliste.

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