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Im Trubel des Weltjugendtages

21.07.2008 | 19:00 Uhr

Kuno Gonschior zeigt seine Fleckenbilder in einer Galerie im australischen Sydney "Ich war dort zur gleichen Zeit wie der Papst". Internationales Renommee des Bochumer Künstlers wächst

Bochum - Düsseldorf - Sydney: Kuno Gonschior kommt weit herum in der letzten Zeit. Foto: WAZ, Tanja PickartzEin Blick in das Atelier von Kuno Gonschior. Das Foto stammt von der Galeristin Conny Dietzschold aus Sydney. Sie hat es während ihres Besuchs bei Gonschior in Bochum aufgenommen. Abgedruckt ist es auf dem Faltblatt zur Ausstellung in Sydney. Foto: Privat

"Ich fahre immer wieder gern dorthin, ich genieße das", erklärt Kuno Gonschior ehrlich. Gemeint ist seine große Ausstellung in der Duisburger Küppersmühle, die kürzlich mit 800 Vernissage-Gästen eröffnet worden ist. Beflügelt wird Kuno Gonschior durch die bisher veröffentlichten Kritiken, "die euphorisch waren". Selbst das Boulevardblatt mit den großen Buchstaben, sonst sicherlich kein Verfechter aktueller Kunst, habe die Ausstellung großflächig gelobt. Duisburg - "Die bisher wichtigste Ausstellung für mich", so Kuno Gonschior.

Die Reise von Bochum quer durchs Ruhrgebiet bis nach Duisburg ist überschaubar. Ganz andere Kilometer musste der Bochumer Künstler, dessen Ruf sich internationaler Reputation erfreut, kürzlich auf sich nehmen. Noch während des Gesprächs mit der WAZ steckte Kuno Gonschior der Jetlag in den Knochen. Unlängst ist im fernen Sydney eine Ausstellung mit den typischen Fleckenbildern Gonschiors eröffnet worden. Dafür musste er 25 Stunden unterwegs sein. Mit Zwischenstopp Singapur: "Eine Wahnsinnsstadt", meint Gonschior, von den Eindrücken nach wie vor überwältigt.

Hatte in der Küppersmühle Ministerpräsident Jürgen Rüttgers einige einführende Sätze gesprochen, ließ es sich in Sydney die Frau des deutschen Botschafters, Christiane Gruber, nicht nehmen, zur Vernissage die Gäste zu begrüßen. "Es war ziemlich voll in der Galerie", erzählt Kuno Gonschior. Da der Ausstellungsraum in einem Zentrum mit 14 Galerien liegt, die an diesem Abend alle gleichzeitig ihre neuen Präsentationen eröffneten, herrschte erheblicher Andrang. Dieser Run auf die Kunst kam natürlich auch jeder einzelnen Galerie zugute. Kuno Gonschior hat ein ähnliches, publicityfreundliches Prinzip erst kürzlich in einem Galeriezentrum in den USA erlebt.

"Unter den Besuchern waren erstaunlich viele Deutsche, die dort leben", erzählt Kuno Gonschior. Er zeigt in Sydney 15 Bilder aus den letzten drei Jahren.

Kuno Gonschior hatte Galeristin Conny Dietzschold im vergangenen Jahr beim Kölner Kunstmarkt kennen gelernt. Sie hatte sich anschließend in Bochum seine Bilder angeschaut, "und dann haben wir die Ausstellung vereinbart", so Gonschior. Conny Dietz-schold ist mit ihrem Mann vor einigen Jahren auf den Kängeruh-Kontinent übergesiedelt und hat sich dort mit ihrer Galerie selbstständig gemacht.

14 Tage weilte Kuno Gonschior auf der anderen Seite des Erdballs, und nutzte ausgiebig die Möglichkeit, Land und Leute zu erkunden. Gemeinsam mit seinem Essener Galeristen Frank Schlag, der ihn bei der Tour begleitete.

Die Besucher aus dem Ruhrgebiet schauten sich die Kunstbiennale auf einer Insel an, die Sydney vorgelagert ist. "Das war früher einmal eine Strafkolonie", hat Gonschior erfahren. Vergleichbar mit dem legendären Alcatras vor Kalifornien Küste. Die Gebäude auf der Insel haben auf den Bochumer jedenfalls auch heute noch keinen sonderlich gemütlichen Eindruck gemacht: "Das waren zum Teil riesige Räume, wenigstens so groß wie die Jahrhunderthalle."

Sydney selbst platzte während seines Aufenthalts beinahe aus allen Nähten durch den Ansturm der Teilnehmer des katholischen Weltjugendtages: "Der Papst war zur gleichen Zeit dort wie ich", sagt Kuno Gonschior. "Die Jugendlichen tanzten auf den Straßen bis in die Nacht hinein."

Insgesamt hätte der Weltjugendtag "doppelt so viele Besucher angelockt wie die Olympischen Spielen im Jahre 2002". Erstaunlich ...

Von Werner Streletz

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