Im Rollstuhl sind alle gleich

Ob mit oder ohne Handicap – im Rollstuhl Hockey spielen können (fast) alle.
Ob mit oder ohne Handicap – im Rollstuhl Hockey spielen können (fast) alle.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Seit 35 Jahren gibt es den Behindertensportverein Bochum-Ost. Hier wird die Inklusion vorgelebt, treiben Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam Sport.

Langendreer.. Sportangebote gibt es in den LWL-Förderschulen am Leithenhaus in Langendreer zur Genüge – natürlich am Vormittag. Doch wie sollen Menschen mit Handicap nach Unterrichtsschluss oder nach der Schulzeit Sport treiben? Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. „Inklusion in Sportvereinen ist immer noch sehr selten“, weiß Rainer Fandrich, Lehrer der Schule am Haus Langendreer und Vorsitzender des Behindertsportvereins (BSV) Bochum-Ost. Dieser wurde vor 35 Jahren gegründet, um körperbehinderten, aber auch allen anderen Interessierten in einem außerschulischen Rahmen ein vielfältiges Sportangebot zu ermöglichen.

Man begegnet sich auf Augenhöhe

Ein Konzept, das aufgegangen ist, was sich gut an der Rolli-Sportgruppe festmachen lässt. Montags und freitags treffen sich in der Turnhalle der Schule am Haus Langendreer, Hauptstraße 157, Menschen mit und ohne Handicap, um gemeinsam Sport zu machen. Wenn sich fürs Hockey-Spiel die Nichtbehinderten in den Rolli setzen, begegnet man sich auf Augenhöhe. Im Rollstuhl sind alle gleich. „Wir machen Unbeteiligte zu Beteiligten“, sagt Fandrich, der stolz ist, „dass bei uns die Inklusion lebt“.

Für viele ist der BSV Bochum-Ost die einzige Möglichkeit, Sport zu treiben. Martin Bialasik (33), der seit einem Autounfall im Rollstuhl sitzt, kommt eigens aus Mülheim zum Hockey nach Langendreer. Sandra Schulz (27), ebenfalls Rolli-Fahrerin, kann hier mit ihrem nicht-behinderten Freund Sascha Vahle (36) gemeinsam Sport machen. „Eine prima Sache“, freuen sie sich. Feuer und Flamme für Rollstuhl-Hockey ist auch Dirk Bracke (53), der mit seinem auf den Rolli angewiesenen Sohn Alexander (16) regelmäßig aus Hiltrop kommt. Die beiden spielen auf dem Feld immer gegeneinander und liefern sich heiße Duelle. „Ein toller Sport“, schwärmt der Papa, der auch dann zum Hockey-Spiel erscheint, wenn der Sohnemann keine Lust hat.

Sponsoren für Rollis gesucht

Die Gruppen sind bunt gemixt. „Je ein Drittel sind Schüler, ehemalige Schüler und Freunde“, weiß Rainer Fandrich, der mit seinem Vorstandsteam und insgesamt neun Übungsleitern den Laden „schmeißt“. 101 Mitglieder hat der Verein aktuell, Tendenz steigend.

Finanziell sieht es nicht ganz so rosig aus. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt Lehrerin und Kassierin Kerstin Merten. Aktuell hat der Verein großen Bedarf an Rollis. Zehn neue „Sportgeräte“ sind nötig, um das Sportangebot aufrecht erhalten zu können. „Die kosten knapp 23 000 Euro“, hat Rainer Fandrich bereits ein günstiges Angebot eingeholt. Nun hoffen der 56-Jährige und sein Team auf Sponsoren. „Jede Kleinspende hilft“, sagt Fandrich.