Igel-Notruf Bochum rettet im vergangenen Jahr 74 Tiere

Almuth Riedel und einer der Igel, der in diesem Jahr bei ihr überwintert. Sie betreibt den Igel-Notruf in Bochum-Querenburg.
Almuth Riedel und einer der Igel, der in diesem Jahr bei ihr überwintert. Sie betreibt den Igel-Notruf in Bochum-Querenburg.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Almuth Riedel vom Igel-Notruf Bochum nimmt viele der hilfsbedürftigen Vierbeiner bei sich auf. Vor allem bei Jungtieren ist intensive Pflege gefragt.

Bochum.. Almuth Riedel wird es so schnell nicht langweilig. Schließlich teilt sich die 61-jährige Tierschützerin ihr Zuhause mit einer Horde kleiner Mitbewohner: hilfsbedürftige Igel, die ohne menschliche Hilfe den Winter nicht überstehen würden. Und das neben ihrem Beruf als Juristin. „Ohne das Verständnis und die Unterstützung meiner Familie wäre das gar nicht möglich“, sagt Riedel und lacht. Schließlich sind der Wintergarten, zwei Kellerräume und das Arbeitszimmer für die stacheligen Hausbewohner reserviert.

Gerade einmal 350 Gramm wiegt das kleine Stacheltier

Acht der zehn kleinen Igel, die momentan bei der Familie in Querenburg Unterschlupf gefunden haben, halten derzeit Winterschlaf. Doch zwei Neuankömmlinge, die seit Silvester im Wäschekeller der Riedels leben, benötigen mehr Aufmerksamkeit: „Bei einem sind die Augen vereitert, er braucht zweimal täglich eine spezielle Augensalbe; der andere hatte Parasiten, ist viel zu dünn und muss noch ordentlich zunehmen“, erzählt Riedel. Gerade einmal 350 Gramm wiegt das kleine Stacheltier. „Für den Winterschlaf sollte ein Igel allerdings mindestens 500 Gramm wiegen, besser mehr.“ Deshalb kontrolliert die engagierte Tierliebhaberin regelmäßig das Gewicht des Kleinen, seinen Kot und wie viel er gefressen hat. Zudem müssen die Käfige der tierischen Mitbewohner sauber gehalten werden.

Insgesamt 74 Tiere hat der Igel-Notruf des Arbeitskreises Umweltschutz Bochum (AkU), den Riedel seit 2006 koordiniert, im vergangenen Jahr aufgenommen. Davon rund ein Drittel Jungtiere, die ihre Mutter verloren haben. Auch zwei noch zahnlose Findelkinder mit gerade einmal 59 und 68 Gramm waren darunter. „Sie mussten mit Ersatzmilch aufgepäppelt und alle drei Stunden gefüttert werden. Im Anschluss braucht es dann noch eine Bauchmassage für die Verdauung“, erzählt Riedel. Diese Aufgabe übernahm allerdings nicht die Juristin selbst, sondern eine ihrer sechs ehrenamtlichen Mitstreiterinnen vom Igel-Notruf.

„Igel sind als Haustiere völlig ungeeignet“

Im Frühjahr 2014 nahm Riedel auch erstmals drei nicht-einheimische Tiere auf: afrikanische Weißbauchigel. Sie stammten aus privater Haltung und waren in schlechtem Zustand. „Die zwei Männchen wurden zusammen gehalten, einer davon wurde wohl ‘gemobbt’. Er war fast nackt, seine Haut schuppig und faltig“, erinnert sich Riedel. „Igel sind als Haustiere völlig ungeeignet, auch wenn sie vielleicht niedlich aussehen“, ärgert sich die Tierschützerin. Denn die stacheligen Vierbeiner sind scheue Einzelgänger, werden auch nach langer Zeit nicht zutraulich. Zudem haben sie einen großen Bewegungsdrang, legen nachts auf Futtersuche zwischen fünf und acht Kilometer zurück. Deshalb wildert Riedel ihre Pfleglinge auch immer so schnell wie möglich wieder aus, meist nach drei bis vier Wochen. Ihre Überwinterungsgäste werden sich allerdings bis April gedulden müssen, erst dann ist das Nahrungsangebot wieder groß genug.