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Thyssen-Krupp

IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an

23.01.2012 | 12:16 Uhr
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
Das Stahlwerk von ThyssenKrupp Nirosta in Bochum. Foto: Ingo Otto

Bochum.  Pläne über einen Verkauf des Werks in Bochum sorgen für einen Schock vor Ort. Die Schließung des Schmelzstufen-Werks hätte massive Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Bochum. Die IG Metall hat für Freitagmittag, 11.55 Uhr, zur Großdemo auf dem Husemannplatz in der Innenstadt eingeladen.

Der offenbar geplante Verkauf der Thyssen-Krupp-Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu löste in Bochum am Montag einen Schock aus. „Am  frühen Morgen wurden der Betriebsrat am Hauptsitz in Krefeld über die Absicht informiert“, berichtete die 1. Bevollmächtigte der Bochumer IG Metall, Ulrike Kleinebrahm. Im früheren Nirosta-Edelstahlwerk an der Essener Straße sind knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt.

„Von Betriebsschließungen oder gar Entlassungen war nicht die Rede. Jetzt geht es darum, das Gesicht zu zeigen und den Kollegen zur Seite zu stehen“, entrüstete sich der Bochumer SPD- Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer.  Sofort nachdem er von der Nachricht des offenbar konkreter werdenden Verkaufs erfuhr, sagte er den Beschäftigten seine Unterstützung zu. Als Politiker müsse man in solchen Situationen „allen Einfluss geltend machen, um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern“.

In Krefeld kommt es bereits heute – voraussichtlich bereits ab 13 Uhr –  zu spontanen Arbeitsniederlegungen. Wie die WAZ soeben erfuhr, wollen 500 Mitarbeiter dort am Stammsitz sofort die Arbeit niederlegen. „Dies geschieht im Zusammenhang mit dem Besuch von  NRW-Arbeitsminister und Gewerkschafter Guntram Schneider um 14 Uhr im Werk“, so IG Metall-Sprecher Marc Schlette.

Streik in Bochum am Freitag

Am Standort Bochum wurde am Montag zunächst normal weiter gearbeitet. „Es ist einfach nicht möglich, in einem solchen Werk spontan den Schalter umzulegen. Das könnte Schäden an den Aggregaten verursachen“, so Kleinebrahm am Vormittag. Am Nachmittag kündigte die Gewerkschaft dann eine Großdemonstration am Freitag, ab 11 Uhr, an. Treffpunkt für Streikende ist um 10 Uhr das Tor Süd an der Essener Straße. Um 11.55 Uhr, auf dem Husemannplatz in der Bochumer Innenstadt an.

Werk von Schließung bedroht

 

Die Gewerkschaft befürchtet , dass die Standorte der Schmelzstufen (Stahlwerke) in Bochum und Krefeld massiv gefährdet sind. Bereits beschlossen war bekanntlich, den Standort Benrath zu schließen. Am Montagnachmittag will die Bochumer IG-Metall-Spitze Einzelheiten mitteilen, wie sie auf diese Nachricht reagieren möchte. „Sie können aber davon ausgehen, dass  in dieser Woche noch Einiges passieren wird“, so Kleinebrahm energisch.

Industriestandort bedroht

Für den Industriestandort Bochum würde eine Schließung des Stahlwerks massive Konsequenzen bedeuten. Das Edelstahlwerk, das, wie Thyssen-Krupp stets beteuerte, ein sicherer Standort sei, hat eine Kapazität von bis zu 800 000 Tonnen im Jahr. Monat für Monat werden dort bis zu 65 000 Tonnen Edelstahl hergestellt. Dies ist vor allem für das benachbarte Warm- und Kalt-Walzwerk ein wichtiger Faktor. Rund ein Drittel der gesammten Walzwerkskapazität wird vom Edelstahlwerk beschickt.

Insider befürchten bereits jetzt einen Dominoeffekt.  Thyssen-Krupp ist mit insgesamt über 4000 Beschäftigten in Bochum nach Opel der größte Industrie-Arbeitgeber der Stadt. Wie wichtig und ernst dessen Zukunft die politisch Handelnden nehmen, das zeigte sich bereits, als im Frühjahr letzten Jahres die Verkaufsabsichten des Essener Mutterkonzerns erstmals bekannt wurden.

Proteste schon lange angekündigt

An der außerordentlichen und  – wie Teilnehmer berichteten –  höchst aufgeladenen Belegschaftsversammlung vom 25. Mai vergangenen Jahren sagten Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und der Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer (SPD) ganz spontan ihre Teilnahme zu. Die IG Metall kündigte bereits  massive Protestaktionen an, falls sich die Pläne weiter konkretisieren sollten. Die Belegschaften seien bereit, um ihre Arbeitsplatze zu kämpfen. Sie erinnert auch daran, dass im Mai 2011 die Vereinbarungen „Zukunft und Beschäftigung“ sowie „Stainless Plus“ abgeschlossen worden sei. Dort haben die Partner unter anderem geregelt, dass Kündigungen ausgeschlossen sind und die deutschen Standorte mit Zukunftsinvestitionen gesichert werden.

Für die langfristige Zukunftssicherung der Walzwerke wird die Schmelzstufe als besonders wichtig angesehen, weil Qualität und Profitabilität nur gesichert werden können, wenn die Produktion über alle Stufen der Prozesse:  Schmelzen, Warmwalzen, Kaltwalzen  möglichst integriert ist. Daher wäre die alte Stahlstadt Bochum in ganz besondere Weise betroffen.

Zur Stunde informiert die Gewerkschaftspitze im Stahlwerk die Vertrauensleute und berät die weiteren Schritte.

 

Michael Weeke

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Kommentare
27.01.2012
14:13
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von torrero | #24

Solidarität für alle Kruppianer und ein Appell an alle finnischen Stahl-Manager: Setzt Euch in Eure Luxus-Yacht und geht in den Fjorden angeln, dann macht Ihr wenigstens nix kaputt... Bochum braucht kein zweites finnisches Dilemma !!!

24.01.2012
13:52
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von Pit01 | #23

Man versenkt Milliarden in Brasilien und USA, weil man ein "Global-Player" sein will. Hier in Deutschland wird und wurde das Geld durch die Stahlkocher verdient, welches dort auf den Kopf gehauen wird. Ob dabei hier die Arbeitsplätze verloren gehen, scheint den ach so klugen Managern wohl egal zu sein. Ich fürchte, dass es bei dem jetzt angepeilten Verkauf, zu massiven Stellenabbau bzw. Werks-Schliessungen kommen wird. Das haben die deutschen Stahlkocher nicht verdient.

24.01.2012
13:25
Logik der SPD
von cwkl | #22

"[...] „Von Betriebsschließungen oder gar Entlassungen war nicht die Rede. Jetzt geht es darum, das Gesicht zu zeigen und den Kollegen zur Seite zu stehen“, entrüstete sich der Bochumer SPD- Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer. [...]
Als Politiker müsse man in solchen Situationen „allen Einfluss geltend machen, um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern“. [...]
In Krefeld kommt es bereits heute – voraussichtlich bereits ab 13 Uhr – zu spontanen Arbeitsniederlegungen.[...]"

1) Wer ist Axel Schäfer?
2) Hat er - wie er es von sich behauptet - einen Einfluss? Gar beim Verkauf?
3) Es liegen keine Planungen von Betriebsschließungen oder Entlassungen vor, trotzdem lassen Arbeiter ihre Arbeit ruhen. Hm, was macht das für einen Eindruck auf potentielle neue Arbeitgeber? Ist das hier so üblich, dass vor/nach jeder Vorstandssitzung das Proletariat seine Arbeit ruhen lässt?
Der Rumäne macht das nicht.

Es ist immer blöd, wenn die Globalisierung und die damit einhergehende Rationalisierung einen selber trifft. Aber solange hier keiner seine Kinder zum Müllsammeln auf die Deponie schicken muss, ist das Abendland noch nicht untergegangen. Das ist nur in der 3. Welt üblich und überlebenswichtig. Also weit genug weg. Viel weiter als Rumänien.

24.01.2012
11:54
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von karlosdallos | #21

Firmenschliessungen und "Bad News" kommen immer nach Weihnachten.

Das Handelsblatt ist voll davon.

24.01.2012
09:03
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von MalNachgedacht | #20

@17: Welch Amusement am frühen Morgen. Da schafft es Deutschland eine ganze Währungszone mit seinen niedrigen Löhnen kaputt zu exportieren, bis keiner mehr vor Schulden ein und aus weiß, und Sie kommen mit zu hohen Löhnen um die Ecke.

Hier geht es einzig und alleine um Shareholder Value und die Dummheit eines Konzerns, sich in einem Schwellenland zu verzocken. August Thyssen würde sich im Grabe umdrehen.

24.01.2012
08:30
von PaulKersey | #17
von DerRheinberger | #19

Man sollte Ihnen mit 55 ihr ganzes Geld wegnehmen und Sie dann verpflichtend bis 67 an einen Hochofen stellen. Zu dem Geld, welches Sie den Arbeitnehmern in der Stahlindustrie zugestehen. Ob Sie sich dann nochmal so herablassend über die Stahlarbeiter äussern?

24.01.2012
04:09
@PaulKersey
von d0m0 | #18

Erklären sie mir doch bitte, wieso ihrer Meinung nach in der Stahlbranche zu hohe Löhne gezahlt werden?

Welchen Stundenlohn hat denn ein Kranführer oder Steuermann?

24.01.2012
00:28
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von PaulKersey | #17

Wieso die Panik?

Hier soll doch nur ein Unternehmensteil an einen Mitbewerber auf dem Markt verkauft werden. Das geschied hundertfach jeden Tag auf dem Markt und keiner schreit da rum.
Wieso eigentlich immer bei der Stahlbranche?
Oder bestejht da ein Grund? Vielleicht weil sich jetzt rächt, dass hier seit Jahrzehnten zu hohe Löhne gezahlt wurden und mit 55 Jahren das süße Leben genossen wurde?

Bitte das Reinigende in der Wirtschaft ertragen!!

23.01.2012
21:01
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von Geldenking | #16

Es ist nicht nur Bochum betroffen.In Krefeld sind auch 500 Arbeitsplätze in Gefahr.Ich arbeite seit 26 Jahren im Werk Krefeld.
1. Plötzlich stellt sich unser Betriebsrat hin und schiebt den schwarzen Peter dem Vorstand des Thyssen-Krupp Vorstand zu. Meines Wissens sind aber auch 5 Betriebsratsmitglieder im Aufsichtsrat und trägt zum Teil die Politik mit. Desweiteren gibt es interne Steitigkeiten unter BR Mitgliedern, weil der Vorsitzende einen Famielienbetrieb aus dem BR machen will. Wenn sich unsere Vertreter schon nicht grün sind, wie sollen sie denn uns richtig vertreten. Zudem sind schon viele BR-Mitglieder zu lange in der Interessenvertretung.Mit der Zeit stumpft der Widerstand ab und die IGM schaut zu.Ich könnte noch weitere Dinge aufzählen, die bei uns im Werk nicht richtiglaufen, daß würde aber den Artikel sprengen. Ich stehe für neuen Elan in der Interessenvertretung und eine Persönlichkeits statt Listenwahl.In diesem Sinne
Glück auf

1 Antwort
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von Cain | #16-1

Das mit dem Betriebsrat nicht alles in Ordnung ist dem kann ich nur beipflichten,den die Herrn haben doch dem Treiben der Konzernspitze Jahrelang zu gesehen.

Den wie kann es sein das nie was gesagt wurde von Seitens des Betriebsrates als Mann die ganzen Euros,in Alabama und in Brasilen Versenkt hat.

Aber noch ein Wort zu dem Herrn Hiesinger der sich hier als ober Manager Präsentiert und den Konzern zu einem Technologie und Zukunft Orientierten Unternehmen Umbauen möchte.

Da Fragt man sich doch ist der Mann dumm?
Schau mal da!
Bau Mann ein Kraftwerk auf dem Gelände da mache ich meinen Strom selber Grün ist doch klar den kann ich dann noch Verkaufen und Euros Schaufeln,Und ich kann umsonst meinen Stahl Produzieren kann dann wieder Euros Verdienen.

Da Gust du Hiesinger so verdient man Euros Sauberer Strom sauberer Stahl, Gust du baust du Kindergarten mehr Frauen in Arbeit,freude SPD dann Beteiligst du dich an den Bau von Elektroautos mit sauberem Strom von Nirosta mit Stahl von Nirosta und die Euros Fliesen.

Dann machst du Sonnen Energie Ganze Dächer von ThyssenKrupp Nirosta da kannst du wieder Strom machen Geld verdienen,

DER MANN KÖNNTE SICH DUM UND DÄMLICH VERDIENEN
Und das alles mit den Leuten von TKN geil oder

Wie heißt der Mann Herr Hiesinger kommt von Siemens nie Gehört ist ein Manager! Manager ist doch ein Beruf wo man keine Lehre für braucht oder?

Ich glaube Schlosser Elektriker Hüttenmann muss Mann einen Gesellenbrief haben aber Manager ????????????????

Gruß

Bis die Tage


23.01.2012
20:39
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von d0m0 | #15

Ich kann mir echt nicht vorstellen das ThyssenKrupp das Bochumer Werk einfach so zum Abschuss frei gibt.
ThyssenKrupp verdient nicht durch den verkauf von Edelstahl Flachprodukten (Coils), sondern durch Lohnwalzungen der Warmbreitbandstraße. Nirosta bzw. Inoxum ist Kunde von ThyssenKrupp Steel und liefert das Vormaterial (Brammen).

Trotz der schlechten Lage (Transportweg über Schiene ist teurer als über Wasser) konnte das Bochumer Werk mit den beiden Duisburger Breitbandstraßen mehr als mithalten.
Die Schließung des Standortes würde negative Auswirkungen auf die Jahresbilanz haben und das möchte ThyssenKrupp mit Sicherheit nicht.

Zu Rheinhausen: In Rheinhausen wurden schon lange keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben. Krupp war zu diesem Zeitpunkt tief in den roten Zahlen. Die Produktion von Massen-Stahl war/ist in Deutschland einfach nicht mehr profitabel. Es fehlte halt Geld um zu Modernisieren.
Die Zukunft gehörte dem Warmband, was Thyssen schon früh erkannt hat.

Zu Betriebsbedingte Kündigungen: Ob Krupp oder Krupp-Hoesch...nach Werksschließungen wurde noch niemand auf die Straße gesetzt. Die Leute wurden auf die anderen Werke aufgeteilt oder sind altersbedingt durch Sozialpläne ausgeschieden.

Zu Bündnis 90/Die Grünen: Alles Umweltverschmutzende und das ist eben die Herstellung von Stahl, ist denen ein Dorn im Auge. Diese Partei träumt von einem Deutschland, das frei von jeglicher Stahl-Industrie ist. Aber das dafür Stahl an einem anderem Standort, ohne die harten deutschen Umweltauflagen produziert wird, soweit denken die nicht. Diese Partei sollte verboten werden.

1 Antwort
IG Metall kündigt Großdemo gegen Schließung von Thyssen-Krupp Nirosta in Bochum an
von Hausmeister1 | #15-1

Zu Rheinhausen: Krupp hat tief schwarze Zahlen geschrieben!

Hier wurde eine Hütte dicht gemacht weil sie nicht noch mehr Gewinne erwirtschaftete als die Herren es haben wollten!

Die Gier ist halt heuet noch GRÖßEr als der Magen!

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