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"Ich werde warm mit der Stadt"

25.11.2007 | 17:54 Uhr

Zur Kulturhauptstadt 2010 geht der Dezernent von einem Bochumer Höhepunkt aus.Zum Thema Konzerthaus: Es wäre desaströs, wenn es nicht bis 2010 gebaut ist

Die ersten Theatervorstellungen und Vernissagen hat er besucht, in Kulturinstituten vorbeigeschaut. Der neue Kulturdezernent Michael Townsend ist seit dem 1. November dabei, die hiesige Szene für sich zu erschließen - ein weites Feld. Trotzdem fand er die Zeit, in der Bochumer WAZ-Redaktion vorbeizuschauen. In lockerer Runde stellte sich Michael Townsend den Fragen der Redakteure zu seinem beruflichen Einstieg ins Bochumer Kulturleben und darüberhinaus.

Wie es es Ihnen bisher in Bochum ergangen?

Townsend: Seit drei Wochen lerne ich die Stadt immer besser kennen. Ich werde warm mit der Stadt und trainiere mein Namensgedächtnis. Ich habe noch nicht mit allen Institutionen gesprochen, doch durch den bevorstehenden Sitzungsmarathon (sprich: Etatberatungen) werde ich schon bald alle kennengelernt haben. Insgesamt gesehen bin ich bisher sehr offen aufgenommen worden.

Wie sieht es mit den Vorbereitungen zur Kulturhauptstadt 2010 aus? Wie soll gewährleistet werden, dass Bochum darin adäquat vorkommt?

Townsend: Ich habe kürzlich mit den Geschäftsführern Oliver Scheytt und Fritz Pleitgen gesprochen. Die Gesprächsebene war sehr konstruktiv und kooperativ. Aus Essen (der Kulturhauptstadt-Zentrale) werden wir kein Geld erwarten können. In Bochum sind 180 Vorschläge eingereicht worden. Die werden wir jetzt sortieren und Schwerpunkte setzen. Ich hoffe, dass wir das noch vor Weihnachten schaffen. Bisher stehen 50 000 Euro pro Jahr im Etat für die speziell von Bochum verantworteten Projekte zur Verfügung, Das kann so wenig nicht bleiben, wenn sich Bochum nicht von einer deutlichen Präsenz bei der Kulturhauptstadt verabschieden will. Bochum wird sich da sicherlich auch mit einem eigenen Highlight positionieren. Wir müssen die Stadt in dieser Hinsicht kulturell elektrisieren.

Thema Konzerthaus. Glauben Sie, dass die noch fehlenden über sieben Millionen Euro bis Jahresbeginn gesammelt sein werden?

Townsend: Ich kann zur Finanzierung noch nichts sagen, dafür kenne ich die Details zu wenig. Es wäre jedenfalls desaströs, wenn das Konzerthaus zum Kulturhauptstadtjahr nicht gebaut ist. Im Siegen ist ein Theater mit hohem bürgerschaftlichem Engagement gebaut worden. Bei einer sehr viel kleineren Einwohnerzahl. Beim kulturellen 'Standing' in Bochum sollte es möglich sein, das fehlende Geld zusammen zu bringen. Wenn notwendig, würde ich mit dem Hut rumgehen.

Im Dezember wird in Bochum die Synagoge eröffnet. Welche Auswirkungen wird das auf das kulturelle Leben haben?

Townsend: Die Synagoge ist eine große Bereicherung für die Stadt, deren besondere Bedeutung natürlich in unserer Geschichte liegt. Ich bin sehr froh über die Eröffnung, ein wichtiges Signal.

Wie stehen Sie zur beabsichtigten Veränderungen am Ostring-Gymnasium?

Townsend: Nach dem Stand der Dinge, die ich hier vorgefunden habe, geht es nicht um eine Schulschließung. Zwei Schulen werden zusammengeführt unter Beibehaltung des jeweiligen Profils. Jeder, der mit Latein anfangen will, kann mit Latein anfangen. Wir dürfen den demographischen Faktor nicht übersehen, nach dem wir unheimliche Rückgänge bei den Schülerzahlen haben werden. Mit dem Schulentwicklungsplan steht eine fundierte Aussage im Raum, das ist alles nicht aus der Luft gegriffen, Bei allem Verständnis für die Emotionen, die Gebäudeschließungen mit sich bringen. Wie wäre die Entwicklung im Stadtgebiet, wenn man nichts verändern würde? Schließlich würden alle Schulen darunter leiden.

Was sagen Sie zu den Auseinandersetzungen zwischen dem Friedensplenum und Bundestagspräsident Lammert bzw. Jürgen Flimm im Schauspielhaus?

Townsend: Ich fand, dass sich das Schauspielhaus exzellent verhalten hat, weil es das zugelassen hatte. Das hat gute Tradition, auch unter Steckel. Meiner Meinung nach hat das Friedensplenum - bei allem Verständnis für ihr Anliegen - die Veranstaltung zu stark dominiert. Norbert Lammert als der Hauptattackierte hat seine Position transparent dargelegt. Allerdings kam es nur zu einem Austausch von Positionen, die ohnehin jeder kannte. Ich selbst habe früher auch bei Friedensdemonstrationen mitgemacht, allerdings nie an gewalttätigen. -etz

Foto: WAZ, Horst Müller

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Kommentare
26.11.2007
13:23
Ich werde warm mit der Stadt
von erdlinde | #1

Na das ist ein schöner Anfang: nie hat der Neue an gewalttätigen Friedensdemonstrationen teilgenommen.
Wo bitte gab es wann welche gewalttätigen Friedensdemos?
Oder sind die gewaltigen Demos a la Ostermärsche in den 60igern gemeint?
Gespannt auf eine Antwort wartet erdlinde

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