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„Ich bin ja auch ein Pirat“

13.08.2012 | 18:57 Uhr
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„Ich bin ja auch ein Pirat“
Arne Nobel beim Action-Theater in Grevesmühlen an der Ostsee. Foto: Promo.

Bochum.Bei einem Treffen spricht Rottstr5-Theatergründer Arne Nobel über seinen Burn-Out, die Arbeit als Pirat, sein altes Theater und sein Comeback in Bochum.

Er sieht fast noch wüster aus als zu seiner Bochumer Zeit. Wilder Vollbart, mittellange strähnige Haare, das schwarze Hemd weit offen. Der Unterschied beim Treffen am Mittag: ein kleiner Espresso statt eines großen Weizenbiers. Arne Nobel ist zurück, es ist ein neuer Nobel. Doch mit altem Elan.

2005 hatte er sich verliebt. In die Stadt Bochum. „Wo ist denn hier das Rathaus?“ hatte er gefragt. Ein Bochumer geantwortet: „Jung’, ich bring’ dich hin“. Dann das Schauspielhaus. Noch mehr Liebe. Doch trotz des überragenden Erfolges des von Intendant Elmar Goerden als „Zwischenproduktion“ abgetanen Johnny-Cash-Liederabends, den Nobel trotz „absurder Probenbedingungen“ auf die Bühne brachte: keine Gegenliebe.

Theatergründung an der Rottstraße

Deshalb gründete er mit Mitstreitern das eigene Rottstr5-Theater. „Ich bin Künstler, ich will Kunst machen; ich will arbeiten, nicht arbeitslos sein“. Aus dem Proberaum, der Experimentierbühne wurde ein reguläres Theater. Und das Publikum liebte es. Liebte die Nähe zu den Schauspielern, die Reibungsenergie, die Hitze. Aus dem Experiment wurde Institution. „Ich war nur noch 20 Prozent Künstler. Ich hatte das Kartenhandy, hab die Kasse gemacht, hab mit der Presse geredet.“ Dazu der wirtschaftliche Druck. Keine Förderung, Haushaltssperre. Folge Existenzangst. Vor ziemlich genau einem Jahr dann, im Sommer, nach der erfolgreichen Premiere von „Zoo Story“, der Nervenzusammenbruch, Burn-Out. „Ich hatte noch 20 €, das war’s“.

Kein Theaterdonner

Es folgte die Trennung. Keine schmutzige, kein Theaterdonner. Arne Nobel erzählt von einem guten Arzt, der ihm danach half: Er landet im Weserbergland in einer Klinik. Zusammen mit Managern, Millionären und Afghanistan-Veteranen. „Damals wollte ich nur noch als Kellner in einem Café arbeiten - bloß keine Verantwortung mehr“. Doch der Künstler in Nobel blieb lebendig. Wie eine Legend klingt, dass der Klinikchef ihn auf der Bühne erlebt haben soll, als er seine Tochter in Bochum besucht habe. „Den müssen wir wieder hinkriegen, der ist genial“, soll es in der Klinik geheißen haben. Es hat geklappt. Zum Abschied spielte Nobel nach sechs Wochen seinen Monolog Troja III. „Ich weiß jetzt wie viel Odysseus in mir steckt“.

In München zur Ostsee engagiert

Wie das Leben so spielt, bekam er in München ein Angebot, einen Piraten an der Ostsee zu spielen. Als der Regisseur seine Stimme am Telefon hört, ist er fast engagiert, als er ihn sieht, fällt das Vorsprechen aus. Seither tobt er als Ben Gun vor bis zu 1600 Zuschauern über eine neun Hektar große Bühne, freut sich, dass Feuerschutz kein Thema ist und über das „ursprüngliche Theater“ hier in Grevensmühlen bei Wismar. „Ich bin ja auch ein Pirat!“. Mit Martin Semmelrogge spielt dort jemand, der etwas von Höhen und Tiefen versteht. Nobel versteht sich allerdings besser mit dessen auch spielenden Kindern Dustin (32) und Joanna (23).

Über den Erfolg des Rottstr5-Theater freut er sich. „Toll, das das weiterläuft. Und ein echter Skandal, dass die kürzlich die Landesförderung nicht bekommen haben.“ Klar sagt er auch, dass das heutige Programm mit ihm nicht gegangen wäre. Doch das Thema sei abgeschlossen.

Projekt zum 11. September

Schon vor seinem Engagement als Pirat habe er vom Kuratorium der Christuskirche das Angebot bekommen, künstlerischer Leiter eines Projekts zum 11. September zu werden. Die Besetzung des einwöchigem Theater-, Kunst- und Musikfestivals steht noch nicht fest. Dabei sind viele Bochumer Kulturschaffende. Und wer gestaltet das Plakat? Eine weitere tolle Geschichte: Theater-Regisseur Jürgen Kruse.

Arne Nobel ist wieder angekommen in Bochum. Hoffentlich bleibt er für länger.

Info:

In der Christuskirche mit dabei sein sollen unter anderen der Maler Stefan Geisler, die Künstlerin Monika Ortmann, die Schauspieler Thomas Anzenhofer, Dagny Dewath und Andreas Bittl sowie die Fotografin Birgit Hupfeld. Nobel wird einen Text zur Uraufführung bringen.

Zum Programm gehört auch ein Konzert mit dem Titel „Songs of Love and War“ am 15. September.

Tom Thelen

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