HSG-Studentin ist auf dem Weg in ihren Traumberuf

Was wir bereits wissen
Die Zielgerade ist erreicht: Marie Christine Müller, die die WAZ seit 2012 begleitet, steht an der Hochschule für Gesundheit vor dem Staatsexamen.

Bochum..  „Es ist noch immer mein Traumberuf, auch wenn sich die Sichtweise auf die Physiotherapie deutlich verändert hat“, sagt Marie Christine Müller. Seit zweieinhalb Jahren studiert sie an der Hochschule für Gesundheit (HSG). Zwei Meilensteine prägen die kommenden Wochen und Monate: das Staatsexamen und der Umzug in den Hochschul-Neubau in Querenburg.

Seit 2012 berichtet die WAZ über die aus Göttingen stammende angehende Physiotherapeutin. Ihr Studium dokumentiert, wie profund, wissenschaftlich anspruchsvoll und praxisnah sich die akademische Ausbildung der Gesundheitsberufe an der HSG darstellt.

Erste Einblicke ins Berufsleben hatte Marie Christine Müller zum Studienstart in einer Physiotherapie-Praxis und im Marien-Hospital Wattenscheid erhalten. Es folgte u.a. ein Praktikum auf einer Station für Schlaganfallpatienten in der Uni-Klinik Essen. Im Rahmen einer Projektarbeit erstellte sie im vergangenen Semester eine Studie über den Nutzen von Barfußschuhen: praktisches und theoretisches Wissen, das der 22-Jährigen jetzt, im sechsten Semester, bei den Vorbereitungen auf das Staatsexamen zugute kommt.

Das hat es in sich. Jeweils zwei mündliche, schriftliche und praktische Prüfungen gilt es zu bestehen. Die beiden Alltags-Tests sind bereits absolviert. Im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel hatte Marie Christine Müller u.a. die Aufgabe, einen 66-jährigen Patienten mit frisch implantiertem künstlichem Kniegelenk binnen einer Stunde nicht nur zu begutachten, sondern einen kompletten Behandlungsplan zu entwerfen. „Der Zeitdruck ist groß. Aber die 60 Minuten entsprechen durchaus der beruflichen Realität“, weiß die wissenschaftliche Mitarbeiterin Marietta Handgraaf und verrät: „Marie Christine hat’s prima gemacht.“

Studentin gibt HSG und Campus ein Gesicht

Bis zum Semesterende im Juli laufen die weiteren Prüfungen. Mit dem Staatsexamen hat Marie Christine Müller dann die Berufsbefähigung zur Physiotherapeutin in der Tasche. Der Bachelor-Abschluss kommt im Wintersemester als Doppel-Qualifikation hinzu. Das beginnt im September in Querenburg, wenn die HSG – mit einem Jahr Verspätung – das Provisorium an der Universitätsstraße verlässt und mit 800 Studierenden den Lehrbetrieb im Neubau auf dem Gesundheitscampus aufnimmt. „Wir alle freuen uns sehr darauf“, sagt Marie Christine Müller. Wesentlicher Vorteil: „Es gibt mehr Platz. Die Zeiten, dass wir wegen der Raumnot noch spät abends oder samstags zur Uni müssen, sind dann zum Glück vorbei.“

Ach ja: Wie war das mit der veränderten Sichtweise nach zweieinhalb Jahren? Die HSG-Studentin muss nicht lange nachdenken. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sei die Physiotherapie in Deutschland sehr an den Arzt gebunden. Er weist an, die Therapeuten führen aus. „Da wünschen wir uns mehr Eigenständigkeit.“ Auch die Bezahlung bleibe hinter dem europäischen Standard zurück.

Ein Traumberuf ist es für Marie Christine Müller dennoch. Ihre Patienten in spe können gewiss sein: Diese Frau versteht ihr Handwerk.