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Hommage an einen stillen Begleiter

27.12.2012 | 18:40 Uhr
Hommage an einen stillen Begleiter
Der Eiermann Stuhl passt in die Gesamtkonzeption Ruhr-Universität Bochum. Hier ein Bild aus dem Foto-Projekt von David H. GehneFoto: David H. Gehne

Bochum.In der Goldkante ist eine Fotoausstellung über den Stuhlklassiker SE 68 zu sehen

Jeder, der die Bochumer Alma Mater besucht hat, verbrachte unzählige Stunden mit ihm. Unzählige Studierende der Ruhr-Universität rutschen nervös auf ihm, schlummerten selig oder hockten konzentriert auf dem Eiermann SE 68. Jenem Design-Möbel, das ausgewählt wurde, als es galt die Uni zu bestuhlen. Nun wird der Klassiker langsam ausgetauscht. Der Sozialwissenschaftler Dr. David H. Gehne hat sich auf Fotosafari durch die Akademie begeben und setzt nun dem Stuhl mit einer Ausstellung ein Denkmal.

In der Goldkante (Alte Hattinger Straße) sind die Abzüge ausgestellt. Gehne hat den Stuhl quasi in seiner natürlichen Umgebung angetroffen und abgelichtet. So bemerkt der Betrachter schnell, dass dieser Stuhl ganz ausgezeichnet zur besonderen Architektur der Universität passt.

Einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne

Geschaffen hat den Stuhl der Architekt und Designer Egon Eiermann, einer der bekanntesten Vertreter der Nachkriegsmoderne. Seine wichtigste Arbeiten als Architekt waren das Ruhrkohlehaus in Essen, die Überarbeitung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin in den 50ern, das Abgeordnetenhochhaus in Bonn, „Langer Eugen“, und die Deutsche Botschaft in Washington. Ferner war er Vorsitzender der Jury zum Bau des Olympiaparks 1972 in München. Eiermanns Architektur und seine Arbeiten als Möbeldesigner zeichnen sich durch Einfachheit, strenge Geometrie, unmittelbare Erkennbarkeit der Funktion aus.

Im Jahr 1950 entwarf der 1904 geborene Eiermann den Stahlrohrstuhl SE 68, der zu einem Klassiker wurde, der noch heute vertrieben wird. Mitte der Sechziger schaffte es dieses Sitzgerät dann auch massenweise in die frisch erbaute Ruhr-Universität.

Gehne beobachtet schon lange das langsame Verschinden des eleganten Möbels. Er findet, dass die Nachfolger eher „mediokre“ Natur sind. „Die aussortierten Stühle sind eigentlich noch in Ordnung, man könnte sie leicht reparieren“, kritisiert er das Vorgehen der Verwaltung. Er übt nicht nur praktische Kritik, sondern äußert auch Unbehagen davor, dass die ausgezeichnete Gesamtarchitektur der Universität durch die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen verloren gehen könnten. Seine Arbeit ist vielleicht ein erster Schritt, den Geist, den das formale und ästhetische Grundkonzept der Ruhr-Universität atmet, wenigstens zu dokumentieren. „Die Universität ist voll von spannenden Räumen“, findet Gehne.

Faszination und Schönheit der Funktionalität

Einige davon hat er auf seinen Fotografien eingefangen. Die Faszination mag sich nicht bei jedem Betrachter unmittelbar einstellen, doch wer einen Blick für die Schönheit von Funktionalität hat, der kann auf Gehnes Bilder viel entdecken. Die Räumlichkeiten der kleinen Bar Goldkante schmücken die Bilder hervorragend.

Was mit den alten Stühlen an der Ruhr-Universität geschieht, das weiß bisher niemand so genau. Man sollte es beobachten.

Info:

Die Ausstellung „Der Stuhl - Hommage an einen stillen Begleiter“ ist dienstags bis samstags ab 18 Uhr in der Goldkante, Alte Hattinger Straße 22, zu sehen. Bis Ende Januar.

In der Goldkante findet am Freitag, 29. 12., um 22 Uhr eine After-Show-Party zum „Carol-King-Abend“ im Schauspielhaus statt. Michael Sideris wird dabei Platten auflegen.



Kommentare
27.12.2012
21:42
Hommage an einen stillen Begleiter
von Baumliebhaber | #1

Recht hat er, was damals schon nicht schön war aber beeindruckend wird heute auch nicht schöner gemacht von dilettantischen Architekten und Planern, Ein aus grauen Blechen verkleidete Gebäude. Wie fortschrittlich. Und für sowas gibt NRW Geld aus.

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