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Hoher Bedarf an Beratung

21.08.2008 | 19:15 Uhr

Medizinische Flüchtlingshilfe legt Jahresbericht vor:Therapeutische Hilfe bei erlittenem Trauma

Eine deutliche Zunahme der Beratungskontakte verzeichnete die Medizinische Flüchtlingshilfe im vergangenen Jahr. Insgesamt 361 Personen, 211 Frauen und 150 Männer, suchten medizinische (90), psychosoziale (243) oder psychotherapeutische (28) Hilfe. "Da immer mehr Flüchtlinge über eine lange Zeit unter zum Teil unklarer rechtlichen Situation in Deutschland leben, steigt der Beratungsbedarf deutlich", so Kirsten Ben Haddou von der Medizinischen Flüchtlingshilfe.

Da gehe es um Fragen des Status oder auch der beruflichen Zukunft. "Viele Leute hängen einfach in der Luft", so Ben Haddou. Umso wichtiger sei es, dass durch die enge Verzahnung von medizinischer und psychosozialer Beratung viele Informationen flössen, was eine adäquate Hilfe natürlich erleichtere.

Während die Kontakte zunehmen, geht beim Flüchtlingssozialdienst die Zahl der Klienten zurück, was auch etwas mit der strenger gewordenen Asylgesetzgebung zu tun habe. Immerhin wurden insgesamt noch 243 Personen beraten. Einen immer größeren Raum nimmt die psychotherapeutische Betreuung von traumatisierten Männern oder Frauen ein. Zu den Gründen dazu heißt es im Jahresbericht: "Sie haben häufig Gewalt im Herkunftsland oder auf der Flucht erlebt. Dazu gehören Kriegserfahrungen, Gefängnisaufenthalte, sexualisierte Gewalt, Folter, das Mitansehen wie andere (geliebte) Menschen verletzt, vergewaltigt oder getötet wurden."

Bei einer Ausstellung kunsttherapeutischer Arbeiten von Flüchtlingen anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Medizinischen Flüchtlingshilfe zeigte sich an den Themen, wie die Menschen diese schrecklichen Erlebnisse etwa in Bildern verarbeiten.

Als ein wichtiger Aspekt der Arbeit der Bochumer Hilfsorganisation stellt sich auch die internationale Vernetzung dar. "Wir verstehen uns natürlich auch als eine Organisation mit gezielter politischer Meinung", so Ben Haddou. Dazu gehört etwa die Mitgliedschaft in der Kampagne "Gerechtigkeit heilt".

Rund 60 Organisationen weltweit arbeiten zusammen, tauschen Informationen über abgetauchte oder geflüchtete Verantwortliche von Menschenrechtsverletzungen aus. Es gehe darum, dass diese Leute Angst haben. Für Flüchtlinge sei es wichtig, dass der Verantwortliche bestraft werde.

Von Michael Weeke

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