Himmel oder Hölle
04.07.2007 | 03:01 Uhr 2007-07-04T03:01:34+0200Eine Gutachter-Kommission verschaffte sich an zwei Tagen einen Eindruck über die Förderwürdigkeit der Ruhr-Uni im Rahmen der "Exzellenz-Initiative" von Bund und Land. Die Entscheidung fällt im Oktober
Die Ruhr-Uni unter der Lupe: Am Montag und Dienstag besichtigte eine Gutachter-Gruppe des NRW-Wissenschaftsrates die Hochschule, um sich einen Eindruck über deren Förderwürdigkeit im Rahmen der so genannten "Exzellenzinitiative" zu verschaffen. Es geht um einen Anteil der Hochschule an den 1,9 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder ihr Elite-Projekt bis 2011 kosten lassen.
Die Leitung der Ruhr-Universität hatte aus dem lange vorbereiteten Gutachter-Termin ein kleines Staatsgeheimnis gemacht; offenbar sollte so vermieden werden, dass Kritiker aus dem Umfeld der "Freien Uni Bochum" die ambitionierten Hochschul-Absichten in ein ungüstiges Licht rücken. Gleichwohl kam es am Montagnachmittag zu einer Protestaktion; wie bo-alternativ.de berichtet, waren 40 Studierende auf den Balkon vor dem Saal im Veranstaltungszentrum gelangt, wo die Besuchergruppe mit der Uni-Leitung tagte. Parolen wie "Solidarität statt Konkurrenz. Zur Hölle mit der Exzellenz!" seien skandiert worden.
Polizei-Sprecherin Ingrid Laun-Keller spricht von "17 handgezählten Protestierenden". Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Die auf dem Campus eingesetzten "wenigen Beamten" hätten lediglich eine "sichernde Funktion" gehabt: "Die Polizei hat die Studenten kritisch begleitet", so Laun-Keller in Anspielung auf ein Flugblatt, mit dem die Protestler zuvor angekündigt hatten, die Gutachter-Begehung "kritisch begleiten" zu wollen.
Über die Eindrücke der Gutachter wurden wenig bekannt, was auch nicht anders zu erwarten war. Schließlich läuft das Bewerbungs-Procedere noch, werden auch andere Hochschule einem Check-up unterzogen. Erst im Oktober fällt die Entscheidung, welche Hochschule sich auf stattliche staatliche Fördergelder freuen kann und welche leer ausgehen wird (siehe auch Bericht auf der Seite Rhein/Ruhr). NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) ließ immerhin verlauten, die Ruhr-Uni habe sich "hervorragend präsentiert" und könne der "nachhaltigen Unterstützung durch die Landesregierung" sicher sein.
Mit einem Vollantrag hatte sich die Ruhr-Uni im März in der zweiten Runde der Exzellenz-Initiative für die Förderlinien "Exzellenz-Cluster Protein Networks" und "Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung" beworben In der Förderlinie "Graduiertenschulen" hatte die RUB bereits im ersten Exzellenz-Durchgang Erfolg: Die campusweite "Research School" hat ihre Arbeit aufgenommen. Sie wird mit 1,5 Mio. Euro jährlich gefördert und bietet künftigen Nachwuchswissenschaftlern eine "Promotion mit Mehrwert". Wissenschaftler fast aller Fakultäten arbeiten in der Research School zusammen und betreuen die Doktoranden über Fächergrenzen hinweg. Das soll zu einem breiteren Ausbildungsquerschnitt führen.
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