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Krebsbetroffene

Hilfe für die Familie, wenn die Mutter Krebs hat

27.12.2012 | 19:20 Uhr
Hilfe für die Familie, wenn die Mutter Krebs hat
Dagmar van de Loo (re) vom Projekt „Aktiv gegen Brustkrebs“ berichtet zusammen mit ihrer Patientin Andrea Deubel über ihre Erfahrungen mit dem Projekt.Foto: Thomas Goedde

Bochum.   Wenn Mütter wegen Brustkrebs sich Operation und Chemotherapien unterziehen müssen, beschäftigt die Krankheit natürlich die ganze Familie. Damit die Kinder gleichwohl in den gewohnten Alltag finden, schickt der Verein „Aktiv gegen Brustkrebs“ Hilfe in die Haushalte.

Andrea Deubel (46) erhielt im Mai dieses Jahres die Diagnose Brustkrebs und stand nach einer Operation im Augusta-Klinikum acht Chemotherapien durch. Wegen der Krankheit hatte Andrea Deubel Angst um ihre Kinder Annalena (11) und Fabian (14): „Ich wusste, dass es schwer sein würde mit einer kranken Mutter. Die Kinder würden alleine sein. Mein Mann muss ja Geld verdienen.“ Noch in der Klinik erfährt sie durch einen Flyer von einem Projekt des Vereins „Aktiv gegen Brustkrebs“ , das genau bei diesen Sorgen ansetzt.

Verein suchte in der WAZ nach engagierten Personen

Gut ein Jahr ist es her, dass der Verein, vertreten durch die Chefärztin der Frauenklinik im Augusta-Klinikum Dr. Gabriele Bonatz und die Psychoonkologin Esther Götzl, mit dem Aufruf „Mary Poppins für Mütter gesucht“ in der WAZ nach engagierten Personen suchte.

Diese sollten Familien unterstützen, in denen die Mutter Brustkrebs hat. Sie sollten vor allem darauf schauen, wie die Kinder damit zurecht kommen.

Die Sozialpädagogin Dagmar van de Loo (56) meldete sich damals und ist eine von vier Frauen, die das Projekt bis heute mit Leben erfüllen. „Bei verschiedenen Tätigkeiten habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder in solchen Situationen häufig nur so nebenher laufen. Darum fand ich den Ansatz des Projekts klasse“, begründet sie ihr Engagement.

Erster Ansprechpartner war die Mutter

Andrea Deubel nahm bald nach der Diagnose Kontakt zum Verein auf und Dagmar van de Loo besuchte sie danach im Krankenhaus. Später lernte sie deren Ehemann und Kinder kennen. „Erster Ansprechpartner ist die Mutter. Sie ist die Vermittlerin in der Familie“, beschreibt Van de Loo den Prozess. Ein großer Gewinn für Mutter und Kinder sei es von Anfang an gewesen, dass jemand da ist, der emotional nicht involviert ist, finden beide Frauen.

„Familie und Freunde können durch die ganze Trauer und Angst auch ‘runterziehen“, sagt Deubel. Verzwickte Situationen seien darum mit einer neutralen Person oft besser zu lösen, erläutert sie. Nach den Chemotherapien war die Mutter körperlich angegriffen und schwach. Wenn Annalena und Fabian an diesen Tagen aus der Schule kamen, sorgte Dagmar van de Loo dafür, dass ein gewisser Alltag aufrecht gehalten werden konnte mit Mittagessen und Hausaufgaben.

Ein neutraler Ansprechpartner für die Kinder

„Ich war einfach froh, dass mir alles abgenommen wurde“, sagt Deubel. Die Kinder beschäftige die Krankheit, schildert ihre Mutter. Während Fabian der Gedanke an den Tod große Angst bereite, versuche Annalena der Mutter zu helfen, suche ihre Nähe - und müsse öfter weinen. Es sei darum sinnvoll, dass Van de Loo bestimmte Dinge mit den Kindern neutral besprechen könne, berichten die beiden Frauen.

Sie könne ihnen zum Beispiel den Therapieverlauf sachlich erklären, etwa warum der Mutter an einem Tag elendig zumute ist und sie an einem anderen wie gesund erscheint.

„Allerdings ist es auch wichtig, die Familie wieder alleine zu lassen, wenn alles gut läuft“, sagt Van de Loo.

Komplett zurückziehen wird sie sich aber wohl noch nicht so bald. Ab Januar stehen sechs Wochen Bestrahlung auf dem Therapieplan von Andrea Deubel. Durch die Hilfe von Dagmar van de Loo wird sie sich auch in dieser Zeit um Annalena und Fabian weniger sorgen müssen.

Nadja Juskowiak



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