Herner schlug Bochumer Polizisten ins Wachkoma: Haftstrafe

Der Angeklagte (links) neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank des Bochumer Amtsgerichts.
Der Angeklagte (links) neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank des Bochumer Amtsgerichts.
Foto: B.Ki.
Was wir bereits wissen
Nach einem extrem folgenschweren Faustschlag ist ein 31-Jähriger zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sein Opfer, ein Polizist, liegt im Wachkoma.

Bochum/Herne.. „ Es gibt keine schlimmeren Folgen“, sagte die Richterin. Und auch die Staatsanwältin sprach vom „denkbar schlimmsten Fall“, den eine schwere Körperverletzung verursachen kann. Ein 31-jähriger Mann aus Herne hatte im September 2014 einen Polizisten (28) im Bochumer Bermuda-Dreieck mit der Faust so massiv ins Gesicht geschlagen, dass dieser seitdem im Wachkoma liegt und gelähmt ist. Dafür verhängte das Amtsgericht am Dienstag zweieinhalb Jahre Haft.

In der Nacht des 5. September hatte sich der Polizist privat im Bermuda-Dreieck aufgehalten. Er soll dort eine Versetzung gefeiert haben. Nach einer völlig nichtigen Streitsache vor einem Lokal an der Viktoriastraße erhob der Angeklagte, ein Kraftsportler, seine Hand und schlug auf den Polizisten, den er gar nicht kannte und der sich längst entfernen wollte, ein. Ohne jeden Abwehrreflex schlug der 28-Jährige mit dem Kopf auf den harten Gehweg. „Der Schlag muss von ungeheurer Wucht gewesen sein“, sagte die Richterin, denn die Hand des Täters schmerzte noch Wochen später. Das Opfer erlitt einen Schädelbasisbruch und massive Gehirnblutungen und verlor sofort das Bewusstsein. Bis heute befindet sich der Bochumer „im Zustand minimalsten Bewusstseins“, wie die Richterin sagte. Wesentliche Besserungen sollen nicht zu erwarten sein.

Nach der Tat flüchtete der Täter

Der Angeklagte war damals einfach wegelaufen, ohne sich ums Opfer zu kümmern. Nachher soll er von einem „Lucky Punch“ (ein Begriff aus der Box-Sprache) geredet haben. Erst einige Tage später, nach einer Foto-Fahndung, wurde der Familienvater in seiner Wohnung in Herne gefasst. Er ist nicht vorbestraft. Bis zur Tat hatte er im Supermarkt gejobbt. Seitdem ist er arbeitslos.

„Ich will mich aufrichtig bei der Familie entschuldigen“

Im Prozess gab er den Schlag zu, allerdings schwächte er seine Schuld ab, indem er auch das Opfer mitverantwortlich machte. Doch das sah das Gericht ganz anders: Der Schlag habe „keine Rechtfertigung“ gehabt.

Die Staatsanwältin forderte 3,5 Jahre Haft. Er habe auch „Sorgen und Leid über die Familie“ des Polizisten gebracht. Und sein Geständnis sei „zu einem prozesstaktischen Lippenbekenntnis“ verkümmert. Das aber bestritt der Verteidiger, der eine Bewährungsstrafe beantragte. Sein Mandant zeige sehr wohl Reue. Dieser selbst sagte im „letzten Wort“: „Ich will mich aufrichtig bei der Familie entschuldigen.“ Das Urteil ist nicht rechtskräftig.