Das aktuelle Wetter Bochum 22°C
Interview

Warum Herbert Grönemeyer sein Bochum immer noch innig liebt

14.08.2014 | 06:00 Uhr
Seine Karriere ist einzigartig: Herbert Grönemeyer gilt als erfolgreichster Künstler im deutschsprachigen Raum.Foto: Markus Jans

Bochum.   Herbert Grönemeyer spricht im Interview über seine Anfänge als Sänger, das Album „4630 Bochum“, das vor genau 30 Jahren erschien, und das erste große Konzert in der Zeche. Sein Lied „Bochum“ versteht der populäre Sänger als „Liebeserklärung an die Stadt und ihre Menschen“.

Vor 30 Jahren, am 14. August 1984, einem Dienstag, veröffentlichte Herbert Grönemeyer (58) sein Album „4630 Bochum“, das heute Kult-Status besitzt. Mit dem Lied „Bochum“ schenkte er seiner Heimat eine Hymne. WAZ-Redakteur Thomas Schmitt sprach anlässlich des runden Geburtstags mit dem populären Sänger.

„4630 Bochum“ als Name eines Albums dürfte 1984 wohl jedes Plattenlabel fassungslos gemacht haben. Wie kam es zu diesem Titel?

Herbert Grönemeyer: Ich war immer in erster Linie Sänger – in Bands in Bochum , am Theater. Und ich habe immer Englisch gesungen. Die erste Platte habe ich für ein Schreiber-Duo in Bochum aufgenommen. Ich weiß es noch wie heute: In einem Studio an der Königsallee haben sie mir ihre Texte hingestellt, dort habe ich das Album an einem Tag eingesungen. Ein Lied aber war von mir.

Welches?

Grönemeyer: Das war ein Lied von meiner Band Ocean Orchestra, einer zehnköpfigen Rockjazzformation mit Bläsern. Es hieß: Guten Morgen, Herr Bäcker, frische Brötchen, mein Mädchen wartet auf ihr Frühstück.

Hier, wo das Herz noch zählt, ist er aufgewachsen. Hier, tief im Westen, begann seine großartige Karriere. „Ich habe dieser Stadt so viel zu verdanken“, sagt Herbert Gönemeyer und bekundet diese Dankbarkeit im XXL-Format. Seit dieser Woche prangt an der Fassade des Parkhauses am Kurt-Schumacher-Platz ein Riesenplakat. „Ich komm aus Dir – Danke!“, heißt es samt Herberts jugendlichem Konterfei in Kreideschrift: ganz so wie auf der Langspielplatte „4630 Bochum“, die exakt heute vor 30 Jahren erschienen ist. Foto: Ingo Otto

Und wie ging’s weiter?

Grönemeyer: Mir wurde schnell klar, dass ich selber texten muss. Auf meiner zweiten Platte waren drei Texte von mir. Danach habe ich weitere Platten gemacht und gemerkt, dass ich nur über Dinge texten kann, die mir nahe liegen, die mir etwas bedeuten. Ich bin aber kein großer Geschichtenerzähler wie andere. Also habe ich überlegt: Worüber schreibst du, woher kommst du, was kannst du erzählen, was ist deine Mentalität? Bochum war das Ergebnis.

„Nach vier Alben hatte mir meine Plattenfirma in Stuttgart gekündigt. ,Aus Ihnen wird nichts’, hieß es“

Trotzdem, 4630 Bochum ist ein ungewöhnlicher Name für ein Album. Gab es keine Widerstände?

Grönemeyer: Na klar, logisch. Nach vier Alben hatte mir meine Plattenfirma in Stuttgart gekündigt. „Aus Ihnen wird nichts“, hieß es – obwohl die Platte ,Musik nur, wenn sie laut ist’, schon ein bisschen erfolgreich war. Trotzdem musste ich mir anhören: „Sie haben jetzt zwar ,Das Boot’ gedreht, aber ihre Platten will niemand, das hat keinen Sinn mit Ihnen“. Als ich dann zur EMI kam und sagte, meine nächste Platte heißt Bochum, haben die mich angeguckt, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. „Das kauft schon in Bottrop keiner“, hieß es.

WAZ-Themenwoche
Vor 30 Jahren kam Grönemeyers „4630“ in die Plattenläden

Zeitzeugen erinnern sich an die Zeit vor 30 Jahren, als Herbert Grönemeyers „4630 Bochum“ in die Plattenläden kam. Bei ALRO in der Bochumer City stand...

Die Single „Männer“ bewies das Gegenteil.

Grönemeyer: Ja, aber nicht sofort, zuerst wurde „Männer“ im Radio gar nicht gespielt. Viele Kritiker bemängelten: Der singt zu undeutlich, zu hoch, wir verstehen kein Wort.

Wie erklären Sie sich den Erfolg? Haben Sie mit Zeilen wie „Männer weinen heimlich“ oder „werden als Kind schon auf Mann geeicht“ einen Zeitgeist getroffen?

Grönemeyer: Man erklärt sich das überhaupt nicht. Man schreibt ein Lied, weil man eine Musik im Kopf hat und ein Thema und hofft dann, es passt zusammen und funktioniert. Ich habe die Nummer mal auf Holländisch gemacht. Dazu gab es eine wunderbare Kritik: „Das ist der größte Hit in Deutschland, wir verstehen überhaupt nix, das Lied ist völlig Banane, aber der Keyboarder ist gut.“

„Ich schreibe immer sehr konzentriert und hoffe, dass etwas dabei herauskommt“

Das bestätigt die These, schlechte Texte mit guter Musik funktionieren eher als gute Texte mit schlechter Musik.

Grönemeyer: Das würde ich so bestätigen, das ist mein Ansatz. Ich bin dadurch geprägt, dass ich in Bochum und Umgebung und im Sauerland früher viel in Bands gespielt habe. Wir sind in Jugendheimen und auf Feuerwehrfesten aufgetreten. Man schrieb in der Woche die Musik und am Wochenende musste man halt etwas darauf singen.

Heimspiel für Herbert Grönemeyer

Wie entstehen Ihre Texte?

Grönemeyer: Immer am Schreibtisch. Vermutlich so, wie Sie Artikel schreiben. Ich schreibe immer sehr konzentriert und hoffe, dass etwas dabei herauskommt.

WAZ-Themenwoche
Mit „4630 Bochum“ wurde Grönemeyer vor 30 Jahren ein Großer

Vor 30 Jahren begründete die Langspielplatte „4630 Bochum“ die Karriere von Herbert Grönemeyer. Anlass für die WAZ, in einer Themenwoche über die...

Als am 14. August 1984 „4630 Bochum“ erschien, erkannten trotz des großen Erfolges der Single „Männer“ nicht alle das Potenzial des Albums, oder?

Grönemeyer: Ja, ich erinnere mich an eine Tagestour mit einem Vertriebsmann der EMI. Wir besuchten einen Plattenladen auf der Kortumstraße in Bochum und fragten den Inhaber, ob er das Album haben wolle. „Hörn se mir auf damit“, sagte dieser. „Gucken sie die ganze Scheiße hier“, dabei zeigte er auf ein Regal mit meinen Platten, „die kauft kein Mensch. Bleiben se mir weg mit dem.“ Ich stand mit hochrotem Kopf dabei. Später hat er meines Wissens bei einem anderen Plattenladen die Straße runter „Bochum“ gekauft, damit er das Album in seinem Laden anbieten konnte. Von der EMI hat er nichts bekommen.

„So ähnlich wie zuletzt das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien“

Am 16. November gab es dann das legendäre Rockpalast-Konzert des WDR in der Zeche. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Grönemeyer: Wir hatten zuvor schon zwei Abende in der Zeche gespielt zur Veröffentlichung des Albums. Zuvor waren wir immer vor 60 oder vielleicht 80 Leuten aufgetreten, im November waren es dann 1000 und das Fernsehen war dabei. Ich war furchtbar aufgeregt, mir war das alles nicht geheuer, das kam alles so überfallartig. Am Anfang steht man wirklich da mit großen Augen und fasst es alles nicht - und das auch noch in Bochum! Das war so ähnlich wie zuletzt das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien.

Themenwoche
30 Jahre danach - Faktencheck zur Stadthymne „Bochum 1984“

Der Faktencheck: Wie steht es nach 30 Jahren um die in Herbert Grönemeyers Stadthymne „Bochum“ gemachten Aussagen über unsere Stadt? Erste Erkenntnis:...

Mit Bochum begann eine unglaubliche Karriere, alle Ihre Alben schafften es bis heute auf Platz 1, Ihre Tourneen waren riesige Erfolge. 2009 gaben Sie ein besonderes Konzert in Bochum, sie spendeten den Erlös zum Bau eines Konzerthauses für die Bochumer Symphoniker. Derzeit ist das Musikforum im Bau. Werden Sie zur Eröffnung 2015 kommen?

Grönemeyer: Wenn ich da bin und Zeit habe und eingeladen werde, komme ich gern, ja klar.

Sie leben in London und Berlin, wie oft sind Sie in Bochum?

Grönemeyer: Ich bin immer wieder bei meiner Mutter, etwa alle zwei Monate.

Stimmt es, dass Sie gern zu Weihnachten in Bochum sind?

Grönemeyer: Ja, ich fahre Heiligabend immer durch die Stadt, das hat etwas Sentimentales, es gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit. Manchmal gehe ich zu einem Buchladen und kaufe die letzten Geschenke ein.

Kommentare
29.12.2014
23:41
Warum Herbert Grönemeyer sein Bochum immer noch innig liebt
von BoTho | #11

Warum spannt sich die WAZ vor den Werbekarren für seine neue CD ? Und überhaupt gestaltet mal Eure Bochumer Lokalseite neu, immer der gleiche Salat:...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Für Gregor Meyle wird Traum wahr
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
Helge Schneider lässt es knacken
Bildgalerie
Lachsalven im Zelt
Milow singt bei tropischer Hitze
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
Viehmarkterlaubnis erteilt
Bildgalerie
Dorffest in Harpen
article
9696204
Warum Herbert Grönemeyer sein Bochum immer noch innig liebt
Warum Herbert Grönemeyer sein Bochum immer noch innig liebt
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/herbert-groenemeyer-ueber-eine-liebeserklaerung-an-bochum-id9696204.html
2014-08-14 06:00
Bochum, Musik, 4630 Bochum, WAZ, Herbert Grönemeyer, London, Schauspiel
Bochum