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Heimwerker können Werkstatt in Altenbochum mieten

07.06.2011 | 18:02 Uhr
Heimwerker können Werkstatt in Altenbochum mieten
Sebastian Ludwig (rechts) geht hier im Bild seinem Kunden Klaus Stickdorn zur Hand. Fotos: Gero Helm

Bochum.Heimwerker aufgepasst: In Altenbochum gibt es gleich eine ganze Werkstatt zu mieten. Ausrüstung und Beratung inklusive. „Die Bohrinsel“ haben Sebastian Ludwig und Marco Schäfer ihre Pachtwerkstatt getauft

Die Idee ist großartig, der Platz aber klein: Klaus Stickdorn will einen Tisch bauen. „Meine Werkecke im Keller ist keine zwei Quadratmeter groß und das Werkzeug stammt noch von meinem Vater“, erklärt der 49-Jährige sein Problem. Deshalb steht er nun zwischen Plattensäge und Schleifgerät in der Werkstatt von Sebastian Ludwig und Marco Schäfer: Für knapp zehn Euro pro Stunde hat sich Klaus Stickdorn dort eingemietet - Werkbank, Ausrüstungen und den Rat der beiden Handwerksmeister inklusive.

„Die Bohrinsel“ haben Ludwig und Schäfer ihre Pachtwerkstatt getauft – neu ist daran nur die „Pacht“, denn die Werkstatt gibt es bereits seit Juni 2010: Vor einem Jahr haben sich der Bühnenplastiker und der Metallbaumeister mit der „Manufaktur Ruhr“ an der Laerstraße selbstständig gemacht. „Wir hatten von Anfang an geplant, unseren Maschinenpark auch zu verleihen“, sagt Sebastian Ludwig. „Viele gute Ideen gehen daran kaputt, dass man nicht das richtige Werkzeug oder keinen geeigneten Werkraum hat.“

Marco Schäfer mit einem Werk, das von ihm selbst benötigt wird.

Komplett ausgestattete Schlosserei und Schreinerei

In der Mietwerkstatt warten auf rund 200 Quadratmetern Betonboden eine komplett ausgestattete Schlosserei und Schreierei. Die Standardausrüstung kosten zehn Euro je Stunde, für eine Tagespauschale von 15 Euro gibt es elektrischen Handwerkzeuge. Größere Geräte bedienen aus Sicherheitsgründen lediglich die Fachleute. Viele Frauen hätten sich bereits angemeldet, so Ludwig: „Unter anderem eine 70-Jährige, die Holz schnitzen will.“

Wichtiger als die Maschinen ist Klaus Stickdorn der Profi an der Seite: Der 49-Jährige will immerhin nicht irgendeinen Tisch bauen. Das Möbelstück solle vielmehr genau zu der Bank passen, die Stickdorn vor ein paar Monaten einem insolventen Bistro abgekauft hat. „Ursprünglich war das eine Kirchenbank, 100 Jahre alt und mit Schnitzereien verziert“, schwärmt der Laie.

Ein Blick in die „Bohrinsel“. Die Werkstatt in Altenbochum kann von Hobby-Handwerkern angemietet werden.

Damals gab es noch kein Standardmaß. „Auch der Tisch muss eine Sonderanfertigung sein“, so Stickdorn. Mit Sebastian Ludwig habe er ein Modell entworfen, von ihm gelernt, wie man neues Holz alt aussehen lässt – und wie man sich nicht ständig mit dem Hammer auf den Finger schlägt. „Wir drehen linke Hände auf rechts“, schmunzelt Ludwig.

Das Selbstwerkgefühl steigern

Warum eigentlich kann der Fachmann nicht auch gleich den ganzen Tisch selbst bauen? Klaus Stickdorn schüttelt den Kopf. Das mag vielleicht schneller gehen, aber wo bleibe da der Spaß? „Ich arbeite für eine Versicherung, das Werkeln ist ein Hobby.“ Und der neue Tisch ein Beweis: „Ich kann das.“

Zeiten und Kontakt
Die Bohrinsel

Zwischen 10 und 19 Uhr während der Woche sowie nach Vereinbarung an Samstagen können Heimwerker sich in der Mietwerkstatt „Die Bohrinsel“, Laerstraße 43, austoben. Die Nutzung kostet mindestens 9,99 Euro die Stunde. Weitere Pauschalangebote nach Absprache. Nähere Informationen im Internet unter www.die-bohrinsel.net oder telefonisch unter der Rufnummer 0234 79207418.

„Selbstwerkgefühl“, nennt Metallbaumeister Marco Schäfer das – per Bringdienst will der 34-Jährige es bald direkt vor die Haustür liefern: „Ähnlich wie in diesen Heimwerkersendungen würden wir mit unseren Werkzeugen zu jemandem nach Hause kommen, ihn beraten und ihm kleine Tricks zeigen.“ Die Nachfrage sei da: „Handwerker sind teuer, die Leute wollen kleinere Dinge selbst machen, wissen aber oftmals nicht wie.“

Hilfe zur Selbsthilfe also - machen sich die beiden Handwerksmeister so nicht auch ihre eigene Kundschaft abtrünnig? „Nein, wir geben Tipps für den Hausgebrauch“, sagt Schäfer. Das Handwerk sei nicht zu ersetzen: „Wir machen spezielle Dinge, die man nicht so eben lernen kann.“

Stephanie Weltmann

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