Hauptsache bunt!
14.10.2007 | 18:55 Uhr 2007-10-14T18:55:05+0200Fünf Tage vor der Spielzeit-Eröffnung gibt es im ganzen Theater eine prima Sause für Groß und Klein.Mit Lesungen, Swing-Band, einer verblüffenden "Technik-Show" - und auf dem Vorplatz dreht sich ein Karussell
SCHAUSPIELHAUS FEIERT EIN FEST FÜR DIE GANZE FAMILIE Bei solch einem Bilderbuchwetter geht niemand ins Theater, könnte man denken.
Doch weit gefehlt! Das große Theaterfest am Sonntag im Schauspielhaus und in den Kammerspielen avancierte zum gefeierten Publikumshit.
Hunderte neugieriger Besucher drängen sich den ganzen Tag auf dem Vorplatz und in den beiden Häusern, wo das Publikum mit Lesungen, einer öffentlichen Probe, mit viel Musik, Tanz und guter Laune auf die neue Spielzeit eingeschworen wird. "Das Super-Wetter haben wir uns redlich verdient", so Intendant Elmar Goerden, der an dem bunten Treiben einen ebenso großen Spaß zu haben scheint wie sein Ensemble, das mit viel Herzblut bei der Sache ist.
Schon der Vorplatz des Schauspielhauses sieht an diesem Tag wie verwandelt aus: Ein großes Kettenkarussell dreht dort unablässig seine Runden - sehr zur Freude der vielen Kinder, denen beim Familienfest ohnehin allerhand geboten wird, etwa beim Kinderschminken oder beim künstlerischen Gestalten einer Tasche (Motto: "Hauptsache bunt!").
Im oberen Foyer sorgt derweil Torsten Kindermanns "Downtown Orchestra" mit munteren Swing-Hits für so manch schnippenden Finger. Und Chefdramaturg Holger Weimar bringt Raritäten aus dem Kostümfundus unter die Leute: Wer gern daheim in das Original-Outfit von Sir Simon, dem "Gespenst von Canterville", schlüpfen mag, kann hier an einer Verlosung teilnehmen. "Wir hätten auch ein 'weißes Nichts' aus dem 'Idealen Gatten' im Angebot", schmunzelt Weimar, "oder Sir Simons letzten Blutfleck ...!"
Als eine gute Idee erweist es sich, das Theaterfest ein paar Tage vor den lang erwarteten Premieren-Reigen zu legen, der üblicherweise eine neue Spielzeit eröffnet. Denn so stehen den Theatermachern beide Bühnen frei zu Verfügung! Besonders in den stets prächtig gefüllten Kammerspielen jagt ab morgens um elf ein Programmpunkt den nächsten: Maja Beckmann und Sascha Nathan zeigen hier ihre beliebte "Playstation", Henning Hartmann und Dietmar Böck tragen einen illustren Text von Benjamin von Stuckrad-Barre vor - und Manuela Alphons hat gleich eine ganze Reihe von Kindern um sich geschart, um aus dem tollen Märchen "Der Zauberer von Oz" zu lesen: dem diesjährigen Familienstück.
Ein Extra-Beifall gebührt den 15 Jugendlichen des Jungen Schauspielhauses, die in zwei Teilen ihre höchst unterhaltsame Hommage an ihre Heimatstadt auf die Bühne bringen. Die szenische Lesung "Bochum, ich komm' aus dir" spannt einen so humorvollen wie nachdenklichen Bogen über die Geschichte der Stadt von 1790 bis heute. Wer schon immer mal wissen wollte, was es mit dem "Vaterländischen Frauenverein" und dem gestrengen Grundsatz "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" auf sich hatte, ist bei den jungen Leuten prima aufgehoben.
Die einzelnen Programmpunkte sind zeitlich so gewählt, dass es durchaus möglich ist, viel zu sehen, ohne allzuviel zu verpassen. So geben etwa Elmar Goerden und einige Mitglieder des Ensembles in den Kammerspielen einen munteren Ausblick auf die anstehenden Premieren. Wer danach flink zu Fuß unterwegs ist, hat noch die Chance, die umwerfende "Technik Show" im Schauspielhaus nicht zu versäumen.
Die "Technik-Show" ist eine Aufführung, die eigentlich in den regulären Spielplan gehört, denn so ausgelassen tobten die Theatergötter noch nie! In der Moderation des korrekt gekleideten Christoph Pütthoff (ohnehin ein feiner Entertainer) lassen die Techniker eine halbe Stunde lang die Muskeln spielen. Da peitscht der Regen über die Bühne! Da schneit's, da donnert's, da hallt's - dass es eine helle Freude ist.

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