Hat die Symphonie-Stiftung den Rat in Bochum hinters Licht geführt?
04.04.2011 | 18:43 Uhr 2011-04-04T18:43:00+0200
Bochum. Schwache Kommunikation wird als Grund dafür gewertet, dass die Stiftung Bochumer Symphonie erst jetzt mitteilte, dass für den Bau des Musikzentrums noch vier Millionen Euro fehlen und Bürgschaften schon 2009 erloschen waren.
Ist der Bochumer Rat hinters Licht geführt worden? - Der Eindruck drängt sich auf: Denn als der Rat am 9. März den Baubeschluss für das 33 Millionen Euro teure Musikzentrum fasste, wussten die meisten Ratsmitglieder weder, dass bei der Stiftung Bochumer Symphonie noch ein Loch von vier Millionen Euro an Spendengeldern klaffte , noch dass Bürgschaften bereits im Jahr 2009 erloschen waren.
Der Stiftung Bochumer Symphonie fehlen überraschenderweise vier Millionen Euro für den Bau des neuen Musikzentrums. Wären Sie bereit zu spenden, damit das Projekt doch noch realisiert werden kann?
So haben unsere Leser abgestimmt
Erst drei Wochen später, am 30. März hatte Thomas Jorberg, Vorstand der GLS-Bank als auch Vorstand der Stiftung, dem Ältestenrat der Stadt auf Einladung von Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz reinen Wein eingeschenkt. Und am selben Tag die Spender per Post unterrichtet.
„Eine Woche vorher hatte ich ein Gespräch mit der Stiftung,“ erklärte Scholz gegenüber der WAZ. „Da wurde ich darüber informiert, dass bestimmte Bürgschaften nicht verlängert wurden. Da habe ich gedacht, das sollten auch andere wissen, aber nicht im Sinne Gott oh Gott.“
Kommunikationsprobleme
„Mir ist in dieser Situation das Herz in die Hose gerutscht“, erinnert sich Wolfgang Cordes anders an den Schreck. Der Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat hatte nämlich zuvor beim WAZ-Treff „Bochum 11 “ noch öffentlich am Mikrofon die Bürgschaft erwähnt, um Spenden zu werben.
„Die Kommunikation hat still und heimlich geruht“, versucht Heinz-Dieter Fleskes, Fraktionschef der SPD, eine Erklärung. „Von vier Millionen Euro wusste ich de facto nichts. Diese Zahl ist jung, in ihrer Größenordnung aber bemerkenswert. Spender hatten limitiert, die müssen jetzt reaktiviert werden.“
Sein Informationsstand sei bis dahin gewesen, dass der Stiftung noch Spenden in Höhe von etwa zwei Millionen Euro fehlen würde. Dass das Doppelte nicht da ist, „hätte besser kommuniziert werden müssen“, meint Fleskes in milder Kritik. Schließlich hatte der Bochumer SPD-Parteichef und Landtagsabgeordnete Thomas Eiskirch schon im Dezember die frohe Botschaft verkündet, das Musikzentrum sei dank EU-Fördergelder nun doch machbar.
Ein Geschmäckle hat das schon, wie die Ratsmitglieder in Unkenntnis gelassen wurden, was den tatsächlichen Kontostand der Stiftung Bochumer Symphonie anlangt. Dass die Stiftung erst nach dem Baubeschluss des Rates für das Musikzentrum mit den schlechten Nachrichten herausrückte, wirkt nicht sehr vertrauensbildend.
Das Problem ist, dass führende Kommunalpolitiker wie OB Scholz, Fleskes, Mitschke und Lücking den Bau des Musikzentrums nicht gefährden wollen und dafür lieber einige Kröten schlucken, zum Wohle der Stadt, wie sie es sehen. Und so wollte man Defizite nicht an die große Glocke hängen, um nicht potenzielle Spender zu vergraulen.
Schließlich hat die Stadt mit ihrem angebrannten Haushalt selbst dafür gesorgt, dass das ursprünglich geplante Konzerthaus gescheitert war.
Rolf Hartmann
Die Politik ist optimistisch
„Dass die Bürgschaft ausgelaufen war, wusste ich auch nicht“, sagte CDU-Fraktionssprecher Roland Mitschke. „Gleichwohl war bekannt, dass eine Summe X fehlte, so um zwei Millionen Euro. Wer es wollte, konnte es wissen.“ „Ich fühle mich nicht hinters Licht geführt“, sagte FDP-Fraktionschef Jens Lücking. Dabei habe auch er den genauen Fehlbetrag nicht gekannt und sei von zwei Millionen Euro ausgegangen. Aber: „Wir gehen kein Risiko ein. Wenn das Geld nicht zur Verfügung steht, ist der Bau hinfällig.“ Im übrigen sei er optimistisch, dass es der Stiftung noch gelingen wird, mit Hilfe von Großspendern die Finanzlücke zu schließen: „Ich habe angeregt, zur Krupp-Stiftung zu gehen.“
Chancen, dass nun auch Großspender aus dem gesamten Ruhrgebiet anbeißen, sehen auch Fleskes und Mitschke, weil das jetzt geplante Musikzentrum einen pädagogischen Ansatz habe und keine Konkurrenz darstelle wie das zuvor geplante Konzerthaus zu den Spielstätten der Nachbarstädte. Lücking: „Ich bin guter Dinge und überzeugt, dass das Geld zusammenkommt.“
„Die Stiftung macht auf Optimismus“, sieht Uwe Vorberg von den Linken die Sache skeptisch. „Das Problem ist, dass die Stiftung öffentlich den Eindruck erweckt hat, das Geld sei da.“
Die Zeit drängt . Bis 2014 muss das erbaute Musikzentrum abgerechnet sein, sonst erlöschen die EU-Fördergelder. Die Anträge dafür sind allerdings noch nicht gestellt.

18:53
Lücken über Lücken...wie gerade auf Radio BO
gemeldet wurde,klafft auch beim Gesundheitscampus eine plötzliche Finanzierungslücke in Höhe von 3 Millionen Euro.
Loch an Loch und hält doch...?
09:58
Letztlich werden alle Bürger (wie auch in Essen und Dortmund) die Zeche bezahlen!
Es ist ein Skandal, der aber auch vor der letzten Komunalwahl für das Wahlvolk klar erkennbar war! Also, selber schuld!
00:25
Das ganze Thema ist unendlich, unerschöpflich und unbezahlbar - insbesondere die Folgekosten nach den nicht gedeckten Baukosten.
Wer Sinn und Verstand hat, kann von diesem Projekt nur abraten.
Wo sind die kompetenten Vertreter hierfür in unserer Stadt?
19:32
In den Ruhr Nachrichten ist zu lesen, dass eine neue kompetente Geschäftsführerin eingestellt worden ist.
Besteht das Team nicht schon aus genug KOMPETENTEN Leuten?
Macht die das ehrenamtlich?
Wieviel von dem Geld frisst sie auf?
17:18
Kultur hin oder her...so langsam wird die Sache mehr
als peinlich.
15:13
Zu#1 Towns End??? Wer ist das? Früher Sachbearbeiter beim Jungendamt!! Jetzt Kulturdezernent in Bochum. Das nennt man Karriere.
Hat aber nichts mit Substanz zu tun-nicht persönlich sondern politisch gemeint!!!!!
PS. Rest unserer Politiker ob Fleskes ....oder andere
kannst du eh vergessen.
13:48
Ich kann so langsam die ganze Laberei über die Fiedelbude nicht mehr hören.
Stellt das Projekt ein und fertig. Das Ausland macht sich so langsam lustig über Bochum. Fiedelbude und kein Ende. Was sagt eigentlich die FDP dazu.
Meldet euch doch mal, hier habt ihr die Chance, da der SPD Ortsverein Bochum Hamme sich nicht rührt. Wo seid ihr!!!!
12:01
Das ist doch alles nichts Neues. Dem stimme ich absolut zu. Die Diskussion um dieses Vorhaben wird zunehmend quälender, weil dem Projekt von Grund auf jegliche zwingende Notwendigkeit fehlt. Es ist uninspiriert, weil in relativ kurzer Zeit mühevoll aus dem Boden gestampft und es wird nie zu einer gewachsenen Instanz werden, wie es z.B. das hiesige Schauspielhaus erfolgreicherweise ist. Außerdem ist das Projekt so offenkundig begleitet von eigenen Interessen einzelner Eminenzen. Dann diese zahlreichen Fürs und Widers, die die Diskussion begleiten, wobei die Widers hier dominiert haben bislang. Schließlich gibt es in Bochum eine dermaßen agile Kulturlanschaft, welche die Idee eines derartigen Gebäudes weit überstrahlt. Mit einem Wort: Das Projekt funzt einfach nicht!
07:09
Das ist doch alles nichts Neues. Die Deckungslücke war jedem bekannt, der einmal in die (öffentlichen) Zahlen geguckt hat und die Grundrechenarten beherrscht. Aber man wird ja als Kritiker dieses symphonischen Luftschlosses gleich als Kulturbanause bezeichnet. Dabei kann sich die Stadt BO schon lange nicht mehr den Unterhalt ihrer Gebäude leisten. Der Rückstand beträgt nach wie vor über 300 Millionen Euro. Hier will man noch ein neues Gebäude errichten, dessen Unterhalt man sich nicht leisten kann. Nachhaltiges Handeln geht anders. Wenn man ehrlich ist, kann sich die Stadt nicht einmal die BoSys leisten. Aber das will in dieser Weltstadt ja niemand hören.
22:59
Ich sage doch: Diese Fidelbude, wie immer man sie in ein konzeptionelles Korset pressen möchte, ist mehr als überflüssig.
Wir sollten das Rathaus stürmen. Und die Furzer aus ihren Sesseln jagen.