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Häftling: Streit um Tabletten

08.07.2007 | 23:18 Uhr

Bochumer fühlt sich im offenen Vollzug Castrop-Rauxel vom Anstaltsarzt falsch behandelt.JVA-Leiter weist den Vorwurf zurück, meint aber auch: "Die Medizin ist ein heikler Bereich"

Christian Schulz (35) ist inhaftiert und unglücklich. Nicht (nur) wegen der Haft, sondern vor allem, weil er sich falsch behandelt fühlt. "Ich werde unterdrückt, weil ich Medikamente einnehmen muss, die ich nicht vertrage", sagt der Bochumer, der zurzeit wegen Einbruchsdelikten im offenen Vollzug der JVA Castrop-Rauxel einsitzt.

Auf seinen Einwand, die verordneten Tabletten nicht mehr weiter einnehmen zu wollen, habe ihm der Anstaltsarzt mit einer Verlegung in den geschlossenen Vollzug gedroht. "Das kann doch nicht wahr sein, die können doch nicht mit mir machen, was sie wollen."

Zur Krankengeschichte: Vor rund fünf Wochen ist Schulz während eines Hafturlaubs zu Hause zusammengebrochen. Mit dem Krankenwagen wurde er zur Untersuchung ins Knappschaftskrankenhaus Langendreer gefahren, wo es, so seine Angaben, keinen Befund gegeben habe. "Es kann ein epileptischer Anfall gewesen sein, aber die Ärztin in Langendreer hat dringend empfohlen, erst einmal keine Medikamente zu nehmen, sondern abzuwarten", sagt Christian Schulz.

Jetzt ärgert er sich, dass der Arzt im Castroper Gefängnis dieser Empfehlung nicht folge. "Er hat mir Epilepsie-Tabletten gegeben, die bei mir diverse Nebenwirkungen zeigen", klagt der Inhaftierte. Er könne nicht mehr vernünftig schlafen, ihm sei übel. "Mein Kreislauf spielt verrückt, mein Kopf wird schwer, ich habe Angst", sagt Schulz. Die zwei Tabletten täglich nehme er nur, um nicht in den geschlossenen Vollzug zu kommen. "Ich habe ein dreijähriges Kind, das kann ich ihm nicht antun."

Julius Wandelt weist Christian Schulz' Vorwürfe zurück. Der Leiter der JVA Castrop-Rauxel sagt: "Es ist Unsinn, dass ein Gefangener von unserem Arzt zu etwas gezwungen oder gar erpresst wird." Der Gesundheitsbereich biete generell Streitpotenzial. Deshalb müssten sehr viele Gefängnisärzte Strafanzeigen über sich ergehen lassen. "Diskrepanzen zwischen der Therapie des Hausarztes und der des Gefängnisarztes können auftreten. Die Medizin ist ein heikler Bereich", sagt Wandelt. Den Castrop-Rauxeler Anstaltsmediziner bezeichnet er als "einen sehr erfahrenen Arzt, zu dem wir volles Vertrauen haben". Außerdem pflege die JVA einen engen Kontakt zu verschiedenen Krankenhäusern. "Die medizinische Versorgung ist sichergestellt."

Von Kirsten Simon

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