Gucken und gucken lassen

Insgesamt sieben Bochumer Gebäude sind am „Tag der Architektur“ am 27./28. Juni zu besichtigen. Dazu gehört auch die ehemalige Klavierfabrikatur Ferd. Thürmer, die für die Folkwang-Hochschule zu einem Theaterzentrum umgebaut wurde.
Insgesamt sieben Bochumer Gebäude sind am „Tag der Architektur“ am 27./28. Juni zu besichtigen. Dazu gehört auch die ehemalige Klavierfabrikatur Ferd. Thürmer, die für die Folkwang-Hochschule zu einem Theaterzentrum umgebaut wurde.
Foto: Architektenkammer NRW
Was wir bereits wissen
Privathäuser, soziale und kulturelle Einrichtungen oder öffentliche Gebäude sind beim Tag der Architektur zu besichtigen.

Bochum.. „Hereinspaziert“ heißt es am kommenden Samstag und Sonntag, 27./28. Juni, in sieben Gebäuden zwischen Riemke und Querenburg. Ihre Eigentümer nehmen teil am mittlerweile zum 20. Mal ausgetragenen „Tag der Architektur“. 375 Bauwerke aller Art – Quartiere, Gärten und Parks – werden in 163 Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens für Besucher geöffnet. Das Motto heißt diesmal „Architektur hat Bestand“. Damit will die Architektenkammer die Aufmerksamkeit lenken „auf die Wertigkeit guter Architektur und die Notwendigkeit, den Gebäudebestand angemessen zu pflegen und weiter zu entwickeln“. Etwa 35.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, um den Dialog mit Bauherren oder Architekten zu suchen.

„Wir wünschen uns viele Gespräche mit Architekturfans und Bauinteressierten vor Ort“, sagt Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW. Wer sich für Architektur begeistere oder ein eigenes Bauvorhaben plane, der werde vielfältige Anregungen erhalten.

Keine fossilen Brennstoffe

Bei Andrea und Frank Kozlowski zum Beispiel. Das Ehepaar hat nach langem Suchen in ihrem Wunschstadtteil Riemke ein Grundstück gefunden und ein eineinhalbgeschossiges Einfamilienhaus errichten lassen. Bildschön und technisch auf dem allerneuesten Stand ist das von Architektin Urte Meermann gestaltete Gebäude. Dank Photovoltaik und Erdwärme sind die Kozlowskis in Sachen Energetik völlig unabhängig. „Wir wollten keine fossilen Brennstoffe mehr verwenden. Das Haus ist auf die Zukunft ausgerichtet“, sagt Frank Kozlowski.

Nicht einmal eine einzige Glühbirne gebe es noch im Haus, so der 53-Jährige. Und ergänzt mit einem schelmischen Lachen. „Doch, eine gibt es noch, in dem alten Kühlschrank in der Garage.“ Ansonsten seien Gebäude und Einrichtung komplett mit LED’s ausgestattet. Da sie anders als zunächst geplant das Grundstück nicht kaufen, sondern nur pachten könnten, konnte mehr Geld in das Haus fließen. Gespannt sind auch er und seine Frau, wie der große Besuchstag am Samstag wohl verlaufen wird. „Unsere Architektin hat gesagt, 100 Personen oder mehr könnten schon kommen.“

Zu sehen gibt es in der Stadt darüber hinaus noch öffentliche Gebäude wie die Erweiterung des Modehauses Baltz oder die „BlueSquare“-Immobilie in der Innenstadt, aber auch Häuser mit sozialer Nutzung. Dazu zählt der Neubau einer Kinder- und Jugendwohngruppe für die Evangelische Stiftung Overdyck in Querenburg. Die schlichte Anmutung des Gebäudes hat dabei weniger architektonische als viel mehr einen finanziellen Hintergrund. Knapp 500.000 Euro netto hat der Bau der Unterkunft gekostet.

Flexibel nutzbar

Und es ist aus Sicht der Dortmunder Architektin Eva Reber auch ein gutes Beispiel für anderweitige Nutzungen. Grundsätzlich könne der Bautyp, die Diakonie Ruhr hat bereits 2013 ein baugleiches Gebäude erstellen lassen, flexibel verwendet und umgebaut werden; etwa in drei- bis vier Reihenhäuser. Und: Statt Container für 2000 Euro pro Quadratmeter aufzustellen, könnte der Bautyp auch als „menschenwürdige Unterkunft für Flüchtlinge“ genutzt werden. Als Einrichtung für Kinder und Jugendliche entspricht er nach Einschätzung des Auftraggebers in jedem Fall den Anforderungen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Gebäude“, so Petra Hiller, die Leiterin der Evangelischen Stiftung Overdyck. Die Anforderung sei gewesen, den Kindern mit dem Haus ein „Heim und einen lebenswerten Ort zu geben“. Und das sei gelungen. Und wer Interesse habe, der könne sich am Samstag gleich doppelt informieren; nämlich über das Gebäude und über das Leben und die Arbeit in der Wohngruppe.

Nähere Infos: www.aknw.de/baukultur-in-nrw/tag-der-architektur/