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Grundschul-Runde in der WAZ-Redaktion

Grundschulen droht harter Schnitt

28.05.2012 | 17:55 Uhr
Grundschulen droht harter Schnitt
Eine Gesprächsrunde über Schulen moderiert WAZ-Redakteur Michael Weeke in der Redaktion.Foto: Ingo Otto

Bochum. Die Entscheidung über die künftige Versorgung der Stadt mit Grundschulen steht unmittelbar bevor. Nach Informationen der WAZ soll bereits am Mittwoch, 30.05. ein Vorschlag ausgearbeitet werden, welche der derzeit noch 50 Grundschulen (davon zwei Katholische Grundschulen) weiter geführt werden sollen.

An diesem Tag trifft sich die Arbeitsgruppe für die Bochumer Schulentwicklungsplanung zu ihrer womöglich entscheidenden Sitzung. In diesem Gremium sitzen acht Vertreter des Ausschusses für Bildung und Wissenschaften (hinzu kommt ein allerdings nicht stimmberechtigtes Mitglied der UWG), zwei aus den Grundschulen und dem Schulverwaltungsamt sowie jeweils ein Vertreter der Bekenntnis-Schulen, des Migrationsausschusses, des Verbandes Bildung und Erziehung, der GEW, der AG Bochumer Schulpflegeschaften, dem Schulamt und dem Jugendamt.

Proteste und Initiativen

Borgholzschule. Montage: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Wird ein Vorschlag erarbeitet, wird dieser wiederum im Ausschuss für Bildung und Wissenschaften eingebracht, die Schulversammlungen müssen ebenfalls gehört werden, bis womöglich unmittelbar nach den Sommerferien der Rat entscheidet.

Nach allem, was bisher an die Öffentlichkeit gedrungen ist, stehen 16 Grundschulen bzw. Teilstandorte ganz konkret auf der Kippe. Die Verwaltung begründet die Notwendigkeit einer Schließung und der Reduzierung der Anzahl der Grundschulen im Wesentlichen mit drei Argumenten: Entwicklung der Schülerzahlen, Haushaltskonsolidierung, Sanierungskosten.

Gegen die Absichten hat es in den vergangenen Wochen und Monaten eine Vielzahl von Protesten und Initiativen gegeben. Um die Situation darzustellen, hatte die WAZ Vertreter und Vertreterinnen von drei massiv von einer Schließung bedrohten Grundschulen zu einem Gespräch in die Redaktion geladen. Es sind dies die Borgholzschule (Wiemelhausen), die Kirchschule (Langendreer) und die Grundschule Hordel.

Eltern geben nicht klein bei

Sie geben nicht klein bei, glauben den offiziellen Zahlen nicht wirklich und haben das Vertrauen in eine vernünftige Schulpolitik in Bochum (nahezu) verloren. Warum zahlreiche Eltern Sturm laufen gegen die aktuelle Schulentwicklungsplanung, sich nicht damit abfinden möchten, warum die Stadt Schulen schließt, wollte die WAZ-Redaktion ein wenig genauer wissen. Eingeladen zu einer „Grundschul-Runde“ wurden sechs Mütter und Väter aus Wiemelhausen, Langendreer und Hordel, die berichten über ihren Widerstand und das große Unverständnis.

Da ist Thorsten Arnold (41), seine Tochter Mathilda geht in die 1. Klasse der Borgholzschule. Als einen wesentlichen Grund für die zugespitzte Situation sieht er die Schulpolitik des Landes (z.B. Regelungen für die Klassengrößen) und die Sparpolitik der Stadt, die die Bildung um 6,5 Millionen Euro kappen möchte: „Zu Beginn der Debatte wurde seitens der Stadt mit falschen Schülerzahlen argumentiert.“ Ihn und seinem Mitstreiter Guido Henning (48), dessen Sohn Rasmus ebenfalls auf die Borgholzschule geht, ärgert, dass die Stadt Fakten geschaffen habe, bevor es Entscheidungen gebe.

Eine Schule in Schieflage

Grundschule Hordel an der Hordeler Straße 169

Die Borgholzschule wurde einzügig definiert, mit dem Ergebnis, dass zum Schuljahresbeginn nur eine Klasse mit rund 30 Schülern eröffne. „Wir wollen solche großen Klassen nicht, zumal ja jetzt ein Anstieg der Erstklässler in Wiemelhausen um 28 für das Jahr 2016 erwartet wird.“

In Langendreer, im Dorf wie die Menschen dort sagen, gibt es seit rund 400 Jahren die Kirchschule. Wenn auch nicht im gleichen Gebäude, so ist sie doch für viele Menschen, vor allem mit schulpflichtigen Kindern, ein Zentrum des Viertels. Christina Seidenstücker wirkt in der Elternpflegschaft mit. Die Zwillinge der 40-Jährigen Marla und Elias gehen in der 2. Klasse. Und ein zweites Zwillingspaar, Mia und Carlotta, ist im Kindergartenalter: „Unsere Schule war immer sehr attraktiv. In diesem Schuljahr kam zum ersten Mal nur eine Eingangsklasse zustande.“ Über die Hintergründe kann sie nur spekulieren. Fest stehe, dass die früher für viele Familien interessante offene Eingangsstufe abgeschafft wurde und seit einige Zeit wegen Erkrankung die Rektorenstelle unbesetzt ist, was der Schule schade. Zudem gebe es Sanierungskosten in Höhe von ca. 1,5 Millionen Euro und Negativmeldungen (so machte die Behauptung im Dach sei der Holzwurm die Runde, obwohl dies gar nicht zutreffe), die die Schule in eine Schieflage gebracht hätten.

"Kurze Beine - kurze Wege"

Kirchschule Langendreer Alte Bahnhofstraße 12 a

Besonders gefährdet jedoch ist die Grundschule in Hordel, mitten in der unter Denkmalschutz stehenden Bergarbeiterkolonie der Zeche Hannover. An dieser Schule konnte zum ersten Mal gar keine Eingangklasse gebildet werden. Dazu sagt Regina Treffner (42), deren Sohn Erik in die 3. Klasse geht, ihr älterer Sohn Michel ist mittlerweile auf einer weiterführenden Schule: „Wir haben eine Unterschriftenaktion gestartet.“ Viele Menschen in der Siedlung seien von der drohenden Schließung überrascht gewesen, erzählt Andre Kroll. Der 38-Jährige ist mit Frau und seiner zehn Monate alten Tochter Marie vor allem deshalb nach Hordel gezogen, weil die Schule so gut zu erreichen ist.

Ulrike Hücking, deren Kinder Sarah und Jonas zur Kirchschule gehen, beschreibt sehr eindringlich, was denn das von allen Kritikern mit „Kurze Beine – kurze Wege “ beschriebene Argument bedeutet im Alltag: „Wenn unsere Kinder zur Schule gehen, achtet die Umgebung auf sie. Die Geschäftsleute kennen jedes Kind, jeder kennt jeden. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.“

Ulrike Hücking zog vor einigen Jahren aus Ratingen nach Langendreer. Die dörfliche Struktur, die Nähe, waren damals gewichtige Argumente. Nun sieht sie all dies Stück für Stück zusammenbrechen.

Michael Weeke



Kommentare
30.05.2012
11:52
Grundschulen droht harter Schnitt
von gruenderhell | #9

Es ist wie schon bei der Brantropschule, Pressemitteilung werden zu strategisch günstigen Zeiten gemacht, damit auch möglichst viele Eltern verunsichert werden und schnell noch die Schule Wechseln. Es ist eine Schande das Schulverwaltungsamt und Schulausschuss zu solchen widerwärtigen Mitteln greifen, immer und immer wieder.

Warum wird nicht mal eine ordentlicher Schulstrukturplan vorgestellt? Hier wird die ganze Zeit völlig planlos reagiert anstatt mal geplant im Vorfeld zu agieren und für die Stadtteile sinnvolle Lösungen zu finden. Es kann doch nicht überall so enden wie in Weitmar, wo es nun keine zentrale Grundschule mehr gibt...

29.05.2012
23:05
Grundschulen droht harter Schnitt
von ulridos | #8

@ Joal : Da muss ich etwas grinsen ;)

Wenn einzelnen Schulen kurzerhand untersagt wird weitere Kinder anzunehmen ... während andere Wochen später noch im Bobinet mit Ihren freien OGS Plätzen werben dürfen ... an was glauben Sie da noch ???

Gleichbehandlung ???
Abstimmen der Eltern mit den Füssen ???

Wohl eher nicht -
DA sollen Schulen die von der IFAK mitfinanziert werden mit Schülern aufgefüllt werden .... da denen die Kinder weglaufen .
Da wurden 4 Wochen nachdem die Borgholzschule abgewürgt wurde an einzelnen Schulen noch mit über 25 freien OGS-Plätzen geworben ... was bei normaler Betreuungsquote wohl heißt das etwa 50 Kinder fehlen .... da wird nicht begrenzt ...

Ist schon ein seltsames Entscheidungsverfahren was die Schulverwaltung da fährt ....

1 Antwort
Grundschulen droht harter Schnitt
von Joal2403 | #8-1

Montags bekamen alle Wittener Eltern eine Absage.
Daraufhin einen Tag später dann doch die Zusage!
Was soll man denn davon nur halten?
Ein OGS-Betrieb wird an der Hörder Schule "Schule an der Bömmerdelle" überhaupt nicht angeboten.
Ist sehr wahrscheinlich sowieso alles hinfällig.
Der Schule an der Bömmerdelle droht kronkret das Aus, vielleicht abgemildert als Teilstandort "Schule am Neggenborn", 3 Kilometer entfernt.

29.05.2012
16:34
Grundschulen droht harter Schnitt
von Joal2403 | #7

Seit wann wurde für Kinder die 2006 geboren wurden, Elterngeld gezahlt? Wäre mir neu, wir haben dann leider nicht aufgepasst.
An unserer Schule "Schule an der Bömmerdelle" werden 45 Kinder zweigleisig aufgenommen. 30 "Bochumer-Kinder" und 15 "Wittener-Kinder".
Solange die Anmeldezahlen es zulassen, kann unserer Schule nichts passieren.
So lautet es bis dato wenigstens aus Richtung Schulverwaltungsamt.

29.05.2012
15:36
Grundschulen droht harter Schnitt
von catamaruhn | #6

Das Grundschulen teilweise nur noch 2 neue Klassen für das Schuljahr 2012/13 mit bis zu 30 Schülern aufnehmen mit dazu hohen Bedarf an OGS-Plätzen mussten wir leider selbst erleben - die geburtenstarken Jahrgänge 2006/2007, verstärkt durch das gezahlte Elterngeld, müssen die Fehlentscheidungen der Politiker nun ausbaden. Allein der Weg bis zum OGS-Platz lässt den Amtsschimmel ganz alt aussehen - wir mussten bis Mitte Mai zittern (Losverfahren wurde angestrebt). Dieser Zustand ist unerträglich für unser sogenanntes Bildungssystem. Einziger Trost für gutverdienende Eltern: die Privatschule!

29.05.2012
13:48
Grundschulen droht harter Schnitt
von randori20 | #5

Wenn eine Gesellschaft zugunsten des Konsums auf Kinder verzichtet, wenn überhaupt Paare nur ein Kind wollen, dann hat das an vielen Ecken und Kanten Folgen. Schulschließungen sind nur ein kleiner Teil davon.

Es ist billig auf Verwaltung und Politik zu stürzen, statt sich seiner eigenen Verantwortung zu stellen.

29.05.2012
05:27
Grundschulen droht harter Schnitt
von Donnermann | #4

Die Bergarbeiterkolonie der Zeche Hannove steht n i c h t unter Denkmalschutz.

28.05.2012
23:01
Grundschulen droht harter Schnitt
von Klug99 | #3

Mein Gott was soll die Kritik, ihr habt doch ein tolles Musikhaus, da könnt ihr doch die Blagen hinbringen. Gemäß der Wahlergebnisse ward ihr doch alle für den Unsinn!

28.05.2012
19:45
Fakten2
von Arnold_Th | #2

Warum nutzt Bochum nicht die Chance, sich attraktiv für Familien und stark für die Bildung zu machen? Sollen alle Familien vertrieben werden? Soll irgendwann das letzte Kind geboren, der letzte Spielplatz verrottet, das letzte Schwimmbad geschlossen und das letzte Schulgebäude an ein Altenheim verkauft werden???
AUFWACHEN POLITIK ! DENKEN ! HANDELN ! JETZT !

28.05.2012
19:43
Fakten
von Arnold_Th | #1

In Nrw wurden seit 1988 2000 Schulklassen geschlossen- beim Klassengrössenschnitt liegt Nrw aber weit vorne: Nur Berlin hat grössere Klassen! Nur um den Bundesschnitt zu erreichen müsste man 2300 zusätzliche Klassen einrichten....

zur Borgholzschule: www.stuhlpaten.de http://www.facebook.com/hier.zaehle.ich

Fakten:

- Schülerzahlen steigen in Wiemelhausen- selbst nach eigenen Angaben der Verwaltung !!!?!?!
- wie sollen 85 OGS Plätze aufgefangen werden??
- wie gross sollen zukünftig die Klassen werden?
- wie soll zukünftig Integration funktionieren, wenn jetzt schon durch Anweisung Einzügigkeit Schüler des Übergangswohnheims abgewiesen werden und nun mit dem Bus zur Schule müssen... (Borgholzschule ist anerkannte Schwerpunktschule)
- wie sollen unsere Kinder sicher und selbständig in die Schule kommen?
- was will die Stadt damit erreichen??

Wiemelhausen braucht eine eigenständige, zweizügige Borgholzschule. NICHT EIN FAKT spricht für eine Schliessung.

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