Großer Jubel für Tanztheater in Bochum

Einer ist anders: Alexis Fernandez Ferrera im roten Kleid mit seinen famosen Tanzkollegen von Renegade.
Einer ist anders: Alexis Fernandez Ferrera im roten Kleid mit seinen famosen Tanzkollegen von Renegade.
Foto: Diana Küster
Was wir bereits wissen
Kompanie Renegade aus Herne zeigt in den Kammerspielen die neue Choreographie „Ruhm“. Ein schöner Erfolg auch dank atemberaubender Musik.

Bochum.. Alles beginnt damit, dass sechs junge Leute in grauen Schuluniformen an einem Spielgerüst stehen und sich munter die Zeit vertreiben. Sie necken sich, sie ärgern sich, das geht eine Weile so dahin.

Bis einer kommt, der anders ist als die anderen. Der ein feuerrotes Kleid und dazu Rastalocken trägt. Dessen Bewegungen großspuriger sind und dessen Lächeln sonderbarer ist. Keiner weiß, wer dieser Neue, Fremde ist, aber offensichtlich zieht seine Aura die anderen in den Bann. Erst beäugen sie ihn misstrauisch, dann umgarnen sie ihn, später vergöttern sie ihn – und schließlich lassen sie ihn fallen.

Es sind eindringliche Bilder, die Regisseur Neco Celik für seinen Tanzabend „Ruhm“ findet, der unter tosendem Applaus seine Uraufführung in den Kammerspielen erlebte. Die Herner Tanzkompanie Renegade, mittlerweile zum fünften Mal an der Königsallee zu Gast, scheint eine treue Fangemeinde gefunden zu haben. Die pulsierenden Choreographien aus dem Hause Renegade reihen sich damit nahtlos ein in die spannende Historie des Bochumer Tanztheaters, das mit der Pionierarbeit von Reinhild Hoffmann in den 1980er Jahren begann und später mit den poetischen Tanzabenteuern von Henrietta Horn während der Goerden-Intendanz ihre Fortsetzung fand.

Bühne aus einer weißen Stoffbahn

Gewiss ist das Thema „Ruhm“ und seine Flüchtigkeit nicht erst seit dem berühmten Satz von Andy Warhol („In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein“) keineswegs taufrisch. Doch Regisseur Celik ist klug genug, dem abgegriffenen Thema völlig frei zu begegnen. Geschickt versteht er es, den lediglich mit einer weißen Stoffbahn geschmückten Raum von Berit Schog zu nutzen und das fabelhafte Spiel seiner Tänzer punktgenau zu arrangieren.

Das Ensemble ist erstklassig, wobei besonders Alexis Fernandez Ferrera zu nennen ist, dessen roter Tanzteufel nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers bleibt. Wenn die Tänzer am Ende des knapp einstündigen Spiels völlig verschwitzt übereinander liegen, dann ahnt der Sportmuffel im Saal, welch konditionellen Höchstleistungen er soeben beiwohnen durfte.

Atemberaubender Klangteppich

Eine weitere, ganz wichtige Rolle spielt die Musikerin Anna Suda, die Fans der Electro-Szene unter ihrem Künstlernamen „An On Bast“ kennen. Im hinteren Teil der Bühne hat sie Computer und Mischpult aufgebaut und arrangiert zu den pulsierenden Tanzszenen einen wahrlich atemberaubenden Klangteppich. Die Melodien fließen ineinander, die Beats peitschen, einmal kommt sogar ein Hauch Strawinsky durch die Boxen geweht. Live hat sie dies nur bei der Premiere gespielt, doch auch vom Band sind Anna Sudas Kompositionen bei den kommenden Vorstellungen gewiss ein Genuss.

Weitere Vorstellungen am 14., 28. und 31. Januar sowie 4., 11., 22. und 25. Februar.
Karten: 0234 / 33 33 55 55.